Fast 30 Jahre Künstlerfreundschaft Kunstkreis und Aquarellys stellen in Lotte aus

Konzentriert lauschen die Vernissagebesucher der Begrüßungsansprache von Christiane Budke (vorn, Mitte) und Pierrette Tisserand-Ennen (vorn, rechts). Foto: Ursula HoltgreweKonzentriert lauschen die Vernissagebesucher der Begrüßungsansprache von Christiane Budke (vorn, Mitte) und Pierrette Tisserand-Ennen (vorn, rechts). Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Es ist keine Kunst, Völkerfreundschaft zu pflegen. Es braucht nur gegenseitiges Wollen. Das bewies einmal mehr die nun 27. Vernissage des Kunstkreises Lotte im Alt-Lotter Haus Hehwerth, diesmal mit den französischen Aquarellys. Dabei waren auch Lotter Mitglieder, die erstmals ausstellten.

Alle zwei Jahre beteiligen sich die befreundeten Aquarellys aus Lottes Partnergemeinde Lys-lez-Lannoy an der Vernissage. Mindestens zwei Wangenküsschen gehören zur französischen Begrüßung. Und davon gab es reichlich noch vor der Eröffnung. 

Küsschen für die Partnerschaft

Die Kunstkreisvorsitzende Christiane Budke erinnerte an die herzliche Aufnahme und Betreuung bei ihrer ersten Fahrt nach Lys im vergangenen Oktober. Des Weiteren nahm sie Bezug auf die Jahreslosung in Deutschland „Suche den Frieden und jage ihm nach“. 

Die künstlerische Partnerschaft weiter festigen möchten Josette Bélot (links) und Christiane Budke. Foto: Ursula Holtgrewe


„Das Künstlern ist ein wunderbarer Ruhestifter“, beschrieb sie eigene Erfahrungen. Kunstwerke seien wie friedliche Inseln, umbrandet von rauer Wirklichkeit. Zum Thema Frieden habe der Kunstkreis eine Kollage mit unterschiedlichen Friedenszeichen und -wünschen gestaltet, die anregen solle, über die Wichtigkeit des Friedens für unterschiedslos alle Menschen nachzudenken und ihm nachzujagen.

Kunst fördert internationale Völkerverständigung

Als Übersetzerin fand Pierrette Tisserand-Ennen, Mitbegründerin der Partnerschaft, die passenden Worte. Auf Deutsch war es für Josette Bélot erneut eine Freude die künstlerische Freundschaft zu bekunden. Gleichfalls charmant stellte sich Chantal Bouillet als neue Vorsitzende der Aquarellys vor - und lud die Gastgeber formvollendet nach Frankreich zur Oktober-Ausstellung ein.

Jazz-Schätze tragen Jule Bunje (von links), Benjamin Pfordt und Johannes Zinn vor. Foto: Ursula Holtgrewe


Mit ihrem musikalischen Können umrahmten drei Künstler die Vernissage. Jule Bunje am Mikro, Benjamin Pfordt (Keyboard) und Johannes Zinn (Gitarre) setzten mit bekannten Jazzstücken besondere Akzente in Lottes „Guter Stube“.

Lottes Bürgermeister Rainer Lammers hob gleichfalls die mehr als 25-jährigen freundschaftlichen Bande zu Lys heraus. Die Kunstschaffenden seien vor fast 30 Jahren die ersten gewesen, die Kontakt miteinander aufgenommen hätten, blickte er zurück. „Und zwar noch vor der Unterzeichnung des interkommunalen Partnerschaftsvertrages.“

Das fröhliche Willkommen galt auch Josette Bélot (rechts) und der Aquarellys-Vorsitzenden Chantal Bouíllet (daneben). Foto: Ursula Holtgrewe


Das bestätigte wenig später Heidrun Bailly ein wenig versonnen: „Klara Harhues und ich sind wohl noch die einzigen Mitglieder im Kunstkreis, die damals nach Vermittlung von Pierrette Kontakt mit den Aquarellys aufgenommen haben.“ Das sei vor fast 30 Jahren gewesen. Damals hätten Puppen im Mittelpunkt gestanden, erinnerte sie sich.

Selbstportraits von sich und ihrem Mann Reinhard setzte Heidrun Bailly in Ton um. Foto: Ursula Holtgrewe


In seinem Grußwort hob Lammers zudem heraus, dass in Zeiten unruhiger politischer Lagen in einigen europäischen Ländern internationale Freundschaften sehr wichtig seien. Des Weiteren lud er die Lotter Bevölkerung zur fröhlichen Partnerschaftsfeier am 1. und 2. Juni ein, um das völkerverständigende Fundament weiter zu festigen.

Blind date mit Papier, Wasser und Farbe

Christiane Budke eröffnete nun die Ausstellung und gab das Fingerfood-Buffet frei. Schüler Julius ließ sich von den Augen der Mona Lisa faszinieren, die Valerij Martin auf Papier gebannt hatte. An anderer Stelle fragte er Christel Landmeyer, die zum zweiten Mal ausstellte, nach ihren Aquarellen. Sie begann vor einigen Jahren mit dem Malen. „Man kann nie voraussagen, was beim Aquarellieren herauskommt“, beschrieb sie schmunzelnd, dass es vor einem fertigen Bild stets ein Blind date mit Papier, Wasser und Farbe gebe.

"Ist er nicht niedlich?" freut sich Christel Landmeyer, dass ihre Bilder Freude bereiten. Foto: Ursula Holtgrewe


Erstmals mit Kunsthandwerk dabei war Karin Sternberg. „Ich liebe Beton“, sagte sie gut gelaunt und hob eine schwere Topfkuchenskulptur hoch, in die sie eine Pflanze gesetzt hatte. „Ich habe den Kuchen bei einer Freundin gesehen und gedacht: Das möchtest du auch können“, berichtete sie energiegeladen. So seien auch kleine wetterfest Hasen, Schalen und Tisch-Öllampen entstanden.

Witzige Idee: Karin Sternberg goss einen Gugelhupf aus Beton für den Garten. Foto: Ursula Holtgrewe


Am Samstag und Sonntag freuten sich die Künstler über zahlreiche Besucher, die bereit waren, mit Bildern in Dialoge zu treten und über kunsthandwerkliche Kreativität zu fachsimpeln. Schon am Sonntag nach wie immer zu kurzer Zeit hieß es wieder tränenreich „au revoir“. So manch einer freute sich bereits aufs Wiedersehen in Lys im Oktober, um einmal mehr zu dokumentieren, dass die Kunst eine vortreffliche Möglichkeit ist, internationale Freundschaften zu pflegen.


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