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Herrenabend am Frauentag Ovationen für Wersens König, Ex-König und Showact


Lotte. Um die Zukunft mag man sich Sorgen machen, aber nicht um die des Herrenabends in Wersen. Ein toll präparierter Krautkönig Bernd Althusmann, sein gewohnt grandioser Vorgänger Wolfgang Griesert und der kreischend komische Kabarettist Kai Magnus Sting wurden in den Ratsstuben völlig zu Recht stehend gefeiert.

Nach den vermeintlichen sprachlichen Entgleisungen der Karnevalszeit ließen sich die Redner rund um die Krautmahlzeit mit Haxe und Püree durch die mediale Empörung nicht verunsichern. Einig zeigten sich die 330 Männer zumal am Weltfrauentag, dass sie sich weder den Mund noch ihren Humor verbieten lassen. Das belegte Olaf Wienhaus, Vorsitzender des Bürgervereins Wersen, bereits in seiner Begrüßung. Mit Blick auf die Osnabrücker Mahlzeit kritisierte er, dass Männer dafür, dass sie zusammen essen, an den Pranger gestellt würden: „Meine Herren, das lassen wir uns nicht nehmen.“

Eine U-Bahn für Büren

Auch Lottes Bürgermeister Rainer Lammers erteilte zur Eröffnung Gender-Sternen und Quotenzwängen eine Absage, widmete sich dann aber dem Lokalen. So teilte er mit, dass der Widerstand in Büren gegen die Nordbahn durch den Bau einer U-Bahn unter Bauleiter Friedhelm Pösse überwunden werde. „Oben drüber kommt der gewünschte Radweg, auf dem Rita Beimdiek dann den ganzen Tag hin und her fährt.“

Zum Osnabrücker Übergewicht am Ehrentisch fragte CDU-Europaabgeordneter Markus Pieper in einem ersten Grußwort, warum dort neben VfL-Präsident Manfred Hülsmann kein Platz für den SFL-Vorsitzenden Hans-Ulrich Saatkamp sei. Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert bescheinigte er zwar krautkönigliche Qualitäten, aber: „Da ist man einmal nicht beim Herrenabend, und schon regiert ein Stadtteilbürgermeister von Wersen das Krautvolk.“

34 Strophen gedichtet

Nach dem leckeren Krautmahl trat Griesert dann seinen schweren Gang an, sich als König zu verabschieden. Er tat es in Versen mit satten 34 Strophen, von denen 24 ein eigenes Gedicht mit dem Titel „Die Achse des Guten“ bildeten und das Verhältnis zwischen Osnabrück und Wersen hochleben ließen. Dies bescherte ihm die ersten Ovationen des Abends.

Die Wahl des Nachfolgers verzögerte sich nach den Worten von Olaf Wienhaus, weil plötzlich eine Gegenkandidatin der Grünen aufgetaucht sei und unter Androhung einer Klage die Teilnahme gefordert habe. Ein Blick ins Vereinsstatut habe den Fall im Sinne der Herren geregelt. Doch es blieben Zweifel an Wienhaus märchenhafter Erzählung.

Als Panzer sturmfest und erdverwachsen

So kam Laudator Karl-Josef Laumann zum Zuge, der dem frisch Gewählten bescheinigte, als gebürtiger Oldenburger durch Grünkohl, Kraut und Korn gestählt und überhaupt „als feste Burg und Wehr“ das Mensch gewordene Niedersachsenlied zu sein. Der neue König führe als Hauptmann der Reserve den Beinamen „Panzer“, was ihn wahrlich „sturmfest und erdverwachsen“ erscheinen lasse. Laumann: „Ich habe in Düsseldorf viel mit Rheinländern zu tun und weiß, dass du zu den harten Männern zählst, die das halten, was Rheinländer versprechen.“

Kaum proklamiert und an die Krautkette gelegt, bewies Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann ungeahnte Schlagfertigkeit, indem er dem Vorgänger gereimt antwortete: „Liebe Ehrenmänner, ich werde stets euch achten und mich sputen; Osnabrück-Wersen, die Achse des Guten.“ Er sei stolz auf seine Wahl, da der Bürgerverein seit über 40 Jahren im Einsatz dafür sei, dass Politiker politisch korrekt durch den Kakao gezogen würden. Seinem Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD), der 2015 Krautkönig war und dessen Stellvertreter er ist, sagte der Christdemokrat nach, dass es seitdem mit ihm bergab gehe. „Ja, wir können ganz gut miteinander; aber wir können auch ganz gut ohne einander.“

