Galsan Tschinag will seinem Volk helfen Schamane aus dem Altai-Gebirge kommt nach Wersen

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lotte. Da, wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt, sollen die Künste von Heilpraktikern und Schamanen eine Heilung bewirken. Ein international bekannter Schamane ist der Mongole Galsan Tschinag, ein Wanderer zwischen den Kulturen, Stammesführer der Tuwa, diplomierter Germanist – und mittlerweile ein Freund der Wersener Familie Israel. Am Donnerstag leitet der Schamane einen Workshop in Larissa Israels „Unison Healing“.

„Man muss sich das mal vorstellen: Ein Mann, der mit der Tuwa-Sprache, die keine Schrift kennt, aufgewachsen ist, kommt nach Deutschland und studiert Germanistik“, staunt Sabine Israel über den Werdegang von Galsan Tschinag, der tief verwurzelt mit seiner schamanisch geprägten Urkultur ist. Sie lernte den 74-jährigen mongolischen Stammesführer bei einer Lesung im Osnabrücker „Blue Note“ kennen und war sofort fasziniert von seinem Cahrisma und den Beschreibungen seines abgelegenen Geburtslandes, dem Hohen Altai in der westlichen Mongolei.

Ausflug ins Altaigebirge

Von ihrer Begeisterung ließ sich Ehemann Wolfgang Israel anstecken, reisen beide doch gern in entlegene Gegenden. So führte sie Galsan Tschinag vor acht Jahren in einer kleinen Gruppe auf einer zweiwöchigen Tour zum Tuwavolk in etwa 2500 Meter Höhe ins Altaigebirge. Dort erlebten die Westfalen an zahlreichen Beispielen, mit welcher Naturverbundenheit und Achtung vor Erde und Geschöpfen Galsan Tschinag als Kind und Jugendlicher geprägt wurde.

In der eh schon kargen Gegend mit niederen Pflanzen, die nur noch in dieser Höhe gedeihen, lebte die Reisegruppe wie die Einheimischen. Sie sammelte beispielsweise Dung der Yaks, einer in Zentralasien verbreiteten domestizierten Rinderart. Mit ihm lässt sich zum Beispiel Feuer machen.

„Ich war voll drin im Steinzeitleben“, erinnert sich Wolfgang Israel, und ergänzt: „Ich brauchte einige Monate, um wieder hier anzukommen.“ Er stellte einen dicken Bildband zusammen mit faszinierenden Fotos aller Generationen der Bevölkerung und der atemberaubend schönen, unberührten Landschaft. „Verschiedentlich hatte ich das Gefühl, dass es so im Paradies aussehen müsse“, fasst Wolfgang Israel seine Begeisterung für die mystisch anmutende Landschaften in Worte.

Riten und Zeremonien

Auf der Tour beteiligten sich Sabine und Wolfgang Israel auch an Zeremonien vor Obos. Das sind Steinanhäufungen mit bunten Tüchern, die Reisegottheiten gewidmet sind, die Vorbeikommende schützen sollen.

Jeder weitgereiste Tourist fasste mit an, um die Jurten an Lagerstellen auf- und wieder abzubauen, für die Übernachtung herzurichten und alle zu verstauen, wenn es weiterging. Auch waren sie verschiedentlich Gäste in Nomadenfamilien.

„Im Zelt saßen am Rand alle um den Ofen herum. Qualm leiten die Nomaden mit einem Schornstein ab, der aus dem Dach der Jurte ragt. Genau gegenüber dem Eingang saß der Älteste, rechts und links von ihm, nach Geschlechtern getrennt und im absteigenden Alter die Angehörigen“, beschreibt Sabine Israel die Tradition. Älteren werde großer Respekt gezollt. „Niemand darf auf die Schwelle der Eingangstür treten. Das bringt Unglück, glauben die Nomaden.“

Yaks sind überlebenswichtig

Yaks, so berichtet sie weiter, werden nicht geschlachtet, denn sie lieferten Milch für Käse, der in der bakterienarmen Höhe im Freien reift, und den Dung, der auch für die Winterzeit gesammelt wird. „Fleisch von Ziege und Schaf wird gekocht, nicht gegrillt, denn dafür braucht man Holz, was es nicht gibt. Gewürzt wird mit Kräutern. Für uns hatte Galsan extra Gemüse und Kartoffeln mitgenommen“, erinnert sich Sabine Israel. Sie seien aufgefordert worden, tunlichst nur die Knochen übrig zu lassen.

