Jugendliche rocken den Ratssaal Wünsche für Lotte im Sozialausschuss vorgestellt

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Lotte. „So was hat es ja noch nie gegeben. Das finde ich ganz prima“, fasste Friedhelm Lange von der CDU die allgemeine Stimmung im Ausschuss für Schulen, Sport, Soziales und Kultur zusammen. Denn zur Sitzung am Dienstagabend war der Ratssaal voller junger Leute. Und das nicht nur im Zuhörerraum, sondern auch auf den Plätzen an der Seite, wo sonst die Experten für die Fachvorträge sitzen.

Als Experten für die Wünsche und Erwartungen ihrer Generation schilderten sie abwechselnd, wie sie unter der Federführung des Kreisjugendamtes und begleitet von den Mitarbeitern der offenen Jugendarbeit die Ideen, Wünsche und Erwartungen ,aber auch die Kritik von Kindern und Jugendlichen in- und außerhalb der Lotter Jugendtreffs abgefragt haben, präsentierten Plakate mit den Ergebnissen und ein Video mit O-Tönen der befragten Kinder und Jugendlichen. „Wir freuen uns, dass Sie jugendgerechte Kommune werden wollen“, sagte etwa Stefan. Eines der beteiligten Mädchen betonte: „Wir brauchen Rapper und coole Leute, die Lotte representen.“

Multi-medialer Ideenchannel

Und Rapper Abdul, zugleich Schülersprecher der Realschule Westerkappeln, schilderte, dass außer einer herkömmlichen Fragebogenaktion ein multi-medialer „Ideenchannel“ durchgeführt wurde. Dieser beinhalte drei Phasen: 1. Kritik, 2. Wie sähe die Traumgemeinde aus, wenn jede Menge Geld da wäre und 3. Was sind realisierbare Wünsche. „Wir würden uns freuen, wenn Sie nach der Sitzung die Plakate anschauen und mit Stickern markieren, wo Sie uns unterstützen können“, sagte er, während Sami, Annika, Elvira und Felix sich bei Petra Tepe von der Gemeindeverwaltung und Ludger Vorndieck vom Kreisjugendamt sowie „dem Ausschuss des Rates“ artig für die Bereitschaft bedankten, die Jugendlichen hier anzuhören : „Peace!“

Zu viel Müll und kein Ort zum Chillen

Denn weder auf den Plakaten, noch im Video nahmen die Kinder und Jugendlichen ein Blatt vor den Mund: „Lotte ist total vermüllt“, war nur ein Beispiel für Kritik, weitere Kritikpunkte etwa das Fehlen von Basketballkörben, morsche Spielgeräte und Fußballtore, abgeschlossene Sportstätten und der Mangel an öffentlichen Orten „zum Chillen“. Zu den Wünschen gehörten unter anderem eine Skaterbahn, ein Schwimmbad, WLAN im Jugendtreff, eine Graffiti-Wand, DJ, Breakdance und „ein Park für uns“, aber auch ein Drogeriemarkt, „ein Burger King“ oder eine Shisha-Bar. Die Älteren wünschten sich einen Platz, wo sie sich auch nach 20 Uhr noch treffen und „was trinken können,“ die Jüngsten „eine Seilbahn“ oder „Fußball und sonst nichts.“

„Fangemeinde“ im Publikum

Ludger Vorndieck verwies auf „die Fangemeinde der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Lotte“ im Zuhörerraum, unterstrich, dass hier bereits sehr gute Arbeit geleistet werde, es jetzt aber nach der Abklärung der Erwartungen um die Frage gehe, „wie geht es weiter?“ Es sei gut zu sehen, wie die Jugendlichen sich einbringen und was für eine Energie dahinter stecke. „Manchmal muss man innovativ sein“, warb er für die zum Teil unkonventionelle Form der Präsentation.

Beifall von den Ausschussmitgliedern

Die fand durchaus den auch lautstarken akustischen Beifall der Ausschussmitglieder: „Respekt“ und „dickes Lob“ kamen von Maria Brockhaus (SPD). Ihr Fraktionskollege Stefan Kunz zeigte sich „echt begeistert: So hat noch keiner den Ratssaal gerockt!“ Friedhelm Pösse (FDP) sprach von einer „runden Sache“ und meinte, dass er an viele Anregungen einen Punkt kleben könnte. „Toll, was ihr gemacht habt“, lobte Friedel Glüder (Grüne) und lud die jungen Leute ein, doch einmal an einer Fraktionssitzung teilzunehmen. Dieser Einladung schlossen sich auch die anderen Fraktionen an.

Offenes Forum für den Dialog

Auch Lottes Hauptamtsleiterin Petra Tepe bedankte sich bei den Jugendlichen und ihren Betreuern für die engagierte Mitarbeit, die sie in ihrer Freizeit geleistet hätten. Das sei „großes Kino“. Die Allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters schlug vor, den Dialog zwischen jungen Leuten und Politik im nächsten Jahr in einem offenen Forum weiter zu führen: „Es ist ganz, ganz wichtig für die Zukunft von Lotte, dass Jugendliche sich einmischen und ihre Stimme hier gehört wird. Und dass junge Leute auch in der Gemeinde bleiben!“

Start des Projektes „Provinzhelden“

Junge Leute zwischen 16 und 22 Jahren dafür fit zu machen, ihre Gemeinde mit zu gestalten, ist nach Vorndiecks Erläuterungen das Ziel des auf zwei Jahre angelegten Projektes „Provinzhelden“, das an diesem Wochenende startet. Aus Lotte sind fünf Jugendliche dabei, von denen vier an der Ausschusssitzung teilnahmen und drei zur Gruppe der Vortragenden gehörten. „Provinzhelden“, so verdeutlichte ein weiteres Video als „Erklärfilm“, übernehmen als aktive junge Bürger Verantwortung für die Belange junger Menschen auf Gemeindeebene und motivieren auch andere Jugendliche zu gesellschaftlichem Engagement. Sie geben neue Impulse und kreative Ideen für eine zukunftsorientierte Entwicklung ihres Dorfes. Ein intensives Training an mehreren Wochenenden vermittelt ihnen die nötigen Kompetenzen, jugendrelevante Angebote zu planen und mit politischen Entscheidungsträgern zu diskutieren.


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