Im Suff zugestochen? Lotteraner wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht

Von Dietlind Ellerich

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Mehrfach stach der alkoholisierte Lotteraner auf seine Opfer ein. Wieso er ein Messer dabei hatte und warum er zustach, ob er vermindert schuldfähig ist oder gar selbst bedroht wurde, muss nun vom Schöffengericht geklärt werden. Foto: VIP Design Inc/Colourbox.deMehrfach stach der alkoholisierte Lotteraner auf seine Opfer ein. Wieso er ein Messer dabei hatte und warum er zustach, ob er vermindert schuldfähig ist oder gar selbst bedroht wurde, muss nun vom Schöffengericht geklärt werden. Foto: VIP Design Inc/Colourbox.de

Lotte/Ibbenbüren. Der 33-jährige aus Lotte wollte es mal so richtig krachen lassen, als Frau und Kind im Urlaub waren. Den „Junggesellenabend“ mit einem Bekannten Mitte Juni des vergangenen Jahres wird er so schnell nicht vergessen. Der Lotteraner soll zwei Männer mit Messerstichen schwer verletzt haben.

Wegen gefährlicher Körperverletzung muss er sich vor dem erweiterten Schöffengericht Ibbenbüren verantworten. Beim Prozessauftakt am Dienstag ließ er über seinen Verteidiger erklären, dass er sich an das Tatgeschehen kaum erinnern könne. Den Grund sieht der nach eigenen Angaben weitgehend abstinent lebende Familienvater in den eineinhalb Flaschen Whisky, die er und sein Bekannter getrunken hatten, als sie um die Häuser zogen. Eine ihm drei Stunden nach der Tat entnommene Blutprobe ergab eine Alkoholkonzentration von 1,14 Promille. „Wie es dazu kommen konnte, dass ich zwei Menschen so schwer verletzt konnte“, fragt sich der 33-Jährige vor Gericht.

Die Geschädigten, ein 49-Jähriger aus Lotte und ein 26-Jähriger aus Slowenien, die auch als Nebenkläger auftreten, schildern in ihren Zeugenaussagen eindrücklich, wie sie die Angriffe durch den 33-jährigen erlebt haben.

Einlass zur Feier verweigert

Die beiden Männer gehörten zu den Gästen, die in der Juninacht 2017 in der Elly Heuss-Begegnungsstätte in Lotte-Büren Geburtstag feierten. Ihre Aussagen decken sich weitgehend mit den Vorwürfen der Anklage. Genau erinnern sich die Geschädigten daran, dass der Angeklagte und sein Bekannter das Tor auftraten und auf das Gelände kamen, um mitzufeiern. Die Ablehnung der Gäste mit dem Hinweis auf eine geschlossene Gesellschaft schmeckte den Eindringlingen offenbar nicht. „Aus dem Nichts bekam ich einen Schlag vor die Stirn“, erinnert sich der 49-jährige Lotteraner an die Nacht. Bei der folgenden Rangelei seien beide zu Boden gestürzt. Dort habe der 33-Jährige weiter auf ihn eingeschlagen, fährt der Geschädigte fort. Was er als Schläge empfunden hatte, waren insgesamt acht Messerstiche, durch die er schwere Verletzungen an Rücken, Oberarm, Gesäß und Schläfe erlitt.

Mehrfach auf zwei Opfer eingestochen

Nachdem der Angeklagte von dem 49-Jährigen abgelassen hatte, flüchtete er zusammen mit seinem Bekannten. Andere Gäste der Feier nahmen die Verfolgung auf und stellten das Duo wenige hundert Meter weiter. Dort stach der Angeklagte laut Zeugenaussagen dann auf den jungen Slowenen ein. Er trug so schwere Verletzungen an Magen und Leber davon, dass seine Versicherung ihm eine 30-prozentige Invalidität bescheinigt habe.

Die beiden Geschädigten stehen auch knapp eineinhalb Jahre nach der folgenschweren Nacht noch unter dem Eindruck des Geschehens. Sie sprechen von Schlafstörungen, Panikattacken, Alpträumen, Angst vor Jobverlust. Der 26-Jährige war mehrere Monate krankgeschrieben, habe heute noch Schmerzen, der 49-Jährige konnte nach einigen Wochen zwar wieder arbeiten, habe aber seinen Jahresurlaub angehängt, um nicht noch länger krankgeschrieben zu sein.

Vermindert schuldfähig?

Die Erinnerungen des Angeklagten, der in der Nacht ebenfalls verletzt wurde, sind spärlich. Er glaubt aber, bedroht worden zu sein. Das sehen die Geschädigten und weitere Zeugen anders, die das Geschehen verfolgt haben. Die Aggression sei von den Eindringlingen ausgegangen, versichern sie unisono. Einer der Zeugen hatte ausgesagt, der Angeklagte habe „wirres Zeug“ über seinen Sohn gesagt und gedroht, alle abzustechen.

Da sich die Zeugen vor Gericht nicht mehr an jedes Detail erinnern konnten, das sie wenige Tage nach der Nacht bei der Polizei zu Protokoll gegeben haben, beantragte der Verteidiger, die Vernehmungsbeamten zu hören. Dieses Ansinnen lehnte das Gericht ab. Ihm reiche, dass die Zeugen versichert hätten, sich damals so gut wie möglich erinnert zu haben, sagt der Vorsitzende zur Begründung.

Ob eine vom Verteidiger ins Gespräch gebrachte verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten oder ein minder schwerer Fall vorliegt, wird die weitere Beweisaufnahme an zwei Fortsetzungsterminen in der kommenden Woche zeigen. Weitere Zeugen sowie das Gutachten eines Sachverständigen werden erwartet. 


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