zuletzt aktualisiert vor

Mit Freude von der Schall- zur Kochplatte

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Als fröhlicher Dirigent mit der Kelle hat Randolph Rose die vergnügten Goldbach-Lerchen im Griff. Foto: Ursula HoltgreweAls fröhlicher Dirigent mit der Kelle hat Randolph Rose die vergnügten Goldbach-Lerchen im Griff. Foto: Ursula Holtgrewe

Ein Steak appetitlich aufgetischt vom Sänger und Koch Randolph Rose – das können Gäste in der Alt-Lotter Tennishalle erleben. Die Tennis-Jungsenioren des TuS freuen sich regelmäßig darauf. Als Fans des deutschen Schlagers singen sie gemeinsam mit dem kochenden Künstler und bilden schon mal als „Goldbach-Lerchen“ den Chor für den Schlagersänger, der in Westerkappeln wohnt.

„Nur ein Flirt, dann ein Ring“ stimmen die Feierabendsportler im Gastraum an, begleitet von einem gut aufgelegten Randolph Rose. Er freut sich derart über die Begeisterung der Racket-Schwinger an seinen Songs, dass er ihnen eine CD mitgebracht hat – ein Unikat, weil selbst zusammengestellt. „Nur für die Goldbach-Lerchen“, betont Rose verschmitzt.

Die ohnehin gute Stimmung steigt noch bei Hartmut Gausmann, Friedhelm Holtgrave, Klaus-Peter Jonas, Günter Klein, Heinz Kluesmann, Helmut Lammers, Horst Petersson und Hans-Jürgen Pott. Sie avancierten zu dem Chor im launigen Gespräch mit dem kochenden Sänger, der 18-mal in der ZDF-Hitparade auftrat. Seinerzeit war Peter Orloff – auch seine „Königin der Nacht“ haben die Lerchen textsicher drauf – dessen Produzent. „Der hat nun die Donkosaken; du brauchst auch einen Chor“, meinten die Tennisherren. Rose fragte nach bei Lotte liegenden Flüssen: die „Goldbach-Lerchen“ waren gegründet.

Sie beweisen sich nun als Küchenchor mit dem Kellen-Dirigenten Randolph Rose. Klaus-Peter Jonas versichert augenzwinkernd, die Gruppe lasse sich für Benefizkonzerte buchen. „Paul Potts soll auch schon von den Goldbach-Lerchen gehört haben“, wirft Horst Petersson feixend ein. „Wir haben einen Pott, aber keinen Potts“, kontert Friedhelm Holtgrave.

Petersson hat als Überraschung eine LP aus seinem Musikfundus mitgebracht. Die Interpreten: klar, Randolph Rose; zudem singen Elfie Graf, Peggy March, Bruce Low, Juliane Werding und andere bekannte Schlagergrößen auf den beiden Rillen. „Die LP stammt aus dem Jahr 1974“, sagt Rose. Stimmt. „Das hab ich an meiner Frisur und dem Hemd erkannt“, verrät der Sänger lachend.

Da war er 20 Jahre alt und lebte seit sechs Jahren in Berlin. Geboren wurde Randolph Rose am 7. Juni 1954 in Bamberg. Sein Vater stammte aus Puerto Rico und starb bei einem Unfall, sodass Roses Mutter sich als Alleinerziehende dem Leben stellen musste. Nicht leicht, schon gar nicht in der damaligen Zeit. „Ich hatte durchaus Probleme mit der Hautfarbe als Kind und nach der Wende“, räumt Randolph Rose ein. Allerdings habe ihn die Familie damals sehr gestützt. Heute sagt er: „Ich bin eine Frohnatur, und die habe ich durch alle Schwierigkeiten retten können.“

In Bamberg war Rose fünf Jahre lang Messdiener und sang den ersten Sopran im Kirchenchor. Seine Mutter brachte dem musikalischen Jungen das Tanzen bei. Als er 14 Jahre alt war, zog die Familie nach Berlin. „Ich habe Sammy Davis junior schon immer bewundert und meine Mutter bekniet, eine Karte zu kaufen“, erinnert sich der stimmgewaltige Entertainer Rose. Sie hatte Verständnis und spendierte ihm 25 Mark für ein Ticket. Der junge Randolph fasste sich ein Herz und schlich sich heimlich in den Garderobentrakt der Deutschlandhalle. „Hej, du siehst ja aus wie ich. Kannst du auch singen und tanzen?“, sprach das Idol den Jungen an – der Beginn einer langjährige Freundschaft.

„Das war ein Meilenstein in meinem Leben und die Initialzündung für meinen musikalischen Weg. Sammy Davis junior wurde so etwas wie mein Mentor“, sagt Randolph Rose. Überhaupt seien in Berlin alle für ihn wichtigen Dinge geschehen; Ausnahme: „Meine Frau habe ich in Hagen in Westfalen kennengelernt.“

Nach dem Abi im Jahr 1972 entschied er sich, Musik zum Beruf zu machen. Fans deutschen Schlagers kennen nicht nur die Songs „Silver Moon Baby“, „Nur ein Flirt“ oder „Sylvias Mutter“. Als Schauspieler wirkte Randolph Rose beispielsweise in „Tommy Tulpe“ und „Till, der Junge von nebenan“ mit.

„Mit 37 habe ich eine Schaffenspause eingelegt“, berichtet der fünffache Vater. Er habe mehr Zeit für die Kinder haben wollen. „Da war Gelegenheit, Unerledigtes nachzuholen. Ich wollte einen Beruf erlernen und bin Koch geworden.“

18 Jahre lang wohnte der Reitsportfan in Hollage, bevor er vor rund fünf Jahren nach Westerkappeln zog. Der Seester Radwegeinitiative gehört er ebenfalls an. Für Galas wird der sympathische Sänger regelmäßig gebucht. Eine Hommage an die Rat-Packs mit Ohrwürmern von Frank Sinatra, Sammy Davis und Dean Martin gehört zum Repertoire ebenso wie ein „In memoriam Medley“ an Roy Black, Tony Holliday und Eric Silvester. Rose steht zum deutschen Schlager und plant, eine CD mit Operettenmelodien zu veröffentlichen.

Als im vergangenen Herbst seine langjährige Bekannte, die Tennishallenwirtin Carolin Oelrich, ihm den Posten als Küchenchef anbot, fand Rose eine weitere Herausforderung. „Bei mir gibt es nichts aus der Dose, sondern frisch gekochtes Essen, wie Steakvarianten und Hausmannskost“, betont der Koch Randolph Rose, der gern auch Besonderes nach Gästewünschen kocht.

Souverän mit Kelle und vorm Mikro resümiert der bodenständige Entertainer und Swingfan, ein glückliches Leben zu haben – besonders, seit er vor mehr als einem Jahr stolzer Opa wurde.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN