Vortrag in der Arche Der Artenschutz im Kreis Steinfurt

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Robert Tüllinghoff berichtete im evangelischen Gemeindehaus Arche in Alt-Lotte über den Naturschutz im Kreis Steinfurt. Foto: Jannik ZeiserRobert Tüllinghoff berichtete im evangelischen Gemeindehaus Arche in Alt-Lotte über den Naturschutz im Kreis Steinfurt. Foto: Jannik Zeiser

Lotte. Um den Naturschutz und die Artenvielfalt im Kreis Steinfurt ging es im evangelischen Männerkreis „Talk am Dienstag“. Robert Tüllinghoff, stellvertretender Leiter der Biologischen Station Kreis Steinfurt, gab einen umfangreichen Einblick in seine Arbeit für die Natur und sprach sich gegen einen überzogenen Pessimismus aus.

Robert Tüllinghoff arbeitet für den Naturschutz, seine Zeit verbringt er aber längst nicht nur an der frischen Luft. Zu seinem Job gehöre darüber hinaus viel Autofahrerei durch den gesamten Kreis, Arbeit hinterm Schreibtisch und Öffentlichkeitsarbeit – „So wie heute Abend“, erzählte er der Männerrunde im Gemeindehaus Arche. Seine Begeisterung für die Natur vermittelte er dem Publikum wortreich und informativ.


Die Biologische Station Kreis Steinfurt befindet sich in Tecklenburg und bietet auch Exkursionen in Naturschutzgebiete an. Foto: Jannik Zeiser


Biologische Vielfalt muss gepflegt werden

Warum ist es eigentlich so wichtig, biologische Vielfalt zu fördern? „Ein Lebensraum mit vielen Arten ist stressresistenter“, erklärte Tüllinghoff. Kurzzeitige Extrembedingungen wie Sturm oder Trockenheit richten in einem vielfältig besiedelten Lebensraum also generell weniger Schaden an. Und ebenfalls nicht zu vernachlässigen: Eine vielfältige Natur erhöht auch die Lebensqualität der Menschen in dieser Umgebung.

Es ist keinesfalls damit getan, Naturschutzgebiete auszuweisen und sie dann sich selbst zu überlassen – eine gezielte Pflege ist notwendig. Am Recker Moor beispielsweise entfernen ehrenamtliche Helfer und Unternehmen regelmäßig heranwachsende Gehölze; die Fläche soll frei bleiben. Um die Feuchtigkeit in dem Gebiet zu halten, war es darüber hinaus nötig, Dämme zu ziehen. Über Feuchtgebiete freuen sich Amphibien und insbesondere der Große Brachvogel. Für diese Art hat die Biologische Station eine besondere Verantwortung: Etwa die Hälfte aller Großen Brachvögel in ganz Nordrhein-Westfalen lebt im Kreis Steinfurt. Schlechter ist es hier um die Schnepfenart Bekassine bestellt, die einst viel verbreiteter war. Sie benötigt möglichst große, offene Wasserflächen, vernässte Wiesen „So gesehen ist es eine landwirtschaftsfeindliche Art“, bemerkte der Referent.

Naturschutz funktioniert nur mit der Landwirtschaft

In vielerlei Hinsicht steht die moderne Landwirtschaft mit den Zielen des Naturschutzes in Konflikt: Das Spritzen von Gift ist problematisch, ebenso wie der Trend zu immer größeren, einheitlichen Flächen. Eine Zusammenarbeit mit den Landwirten ist für die Naturschützer dennoch unerlässlich. So werden für den Naturschutz ausgewiesene Flächen in öffentlichem Eigentum an Landwirte verpachtet, die sie dann – zu günstigen Preisen – nach entsprechenden Vorgaben schonend bewirtschaften. Wer auf privaten Flächen naturschutzgerecht wirtschaftet, kann Ausgleichszahlungen für den Minderertrag erhalten. Mit über 700 Landwirten im Kreis wurden solche Verträge bereits geschlossen.

Nicht alle Arten nehmen ab

In der anschließenden Gesprächsrunde beschäftigte die Zuhörer besonders das Insektensterben: Immer weniger Schmetterlinge seien beispielsweise zu beobachten. Robert Tüllinghoff stimmte zu, hier gebe es merkbare Rückgänge. Insbesondere bei den Schmetterlingen sei außerdem noch viel Forschungsarbeit nötig: „Über die Biologie der Schmetterlinge wissen wir so gut wie nichts.“ Generell warnte Tüllinghoff vor überzogener Schwarzmalerei: „Oft heißt es, es nähmen alle Arten ab, das stimmt so nicht. Betroffen sind vor allem die empfindlichen Arten.“ Dagegen habe er in diesem Jahr viele Hummeln beobachtet, bei den Vögeln sei beispielsweise die Dorngrasmücke wieder im Kommen. Leider seien die erfolgreichen Arten nicht immer die gewünschten: Man denke an den Eichenprozessionsspinner.


Das Interesse der Zuhörer war sehr groß. Foto: Jannik Zeiser


„Im privaten Garten kann eine Menge passieren“, hob Tüllinghoff hervor. Besonders Stauden und andere heimische Blütenpflanzen böten gute Lebensräume Insekten. Schlecht seien dagegen durchweg grüne Rasenflächen und Wiesen. Ist eine Art jedoch erst aus einem Lebensraum verschwunden, nützt kein Artenschutz mehr. Zucht und künstliche Wiedereinführung seien oft äußerst schwierig bis unmöglich.


Die Biologische Station Kreis Steinfurt

Die Biologische Station verfolgt eine ganze Reihe von Aufgaben: Sie betreut derzeit 82 Naturschutzgebiete im Kreis Steinfurt mit einer Gesamtfläche von etwa 10.000 Hektar, erhebt Daten über die Vegetation und den Tierbestand, berät Behörden und Verbände in Naturschutzfragen, arbeitet mit der Landwirtschaft bei der Flächenpflege zusammen und bietet Exkursionen für die Öffentlichkeit an. Den politischen Rahmen dieser Arbeit bilden eine Reihe von Richtlinien zum Vogelschutz, Naturschutz und Übereinkommen zur biologischen Vielfalt. Dass diese Richtlinien vor Ort umgesetzt werden, dafür zeichnet unter anderem die Biologische Station verantwortlich.

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