Perspektivwechsel im Gesetz Seniorenhilfe informierte in Wersen über Pflegegrade

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Gleich beginnt Ronja Schüttken (hinten rechts am Laptop) ihren Vortrag. Bei der technischen Einrichtung haben der Hand-in-Hand-Vorsitzende Achim Jakob (stehend links) und Klaus Kluge (daneben) geholfen. Foto: Ursula HoltgreweGleich beginnt Ronja Schüttken (hinten rechts am Laptop) ihren Vortrag. Bei der technischen Einrichtung haben der Hand-in-Hand-Vorsitzende Achim Jakob (stehend links) und Klaus Kluge (daneben) geholfen. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Was tun, damit Patienten einen Pflegegrad zuerkannt bekommen? Wo gibt es beratende Unterstützung? Zu dem komplexen Thema referierte Ronja Schüttken bei „Hand in Hand – Seniorenhilfe Lotte-Westerkappeln“ in der Mensa der Wersener Gemeinschaftsschule.

Früher habe es drei Pflegestufen gegeben und vier Bereiche, die von der Pflegekasse der Krankenkassen eingestuft wurden, blickte die examinierte Altenpflegerin und Pflegewissenschaftlerin Ronja Schüttken zurück.

Perspektivwechsel bei Einstufung in Pflegegrade

„Es hat im Pflegestärkungsgesetz II ein Perspektivwechsel stattgefunden. Seit zwei Jahren gibt es fünf Pflegegrade. Berücksichtigt wird seitdem, dass demenziell Erkrankte und kognitiv eingeschränkte Personen einen höheren pflegerischen Zeitaufwand benötigen als körperlich Beeinträchtigte“, erklärte die Mitarbeiterin des Pflegedienstes Hassel.

Möglichst langes Leben im heimischen Umfeld fördern

Ziel der Pflege sei es, die Mobilität und die Fähigkeiten des Patienten sowie dessen Leben im vertrauten heimischen Umfeld so lange wie möglich ist zu fördern, hob Ronja Schüttken heraus. Es gelte: „Je mehr jemand eingeschränkt ist, umso mehr ist jemand pflegebedürftig.“ Ein dementer Mensch mit Weglaufdrang könne nur dran gehindert werden, wenn die Pflegeperson sich die Zeit nehmen kann, dessen Gedanken behutsam in eine andere Richtung zu lenken.

Wenn Waschlappen fliegen

„Es kann schon mal sein, dass ein Waschlappen nach einem geworfen wird. Da hat es sich als sinnvoll erwiesen, etwas später erneut auf diesen Menschen zuzugehen“, beschrieb sie ein Praxisbeispiel.

Geprüft wird bei der Einstufung in Pflegegrade auch die Fähigkeit, inwieweit der Patient sich noch selbst versorgen kann. Dazu gehören eigenständiges Trinken und die Verrichtung der eigenen Körperpflege. „Je nachdem wie groß die Einschränkung ist, erfolgt eine entsprechende Gewichtung“, betonte Ronja Schüttken.

MDK begutachtet

Ein Anruf bei der Pflegekasse reicht in der Regel aus, damit der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) ins Haus kommt zur Begutachtung. Hilfreicher kann es sein, den Antrag schriftlich reinzureichen, denn für einen Leistungsanspruch gilt rückwirkend das Antragsdatum.

In der Diskussion des großen Zuhörerkreises wurde mehrfach Kritik gefrusteter Angehöriger am MDK laut: „Wenn man Glück hat, schafft man die Anerkennung des Pflegegrads eins beim zweiten Besuch des Gutachters.“

Pflegebedürftige reißen sich bei Besuch zusammen

Ronja Schüttken räumte ein, dass sich Patienten häufig zusammenreißen, wenn fremder Besuch zuhause ist: „Dann öffnen sie angekleidet die Haustür und können plötzlich wieder eigenständig aus einem Glas trinken.“ Sinnvoll sei es, dass zum Beispiel ein Mitarbeiter des Pflegedienstes beim Gespräch dabei ist. Das könne einen Widerspruch bei einer eventuell zu niedrigen Einstufung erleichtern. „Ein guter Gutachter wird, sofern vorhanden, Einsicht in die Pflegedokumentation nehmen“, betonte die Fachfrau.

Vier Wochen Zeit für Widerspruch

Es kann bis zu drei Monaten dauern, bis das Gutachten vorliegt. „Für einen detailliert begründeten Widerspruch hat man vier Wochen Zeit“, sagte Ronja Schüttken. Professionelle Pflegeberatung und Informationen gibt es bei Kranken- beziehungsweise Pflegekasse, bei Pflegestützpunkten, zum Beispiel bei der Knappschaft, bei unabhängigen Pflegeberatungen, bei Pflegediensten und als Einstieg in die Materie unter www.pflegelotse.de.


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