Grüße von Feldhamster und Wachtelkönig

Als Minister auch für Verkehr, stellte Althusmann den zwölf Jahre währenden Bau der 9,5 Kilometer langen Umgehung von Bad Oeynhausen dem Bau einer 160 Kilometer langen zwölfspurigen Autobahn innerhalb eines Jahres in China gegenüber. Er übermittelte die Grüße von Feldhamster und Wachtelkönig, die den Grünen landauf landab bei der Behinderung von Straßenprojekten zu Hilfe kämen. Für seine Amtszeit kündigte er unter anderem an, den FMO in WIC (Werse International Central) umzubenennen. Mit dem Ausruf „Völker der Welt, schaut auf diesen Landstrich. Ick bin ein Wersener!“, rief er die nächsten Ovationen hervor.

Gleiches gelang Kai Magnus Sting mit einem wahren Feuerwerk an Gags, das die Männer im Saal punktgenau abholte. So antwortete er auf den Hinweis eines Arztes zum Joggen, der Weg sei das Ziel: „Ich hab im Leben schon so viel Weg gesehen, jetzt sind mal Ziele dran.“ Auf dessen Sprachlosigkeit: „Kommt da noch wat, oder muss ich einen Vokal kaufen?“ Auf die Mitteilung, dass auch Männer ohne Hoden zur Polizei dürften: „Kann ich die noch Bullen nennen?“ Warum sagen Frauen statt „schräg“ über Eck? „Weil es ein Wort mehr ist.“ Und zur TV-Serie „Bauer sucht Frau“: „Wozu? Ach, na ja hier in Wersen…“

Harter Job nach Gag-Feuerwerk

Drei Zugaben machten die Aufgabe des Schlusswortes für Ernst Schwanhold hart. Nicht ganz ernst gemeint, bat er um Mitleid, nannte Markus Pieper wegen seiner Osnabrück-Kritik „ein Teil des Bösen“ und nahm als Sozialdemokrat die neue CDU-Chefin gegen humorlose Attacken von Gender-Aktivisten in Schutz. Dann gab er auf.

Und hier das ganze Griesert-Werk

Auch wenn Merkel, Seehofer und vielleicht bald Nahles gehen,

das Königreich Wersen bleibt ewig bestehen!

Männer, zum Fastenbrechen eile ich, das ist kein Scherz,

nach Wersen zur Mahlzeit an einem Freitag im März.

Wie ein Zugvogel komme ich aus dem nahen und kühlen Osten,

um Haxe, Püree und Kraut zu verkosten.

Männer, beim Blick in den Kalender wisst ihr genau,

dieser „Friday For Future“ ist heute auch Tag der Frau.

Dieser 8. März lässt nicht nur Kinder hoffen,

die Welt steht in gutem Klima allen offen.

Männer, die Grünen wollen unsere herrlichen Abende dämlich verändern,

Hannover will jetzt sogar sein Hochdeutsch gendern.

Landesherr Stephan Weil sprach in Osnabrück zu später Zeit:

Nie*der*die*das*achsen, das geht mir zu weit.

Männer, sogar „Die Wersen-Witze“ lassen uns hier herrlich lachen,

aber wer seinen Mann steht, sollte die Wersen-Witze in Wersen machen.

Hier müsste AKK als Alternative-Kraut-Königin nichts bereuen

und würde sogar alle Geschlechter erfreuen.

Männer, der Bürgerverein schreibt später in den Jahresbericht,

der Abschied des Königs war ein Gedicht.

Eine Liebeserklärung an sein Volk persönlich,

mit Herz und Verstand und das nicht zu wenig.

Eine moderne Ode an Wersen,

nicht göttlich aber in Versen.

Männer, meine Abschiedsrede wollte ich „Wersen, mein königlicher Heimat-Horst“ nennen,

aber dann fing die Storch-Partei, also „Adebar für Deutschland“, an zu flennen.

Sie seien zutiefst verletzt,

der Titel „Heimat-Horst“ wäre schon besetzt.

Männer, dem Horst in Bayern tat das Klappern nicht gut,

die Rotschnabel-Andrea ist nun auf der Hut!

Retten Pieper und Weber für Kind bis Opa

nach der Wahl im Mai Theresa‘s „May-Day“ Europa?

Männer, deshalb widme ich meine Hymne laut:

Europa, dem Baron und der Mahlzeit mit Kraut.

Die Strophen enden in meinem Gedicht

niedersächsisch bescheiden und westfälisch schlicht.

Männer, der Refrain lässt es vermuten:

„Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!“

Die Achse des Guten

Ein Jahr lang nahm die Zeit ich mir

zu königlichen Visiten, es waren wohl vier:

keine Weltreisen, sondern nur Fahrrad-Routen,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Oberbürgermeister einer Stadt mit Schloss,

und dann noch König, quasi Herrscher und Boss:

so wächst begrenzte Macht zur absoluten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Zünftig das Krautmahl, Musik für das Ohr,

nicht Robin Schulz oder ein Kirchenchor:

nur das Blechtett kann Blasen und Tuten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Das Wiehengebirge und der Teutowald

sind Berge wo kein Echo hallt:

kein Berliner Kissen, nur Wanderrouten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

UNESCO Geopark und Wirtschaftsort,

die Region lebt auch vom Pferdesport:

Steckenpferdreiten und Kasselmanns Stuten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Für Camper und Angler ein Himmelreich,

sind der Attersee und der Hasedeich:

zugleich Vorsorge gegen Regenfluten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Ohrfeige beim Schnatgang, aber kein Skandal,

weder in der Altstadt noch am Stichkanal:

keine Gorch Fock, nur flotte Kanuten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Das Mittelalter waren die besten Jahre,

für Hansestädte und Handelsware:

Leinen für Binnen und Flachse für Buten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Nach 30 Jahren Krieg, Not und Qualen,

Europa schloss Frieden in Westfalen:

klare Verträge, nicht laxe Statuten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Kraut auf neu geprüften Landesgrenzen,

bringt Politik intelligent zum Glänzen:

„Grüne Finger“ mit KI-Instituten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Der Rückzug der Briten macht hier alle froh,

freie Flächen und Taxen zum FMO:

keine Kneipe voll trunkener Rekruten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Nach Pye führt eine Bürgerbrücke,

stabil aus Holz für Dünne und Dicke:

Offenheit gehört zu unseren Attributen,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Im Cabrio mit dem Karmann-VW

vom Rampendahl an den Rubbenbruchsee:

auch wenn Resch und die Umwelthilfe buhten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Preiswert wohnen ohne Bürgerentscheid,

in Lotte wohnt man ganz befreit:

Geld fürs Theater führt nicht zu Disputen,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Am Westfalentag ins Weltstädtchen rein,

Schlangen vorm Parkhaus, das müsste nicht sein:

die Nordbahn spart Stress und Minuten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Der Neumarkt nur für Bus und Fußgänger,

am Wall ist der Stau entsprechend länger:

für Hotel und Shopping will man sich sputen,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Karneval feiern Jecken mit „Helau“,

beim Ossensamstag, erst nüchtern dann blau:

Hexen jagen Priester mit Masken und Ruten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Jährlich trifft der VVO den Bürgerverein,

das wird auch den Bierkönig auf der Maiwoche freu‘n:

Live-Musik und Lachse, gegrillt über Gluten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Bei den Sportfreunden spielt man fair und schnell,

doch um den Aufstieg spielt der VfL:

weder Blutgrätsche noch Nasenbluten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Vor allem im Sommer, aber auch bei Schnee,

Surfer auf der Welle bei L&T:

ohne Kurtaxe geht’s in die Fluten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Das Highlight in Westfalen, ohne Neid,

sind die Ratsstuben mit der Krautmahlzeit:

heimische Haxe statt polnische Puten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Zu später Stunde noch „Starkes Mett“,

zum Abschluss ein Schnaps, zu Fuß dann ins Bett:

selbst noch fahren ist keinem zuzumuten,

Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!

Auch die Presse druckt morgen groß und fett,

sowohl die WN als auch NOZ:

bei Kraut und Haxe lässt sich vermuten,

„Osnabrück-Wersen, das ist die Achse des Guten!“

Männer, ich habe sie keinen Tag bereut,

aber nun endet meine machtvolle Zeit:

ein Osnabrücker, der zum Wersener mutierte,

zum Abschied grüßt Euch „Wolfgang der Wersierte“!


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