Kuddelmuddel und viele Promille Lotter Messerstecherprozess wird fortgesetzt

Von Dietlind Ellerich

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Ibbenbüren/Lotte. Es ist ein Puzzle mit vielen Teilen, die das erweiterte Schöffengericht Ibbenbüren nach und nach zusammensetzen muss, um sich ein Bild von dem Geschehen zu machen, dass sich in einer Juninacht des vergangenen Jahres in Lotte-Büren zunächst auf dem Gelände der Elly-Heuss-Begegnungsstätte und Minuten später auf einem wenige hundert Meter entfernten Weg zugetragen hat.

Auf der Anklagebank sitzt ein 33-Jähriger aus Lotte, der damals zwei Menschen mit Messerstichen schwer verletzt haben soll. Beim Prozessauftakt in der vergangenen Woche hatte er über seinen Verteidiger erklären lassen, er könne sich kaum mehr erinnern, was passiert sei. Seine Gedächtnislücken begründet er mit dem vielen Whisky, den er mit einem Bekannten im Vorfeld der Tat getrunken habe.

Die beiden Geschädigten konnten sich noch an die Nacht erinnern, in der der Angeklagte und sein 24-jähriger Bekannter, der ebenfalls in Lotte lebt, eine Geburtstagsfeier in der Begegnungsstätte gesprengt hatten. Die Männer, ein 49-Jähriger aus Lotte und ein 26-Jähriger aus Slowenien, trugen schwere Verletzungen davon und leiden heute noch unter Panikattacken. Einige Zeugen bestätigten in der vergangenen Woche die Aggression, mit der sich die Eindringlinge Zugang zur Party verschaffen und mitfeiern wollten.

Verteidiger muss zur Ordnung gerufen werden

Am zweiten Verhandlungstag sagen weitere Zeugen aus. Eindrücklich sind die Angaben des Bruders des jüngeren Opfers. Der 28-Jährige erzählt von der großen Angst, die er um das Leben des Jüngeren gehabt habe. Dieser wiederum muss während der intensiven Schilderung den Sitzungssaal kurz verlassen.

Um Kopf und Kragen redet sich der Ehemann der Gastgeberin, der sich nicht auf die Beantwortung der an ihn gestellten Fragen beschränkt, sondern auch Statements zum Verhalten des Angeklagten abgibt. Ihn ruft das Gericht ebenso zur Ordnung wie den Verteidiger, der den Zeugen anfährt, er solle „die Schnauze halten“, und den Mann im Publikum, der sich lautstark über das Benehmen des Verteidigers aufregt. Weitere Angehörige und Bekannte der Opfer schütteln nur den Kopf, wenn sie von der Begründung „zu viel Alkohol“ hören.

Unaufgeregt ist die präzise Schilderung des Zeugen, der aus seinem Wohnhaus aus beobachtet hat, dass der Angeklagte geschlagen und getreten wurde. „Jetzt hört doch mal auf“, habe ein daneben stehender Blonder gebeten, erinnert sich der Zeuge am Dienstag.

Freund des Angeklagten fühlt sich verantwortlich

Bei dem Blonden handelt es sich um den 24-Jährigen, mit dem der Angeklagte vor der Tat um die Häuser gezogen war. Er will sich am Dienstag ebenfalls nicht erinnern können, was genau in der Nacht passiert ist und inwiefern er selber beteiligt war. „Ein großes Kuddelmuddel und viele Promille“, bringt er die Nacht auf den Punkt. Seine Vermutung, dass Drogen im Spiel gewesen seien, hatten sich laut chemisch-toxikologischem Gutachten nicht bestätigt.

Keinesfalls sei es seine Intention gewesen, eine Familienfeier zu sprengen, versichert er vor Gericht. Dass ihm das Geschehen, von dem er erst im Nachhinein erfahren haben will, leid tut, hatte er bereits am Tag danach in einer Nachricht an den Sohn des älteren Geschädigten erklärt. Zeugen hätten ihm bestätigt, dass er nichts getan habe, dennoch fühle er sich verantwortlich, sagt der 24-Jährige in Richtung des Angeklagten. „Er ist da ja nicht alleine hingegangen“, betont er.

„Das ist das Kernproblem dieses Verfahrens“, kommentiert der Vorsitzende Richter die Bemerkung des Mannes, er wisse nicht, was er und der Angeklagte auf dem Gelände der Begegnungsstätte gewollt hätten.

Am Ende der Befragung klinkt sich unvermittelt der Rechtsanwalt des jüngeren Nebenklägers ein. Ob der 24-Jährige wisse, dass dem Angeklagte Kontakte zur Hooligan- und Neonazi-Szene an seinem früheren Wohnort Neumünster nachgesagt würden. Auch das verneint der Mann aus Lotte.

Fortsetzung am Freitag

Beim Fortsetzungstermin am Freitag soll sich das Puzzle weiter zusammenfügen. Sachverständige sollen zu den Verletzungen der Opfer und einer eventuellen Lebensgefahr sowie zu einer möglichen Schuldunfähigkeit des Angeklagten Stellung nehmen.


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