Orientladen-Inhaber sagt aus Teilgeständnis im Prozess um Brandstiftung in Westerkappeln

Von Erhard Kurlemann

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Bei der Brandstiftung an einem Wohn- und Geschäftshaus an der Großen Straße im Februar 2018 kam es zu einer Verpuffung, die nach Darstellung des Ladeninhabers vor Gericht „so“ nicht vorgesehen war. Foto: Heinrich WeßlingBei der Brandstiftung an einem Wohn- und Geschäftshaus an der Großen Straße im Februar 2018 kam es zu einer Verpuffung, die nach Darstellung des Ladeninhabers vor Gericht „so“ nicht vorgesehen war. Foto: Heinrich Weßling

Westerkappeln/Münster Der 27 Jahre alte Ladeninhaber hat sich vor dem Landgericht zu der ihm vorgehaltenen Brandstiftung in einem Westerkappelner Orientladen eingelassen. Die Tat habe er mitgeplant, aber so nicht gewollt.

„Ich bin von dem Ausmaß der Explosion noch immer erschüttert.“ Über seinen Anwalt ließ der Angeklagte verlesen, dass er „heilfroh sei, dass niemand zu Schaden gekommen ist“.

Rauschgiftkonsum

In der Nacht zum 7. Februar war es in Westerkappeln in einem Orientladen an der Großen Straße zu einer Explosion gekommen. Der Ladeninhaber räumte jetzt vor Gericht über seinen Anwalt ein, die Brandstiftung mit einem noch immer flüchtigen 30 Jahre alten Bekannten ausbaldowert zu haben. Aufgrund seines erheblichen Rauschgiftkonsums habe er viel Geld gebraucht, trug der Verteidiger die Stellungnahme seines Mandanten vor.

Anfangs sei der Laden gut gelaufen. Später seien die Umsätze zurückgegangen, zugleich habe er immer mehr Geld für seinen Drogenkonsum benötigt. Über die abgestimmte Brandstiftung habe er sich rund 20000 bis 30000 Euro erhofft, um die dringendsten Schulden auffangen zu können.

Sein Mandant habe den 30-Jährigen in einer Shisha-Bar kennengelernt, wohl Ende 2014. Sie seien gute Bekannte geworden und irgendwann habe der 27-Jährige dem neuen Freund von seiner Geldnot berichtet. Daraufhin habe der vorgeschlagen, doch den Laden in Brand zu stecken und so zunächst mal Ruhe zu haben. Nach einigen Tagen habe er dem Gedanken etwas abgewinnen können. (Weiterlesen: Neue Details im Orientladen-Brandstifter-Prozess)

Plan mit Molotowcocktails

Der Bekannte habe zugesichert, zwei Leute zu engagieren, die mit Molotowcocktails – „so drei oder vier“ – das Feuer legen sollten. Der Bekannte habe für die Umsetzung rund 5000 Euro gefordert, dazu jeweils 500 Euro für die beiden Handlanger – zwei ebenfalls angeklagte 22 und 23 Jahre Asylbewerber aus dem Irak – und alle weiteren Vorbereitungskosten. Er sei bereit, dafür die Verantwortung zu übernehmen, beteuerte der Angeklagte via Anwalt. Er bedauere zutiefst, dass sein Bruder aufgrund seiner Tat jetzt ebenfalls im Gefängnis sitze. „Der hat mir nur etwas Geld geliehen und ist in diesem Zusammenhang auf die anderen Beteiligten gestoßen. Sonst hat er nichts damit zu tun.“

Er selbst habe in der Nacht zum 7. Februar die abgesprochene Aktion beobachtet. Er sei schon überrascht gewesen, die beiden Helfer dort mit Benzinkanistern hantieren zu sehen. „Und plötzlich ging alles in die Luft.“ Zum Ende seiner Einlassung ließ der 27-Jährige feststellen, dass „alles was insgesamt passiert ist, zu keinem Zeitpunkt so geplant war“. (Weiterlesen: Westerkappeln: Gericht lässt Mordvorwurf fallen)

Gutachterin: Keine Anhaltspunkte für Abhängigkeit

Eine Gutachterin führte vor der Kammer aus, dass sie weder Anhaltspunkte für eine Rauschgiftabhängigkeit noch für eine psychiatrisch relevante Störung gefunden habe. Darauf entgegnete der Angeklagte über seinen Verteidiger, ein Haartest würde seine Aussage bestätigen. Der Prozess wird fortgesetzt.


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