Startschuss zur Aktivierung Ausschussmehrheit für zweite Projektphase in Büren

Häuser aus den 50er Jahren sind typisch für das Sanierungsquartier in Büren. Foto: Angelika HitzkeHäuser aus den 50er Jahren sind typisch für das Sanierungsquartier in Büren. Foto: Angelika Hitzke

Lotte. Leuchtturmprojekt für den Klimaschutz oder Verschwendung von Steuergeldern? Zwischen diesen Polen bewegte sich die Diskussion über die Teilnahme an der zweiten Phase des des KfW-432-Pilotprojektes "Sieben auf einen Streich", einem Förderprogramm für energetische Stadtsanierung, für das 50er-Jahre-Siedlungsquartier Büren im Lotter Verkehrs- und Umweltausschuss. Sie wurde letztlich gegen die Stimmen der CDU beschlossen.

Wie Lottes Klimaschutzmanager Marc-Philipp Nikolay und Sara Dietrich vom Kreis Steinfurt erläuterten, wurde mit der Analyse der Rahmenbedingungen, nämlich der energetischen Bestandsaufnahme  und der Ermittlung des Potenzials, in den vergangenen zwei Jahren der Grundstein für die zweite Phase gelegt. "Jetzt geht es um die Aktivierung und Mobilisierung der Bürger und erste, relativ niedrigschwellige Angebote", so Dietrich.

Kümmerer vor Ort

Dafür sorgen ein "Kümmerer vor Ort" und der Aufbau eines Netzwerkes. Um die sieben Teilnehmer-Kommunen  – außer Lotte sind Westerkappeln, Ibbenbüren, Mettingen, Neuenkirchen, Metelen und Wettringen dabei – zu entlasten,soll laut Dietrich Sanierungsmanagementteam aufgebaut werden, das beim Kreis Steinfurt im Amt für Klimaschutz angesiedelt ist und über Sammelanträge und Sponsoring unter anderem durch Die Kreissparkasse die Gemeinden auch finanziell entlaste. Die KfW setze auf dem Eigenanteil der  Kommunen – für Lotte sind das 2500 Euro im Jahr 2019, je 5000 Euro in den Jahren 2020 und 2021 und 2500 Euro 2022 – noch einmal 65 Prozent Förderung drauf. "Wir wollen Ende April den Antrag einreichen", erklärte sie.

Ablaufplan bis 2022

Im Ablaufplan für Büren ist für dieses Jahr die Vorstellung und aufsuchende Beratung durch den "Kümmerer", der Aufbau eines lokalen Netzwerks, ein Gebäudescreening und eine Kampagne zum Energieträgerwechsel vorgesehen. Es gehe also zunächst darum, Strukturen für die Verstetigung zu schaffen.

2020 soll der Kümmerer dann die Umsetzung erster Sanierungsvorhaben und Projekte begleiten, eine Themografieaktion im gesamten Quartier erfolgen, Modernisierung, Wohnumgeldgestaltung und Energieeinsparung in Eigenleistung angestoßen werden, eine Energiewerkstatt zur Umweltbildung installiert und in einer Kampagne über altersgerechte Umbaumöglichkeiten informiert werden.

2021 stehen neben dem fortlaufenden Sanierungsprozess  Solarenergienutzung und Mobilität im Vordergrund, 2022 dann der zweite Teil energetischer Sanierungen mit der Bildung von Einkaufsgemeinschaften, Besichtigungsrundgang und Best-Practise-Beispielen. Regelmäßige Treffen und Nachbarschaftsfeste sollen dem Informationsaustausch und der Identifikation mit dem Quartier dienen.

CDU stimmt dagegen

Steffen Wascher monierte, dass "bis dato keine konkreten Maßnahmen erkennbar" seien. "Auch der Ablaufplan ist mit vielen Hülsen gefüllt", sagte er. Da es sich um eine punktuelle Förderung handle, profitiere nur ein kleiner Teil der Bevölkerung: "Wir lehnen diese Steuerverschwendung ab!"  Fraktionschef Werner Schwentker stieß ins gleiche Horn: "Die gute Absicht ist da, aber wir sehen nicht, dass was davon bei dem Bürger ankommt, der es braucht." In zwei Jahren habe es keine zählbaren Ergebnisse gebracht.

Nikolay betonte, dass nach der Konzepterstellungsphase ja jetzt erst das Sanierungsmanagement beginne, sodass naturgemäß noch keine konkreten Ergebnisse vorliegen könnten. Er verwies unter anderem auf die Sanierung der Elly-Heuss-Begnungsstätte als zentrales öffentliches Projekt. Dietrich unterstrich, dass Förderung und Beratung mir "unglaublichen Angeboten" Anreize und Hilfestellung gäben: "Das ist ein Leuchtturmprojekt für den Kreis Steinfurt!"

Beitrag zum Klimaschutz

Für die SPD hob Hermann Brandebusemeyer das Sanierungsmanagment als "einen wichtigen Beitrag der einzelnen Haushalte" zum Klimaschutz hervor. Und der stehe ganz oben auf der Tagesordnung. Hier werde ein ganzes Bündel von Maßnahmen vorgeschlagen und angestoßen: "Das ist ein Leitfaden, an dem wir uns entlang hangeln können." Jetzt gelte es, örtliche Akteure mit einzubeziehen: "Die SPD meint, die 5000 Euro sind gut angelegt!"

Besonders viele 50er-Jahre-Häuser

Der Meinung waren auch Friedel Glüder (Grüne) und Thomas Engels (FDP). "Büren wurde nicht ohne Grund ausgesucht. Hier sind besonders viele Häuser aus den 50er Jahren", so Glüder. Da die Bevölkerung noch sehr wenig über energetische Sanierung wisse, sei dies eine gute Möglichkeit, auf die Förderung aufmerksam zu machen - gerade, weil sich die Bevölkerungsstruktur dort ändere. Und Engels fand: "Bei den Summen sollten wir uns nicht groß anstellen."


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