„Kein Tag ist wie der andere“ Westerkappelnerin über ihre Arbeit als Hotel-Chefin im Hilton Bangkok

Von Katja Niemeyer


Westerkappeln . Dubai, Chicago und Johannesburg – das sind nur einige der beruflichen Stationen von Heidi Kleine-Möller. Zurzeit arbeitet die gebürtige Westerkappelnerin, die 1995 ihr Abitur am Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Mettingen machte, in Bangkok. Im Interview berichtet sie von ihrer Hotel-Karriere, von ihren Plänen und von Besuchen in der alten Heimat.

Frau Kleine-Möller, wo sind Sie gerade?

In Bangkok, im schönen Millennium Hilton Hotel Bangkok.

Was sehen Sie, wenn Sie aus Ihrem Bürofenster blicken?

Ich schaue direkt auf den belebten Chao Phraya River (einer der größten Flüsse Thailands, Anmerkung der Redaktion).

Welche Arbeiten stehen heute an?

Ich wohne zurzeit im Hotel. Daher fängt mein Tag meistens unter der Woche gegen 5 Uhr morgens an. So kann ich noch ein bisschen Privatsphäre genießen, bevor die ersten Gäste eintreffen und die ersten Fragen gestellt werden. Zwischen 7 und 7.30 bin ich im Büro, um E-Mails zu bearbeiten, bevor das erste Meeting um 8 Uhr beginnt. Darauf folgt täglich ein Konferenz-„Call“ mit Shanghai und danach stehen in der Regel Termine mit diversen Abteilungen an, heute zum Beispiel geht es darum, Probleme bei der Installation des neuen Ofens für das Steakhaus endlich zu lösen.

Was gehört noch zu Ihren Aufgaben?

Neben regelmäßigen Treffen mit unseren Besitzern wollen Gäste und Kunden natürlich betreut werden. Kundenakquise ist ein essenzieller Bestandteil, was manchmal neben Veranstaltungen oder Bürobesuchen auch Geschäftsessen beinhalten kann. Regelmäßige Absprachen mit meinem Management-Team sind sehr wichtig, aber auch der Gang durchs Haus, um an den Mitarbeitern und im Geschehen zu bleiben. Wir durchlaufen beispielsweise zurzeit eine Zimmerrenovierung, was sowohl für Gäste als auch für unser Team eine große Herausforderung darstellt. Da bleibt man besser nahe am Ball, um den nötigen Überblick zu bewahren und die geforderte Unterstützung zu geben. Das ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus einem sehr abwechslungsreichen Alltag. Kein Tag ist wie der andere, weshalb dieser Beruf niemals langweilig wird.

Wie lange sind Sie schon als General-Direktorin im Millennium Hilton Bangkok tätig?

Fast vier Jahre.

Wie lange bleiben Sie vermutlich noch?

Das ist sehr schwer zu sagen. Im Moment möchte ich gerne noch die erste Phase unserer Renovierung zu Ende bringen, was mindest noch ein weiteres Jahr bedeuten würde. Es kann allerdings auch möglich sein, dass es noch zwei bis drei Jahre werden. Das hängt davon ab, ob in diesem Jahr noch weitere Projekte angestoßen werden. Oder aber es kommt ein schönes Angebot aus den heimatlichen Gefilden. Dann wäre ich auch bereit, endlich wieder näher an Zuhause heranzuziehen.

Welche positiven oder negativen Erfahrungen haben Sie bislang gemacht? Was hat Sie an dem Land gereizt?

Asien ist eine andere Welt. Nichts ist so, wie man es aus Europa kennt. Jede Sprache, jede Kultur, jede Art von Essen ist von Grund auf verschieden. Nichts funktioniert so, wie man es gelernt hat und es vermuten würde. Kultur und Tradition spielen eine sehr große Rolle, was bei jeder Entscheidung berücksichtigt werden muss. Das ist nicht immer ganz einfach, wenn Dinge fristgerecht umgesetzt werden müssen. Auf der anderen Seite ist die thailändische Kultur unschlagbar. Ich habe mich nirgendwo je so sicher gefühlt. Thais sind stets zuvorkommend und hilfsbereit, besonders, wenn man sich den örtlichen Gegebenheiten respektvoll gegenüber verhält.

Welche Stationen liegen bereits hinter Ihnen?

Nach meiner Ausbildung in einem Hotel in Telgte arbeitete ich unter anderem in Stuttgart, Sharjah (UAE), Chicago, Dubai, Frankfurt, Nairobi, und Johannesburg, bevor sich dann die Möglichkeit bot, nach Bangkok zu gehen.

Sie waren Weihnachten in Westerkappeln. Was fällt Ihnen als Erstes auf, wenn Sie wieder in der Heimat sind?

Leider ist von dem schönen kleinen Ort, in dem ich meine ganze Jugend verbracht habe, nicht mehr viel übrig geblieben. Der heimelige, wunderschöne Kirchplatz ist so kahl, traurig und verwaist ohne seine riesigen Kastanienbäume. Und es gibt kaum noch Geschäfte oder Kneipen, die den kleinen Ort so gemütlich gemacht haben. Aber vielleicht ändert sich das ja irgendwann einmal wieder.

Und worauf freuen Sie sich regelmäßig, wenn Sie zu Besuch sind?

Erstens die Ruhe und die frische Luft. Bangkok schläft nie und ist eine riesige Metropole, die ähnlich wie Peking immer mehr im eigenen Smog versinkt. Zweitens natürlich auf die Familie und Freunde und drittens auf die gute deutsche Küche. Daheim schmeckt es noch immer am besten.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann wieder nach Deutschland zurückzukehren?

Auf jeden Fall. Meine Heimat ist noch immer mein Dreh- und Angelpunkt. Daher versuche ich, mindestens zweimal im Jahr meine Familie und Freunde zu besuchen. Zuhause bleibt immer Zuhause.

Wollten Sie immer schon im Ausland arbeiten?

Ja, meine Eltern haben mir beide vorgelebt, wie groß die weite Welt sein kann, wenn man sie sich nur anschauen mag. Daher stand immer schon fest, auf irgendeine Art und Weise Möglichkeiten zu finden, die Welt zu bereisen, entweder privat oder eben beruflich.

Was sind Ihre beruflichen und privaten Pläne?

Ich bin beruflich da angelangt, wo ich immer hin wollte. Gegebenenfalls würde ich noch eine Cluster-Rolle übernehmen, das heißt für zwei oder auch mehr Häuser zuständig sein, aber dies muss nicht sein. Ich bin glücklich mit der Verantwortung und Rolle, die ich habe. Privat wünsche ich mir zurzeit nur, wieder näher an meine Familie und Freunde zu rücken, da eine Heimreise einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Da kann man schlecht mal eben für einen Geburtstag oder einen Grillabend mit Freunden nach Hause fliegen.


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