„Der Topf stand auf dem Ofen. Nach jeder Lage Fleisch kam eine Lage glühender Steine, damit das Gericht schneller gar wurde. Wir haben das grob zerteilte Tier mit den Händen gegessen, auch Fett, Knorpel, Sehnen und Innereien. Die Därme füllen die Nomaden mit Blut, was dann wie eine Wurst aufgeteilt wurde.“ Ein Tier werde so nahezu restlos verwertet.

Katzenwäsche abseits des Bachs

Zu dieser Art respektvollen Umgangs mit der Natur gehörte auch die Körperpflege. „Wir haben Katzenwäsche gemacht“, schaut Wolfgang Israel schmunzelnd auf zwei Wochen ohne WC und Dusche zurück. Für Notdurften zogen sich die Westler zurück. Sie wurden zudem aufmerksam gemacht, dass Waschen mit Seife und Zähneputzen nur einige Meter entfernt vom Fluss geschehen dürfe. „Der Fluss sollte seine Reinheit als Trinkwasservorrat behalten. Daher wurden wir auch ermahnt, keinesfalls hinein zu pinkeln“, sagt er in seinem Fotoband blätternd.

Knochen für Heilszeremonien

Darin sind auch Eindrücke von Heilszeremonien festgehalten. Dazu wirft Galsan Tschinag auch mit kleinen Knochen. „Als er mir bei der Reise einmal geholfen hat gesund zu werden, hat er mir ein kleines Knochenstück gegeben und gesagt, ich solle es um den Hals tragen. Es hat in Kombination mit seinen anderen Fähigkeiten geholfen. Ich bin gesund geworden“, erklärt Sabine Israel. Weitere Details möchte sie nicht preisgeben, bat sie um Verständnis.

Bei der Reise, durch seine eigenen, teils preisgekrönten Bücher in berührend poetischer Sprache und durch Veröffentlichungen über Galsan Tschinag, den Mongolen, der an der Leipziger Karl-Marx-Universität als Jahrgangsbester sein Germanistikdiplom erhielt, lernten die Wersener den Bundesverdienstkreuzträger und Wanderer zwischen den Kulturen näher kennen.

Besondere Fähigkeiten Tschinags früh erkannt

Als Galsan Tschinag fünf Jahre alt war, erkannte seine Tante Pürwü, die selbst Schamanin war, die besonderen Fähigkeiten des Jungen und begann, ihn auszubilden. Galsan und andere Nomadenkinder erhielten Unterricht in einem Internat. Schon zu der Zeit begann er, Gedichte zu schreiben – und heimlich Kranke zu heilen. Heimlich, weil die russische Obrigkeit das verboten hätte.

Sein Sprachtalent fiel auf. Galsan Tschinag erhielt ein Stipendium, um von 1962 bis 1968 an der Leipziger Karl-Marx-Uni, damals noch DDR, Deutsch zu lernen. Sein Diplom als Jahrgangsbester in Germanistik schrieb er über den Schriftsteller Erwin Strittmatter. Während der Studienzeit entstand eine tiefe Bindung zu Goethe, Schiller und Heine.

Bundesverdienstkreuzträger und Stifungsgründer

Vor 23 Jahren erfüllte sich für Tschinag ein Traum: Er führte die Tuwa-Nomaden, die in den 1960ern von russischen Besetzern zum Teil zwangsumgesiedelt worden waren, zurück ins Altai, in die Gebiete ihrer Ahnen, wo sie wieder als Nomaden leben. Die Galsan-Tschinag-Stiftung bietet jungen Tuwas eine Ausbildung und ist auf gutem Weg mit der Umsetzung eines Wiederaufforstungsprogramms in der Mongolei, bei dem eine Millionen Bäume gepflanzt werden.

„Galsan sagt von sich, er habe seinem Volk eine Stimme gegeben über die Bücher, die er in Deutschland geschrieben hat. Seine Meinung ist: ,Die europäische Kultur hat meine Seele fertiggebacken.‘“, beschreibt Larissa Israel das Wirken des begabten Mannes.

Workshop in Wersen

Sie lernte den Schamanen bei einigen Workshops kennen. „Kurz nach der Eröffnung von ,Unison Healing‘ war er hier und hat mir gesagt, dass er gern etwas mit mir gemeinsam machen möchte.“

Der Weltbürger Galsan Tschinag leitet am Donnerstag, 11. Oktober, 14 bis 18 Uhr, einen Workshop bei Larissa Israel im Unison Healing, Wersener Straße 10. Anmeldungen sind noch möglich unter 0170 / 4768016 und auf der Homepage www.unisonhealing.com.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN