Kindergarten in Alt-Lotte zu Awo-Kita beteiligt sich am landesweiten Warnstreik

Angelika Hitzke und Ursula Holtgrewe

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Nichts los in der Awo-Kita in Alt-Lotte: Nicht nur für die Jüngsten, die das ältere Gebäude am Standort Lönsweg besuchen, sondern auch für die „Großen“ an der Bachstraße mussten die Familien wegen des Warnstreiks Unterbringungs-Alternativen finden. Foto: Ursula HoltgreweNichts los in der Awo-Kita in Alt-Lotte: Nicht nur für die Jüngsten, die das ältere Gebäude am Standort Lönsweg besuchen, sondern auch für die „Großen“ an der Bachstraße mussten die Familien wegen des Warnstreiks Unterbringungs-Alternativen finden. Foto: Ursula Holtgrewe

ahi/gre Lotte. Zu einem ganztägigen Warnstreik hatte am Dienstag die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die rund 65000 Beschäftigten von Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Nordrhein-Westfalen aufgerufen. Bis mittags waren nach Auskunft von Verdi-Presseprecherin Lisa Isabell Wiese 2300 Streikende dem Aufruf gefolgt. Einzelne Kitas und Offene Ganztagsschulen (OGS) blieben komplett geschlossen, darunter die Awo-Kita Bachstraße in Alt-Lotte.

Die Kindertageseinrichtung in Lotte sowie eine Awo-Kita in Greven, wo allerdings eine Notbetreuungsgruppe eingerichtet war, sind allerdings laut Sandra Schubert, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Awo-Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen, die beiden einzigen Kindergärten von insgesamt 20 im Kreis Steinfurt, die sich am Streik beteiligten.

Normaler Betrieb in Halen und Westerkappeln

Sowohl in der Awo-Kita in Halen, als auch in den beiden Awo-Einrichtungen in Westerkappeln lief der Betrieb hingegen normal. Gleiches gilt für die beiden Awo-Seniorenzentren in Ibbenbüren, wie Katrin Mormann vom Bezirksverband Westliches Westfalen auf Anfrage mitteilte: In den Pflegeeinrichtungen zumindest im westlichen Westfalen laufe der Betrieb überall normal. Einen Notdienst habe man nicht organisieren müssen, da sich nur vereinzelt Mitarbeiter am Warnstreik beteiligten.

Auch die Eltern, die ihre Kinder in der Lotter Awo-Kita untergebracht haben, hat der Warnstreik nicht kalt erwischt: „Die Eltern wurden frühzeitig über den Streik informiert“, so Sandra Schubert. Frühzeitig, so erläuterte sie auf Nachfrage, bedeute, dass sie bereits am vergangenen Woche Freitag ein Schreiben bekommen hätten und auch von den Erzieherinnen darauf angesprochen worden seien. „Morgen läuft der Kita-Betrieb wieder normal“, kündigte die Awo-Sprecherin an.

Verständnis für Streikende

„Ich finde es kulant, dass es vorher für uns eine Info gab und kann es verstehen, dass die Erzieher ihr Recht auf Streik wahrnehmen“, sagte Mutter Kerstin Holtgrave. Alle Familien hätten am Wochenende Zeit gehabt, eine Lösung für die Betreuung des Nachwuchses zu finden.

„Uns privat hat es nicht so sehr getroffen, weil ich heute meinen freien Tag habe. Der war zwar anders verplant, aber nun habe ich ihn mit unseren Kindern verbracht“, berichtete sie. Anderenfalls wären die Familien eingesprungen. „Oder ich hätte mir einen Tag Urlaub genommen.“ Sie hoffe, dass es zur Einigung zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Awo als Arbeitgeberseite komme und es nicht weitere Streiktage in der Kita gebe, betonte die zweifache Mutter.

Einkommenslücke zum öffentlichen Dienst

Worum geht es überhaupt? Die Gewerkschaft Verdi möchte im Rahmen der Tarifverhandlungen Druck machen, da aus ihrer Sicht das Angebot der Arbeitgeber in NRW, den Beschäftigten sieben Prozent mehr Lohn über eine Laufzeit von zwei Jahren verteilt zu gewähren unzureichend ist. Die Gewerkschaft fordert zehn Prozent mehr bei einer Laufzeit von 13 Monaten und begründet dies mit einer „großen Einkommenslücke“ zu vergleichbaren Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Das Verdi-Argument, dass Erzieher/innen in den Kitas und in der OGS im Durchschnitt zehn Prozent weniger vedienten als im öffentlichen Dienst, weist Awo-Geschäftsführer Uwe Hildebrandt zurück: „Diese Behauptung ist falsch. Ehrlicherweise gibt es tatsächlich zurzeit noch eine Differenz. Zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass allein in den letzten 36 Monaten die Erzieher/innen in unseren Einrichtungen eine tarifliche Entgeltsteigerung von durchschnittlich 20 Prozent erhalten haben. Würde Verdi unser Tarifangebot zügig annehmen, könnte diese Differenz am 1. Januar 2019 auf 4,9 Prozent und am Ende der Laufzeit auf ein Prozent sinken.“

Phase der Kompromissfindung

Der Warnstreik, so Hildebrandt in einem Info-Brief an alle Awo-Beschäftigten, sei angesichts „unseres außergewöhnlich guten Tarifangebots“ nicht zu erwarten gewesen und erschwere den Verlauf der Verhandlungen, da man jetzt eigentlich die Phase der Kompromissfindung eintrete. „Zeitgleich in dieser Phase schon Einrichtungen zu bestreiken und damit Kinder, Familien und Pflegebedürftige zu belasten, ist nicht verhältnismäßig“, so der Awo-Geschäftsführer. Zudem sei es „unredlich“, allein das Tabellenentgelt zu vergleichen, denn die Awo-Beschäftigten erhielten beispielsweise eine Jahressonderzahlung, die zehn Prozent über der des öffentlichen Dienstes liege, dessen Mitarbeiter/innen im Gegensatz zu denen der Awo außerdem einen Teil der zusätzlichen Altersvorsorge selbst zahlen müssten.

Schwerpunkt mittleres Ruhrgebiet

Die Gewerkschaft hingegen kritisiert in einer Pressemitteilung zum Warnstreik das Arbeitgeberangebot der Awo als „Etikettenschwindel“ und betont: „Ziel ist, die Arbeitgeberseite zu einem deutlich besseren Angebot zu bewegen.“Es sei darum gegangen, ein Zeichen zu setzen, erklärte Verdi-Pressesprecherin Lisa Isabell Wiese, die von einem Mobilisierungerfolg sprach: Mit knapp 2500 Streikteilnehmern, die zur Kundgebung anlässlich des Starts der zweiten Verhandlungsrunde am Dienstagmittag nach Düsseldorf gekommen seien, habe man mehr erreicht als angenommen. „Wir hatten mit 1000 Teilnehmern gerechnet“, sagte sie.

Schwerpunkt des Warnstreiks war nach ihrer Mitteilung des mittlere Ruhrgebiet: In Bochum seien 25 von 29 Kitas komplett geschlossen gewesen und vo dort fast 800 Streikende angereist, in Witten acht von neun Kitas und 4 OGS, in Herten und Marl alle Kitas und alle offenen Ganztagsschulen. In den Altenpflegeeinrichtungen habe es viele Einschränkungen gegeben, aber wegen der ohnehin bestehenden Personalknappheit wenige aktive Streikteilnehmer, weil die Notversorgung aufrecht erhalten werden musste. Gerade angesichts des Fachkräftemangels gehe es darum, die Lücke beim Entgelt zu schließen, betonte sie.


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