Kein Anspruch auf Bustransport Bürener Eltern: Schulweg zu lang und zu gefährlich

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lotte. Das Thema ist nicht neu, kocht jetzt zum Schuljahresbeginn aber auf Facebook wieder hoch: Bürener Eltern aus der Siedlung rund um den Schmalkenweg fordern für ihre Kinder ein kostenloses Busticket zur Gesamtschule in Wersen, auch wenn die Entfernung zur Schule weniger als 3,5 Kilometer beträgt.

Der Schulweg sei für die Sekundarstufe-I-Schüler zu gefährlich, um mit dem Fahrrad zurückgelegt zu werden. Und zu Fuß zu weit, meinen die Eltern. Anja Jahn zum Beispiel schreibt: „Dieses Jahr bekommen deutlich weniger Kinder die Busfahrkarte von der Schule, da es neu ,geprüft‘ wurde, dabei wurde festgestellt, dass viele Kinder 200 Meter zu dicht dran wohnen und sie somit zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren könnten zur Schule.“ Sie wundert sich jedoch darüber, dass ihre Tochter, die seit einem Jahr die Gesamtschule Lotte am Standort Wersen besucht, vergangenes Jahr die Busfahrkarte bekommen hat und dieses Schuljahr nicht. „ Wir sind NICHT umgezogen in dieser Zeit. Ich finde den Schulweg für ein elfjähriges Mädchen ohne Bus auch nicht zumutbar. Vielleicht sollte dies mal diskutiert werden? Ich glaube, es gibt viele Bürener Eltern, die ähnlicher Meinung sind“, heißt es in ihrem Beitrag weiter.

Nach zwei Jahren plötzlich keine Fahrkarte mehr

In der Tat reagieren auf einen von Kathrin-Kröger-Spiegel ins Netz gestellten, zwei Jahre alten Artikel unserer Zeitung zum Thema 14 verschiedene Kommentatoren, nahezu alle mit dem gleichen Tenor. So wird unter anderem beklagt, dass die Kinder aus dem Zeisigweg oder Heideweg dieses Jahr keine kostenlose Busfahrkarte mehr bekommen. In den vergangenen zwei Jahren hätten die Kinder immer eine Busfahrkarte von der Gemeinde bekommen, obwohl bekannt gewesen sei, dass der Schulweg nur 3,3 Kilometer lang ist.

Eltern: Nicht an Schulwegsicherheit sparen

„Also ich war echt schockiert zu hören, dass mein Sohn auch wohl zu Fuß gehen könnte und sein Freund eine Straße weiter (200 Meter) weiter mit dem Bus fahren darf. Was soll so was bitte schön?“, fragt eine weitere Facebook-Nutzerin. Sie meint, die Gemeinde sollte an anderen Ecken sparen, aber nicht an der Schulwegsicherheit der Kinder. Die meisten sind sich einig: „Meiner Ansicht sollten ALLE Kinder aus Büren eine Busfahrkarte bekommen [...] An der Gesamtschule in Eversburg haben ALLE Kinder, egal, wie weit sie von der Schule wegwohnen, eine Fahrkarte bekommen.“ Auch die Familie Seidensticker, die sich bereits vor zwei Jahren dafür stark gemacht hat, unterstützt diese Forderung.

Gemeinde muss sich an geltendes Recht halten

„Wir haben volles Verständnis für das Anliegen der Eltern, aber trotzdem sind uns die Hände gebunden“, sagt dazu Bürgermeister Rainer Lammers und betont: „Wir können uns nur an Recht und Gesetz halten.“ Nach der Schülerfahrtkostenverordnung, erläutert Hauptamtsleiterin Petra Tepe, besteht kein Anspruch auf Erstattung von Schülerfahrtkosten, wenn die einfache Fußwegentfernung zwischen Wohnung und Schule für Schüler der Sekundarstufe I weniger als 3,5 Kilometer beträgt. Das sei zwar für jene, die nur wenige Meter zu nahe an der Schule wohnen, hart, aber: „Irgendwo ist eine Grenze.“ Die zu ändern sei Sache des Gesetzgebers, so Lammers.

Die Eltern, die bisher das Busticket bekamen, obwohl sie weniger als 3,5 Kilometer von der Schule entfernt wohnen, hätten Glück gehabt, könnten daraus aber kein Gewohnheitsrecht ableiten, betont Petra Tepe: „Man kann sich nicht auf etwas berufen, was man bekommen hat, obwohl man keinen Anspruch darauf hatte.“ Die Schülertransportkosten seien überprüft worden; dabei habe sich herausgestellt, dass einige Schüler zu Unrecht kostenlose Bustickets bekamen.

Fußwegsicherheit wird mit Polizei geprüft

Ob der Schulweg, wie die Eltern bemängeln, vor allem im Winter und bei Dunkelheit wegen nicht ausreichender Beleuchtung und/oder Glätte für Fußgänger besondere Gefahren birgt, wolle die Gemeinde zusammen mit der Kreispolizeibehörde vor Ort überprüfen, um den Eltern entgegen zukommen, kündigte Lammers an. Dafür gibt es aber noch keinen konkreten Termin.

Kein durchgängiger Radweg

Das Argument, dass der Weg mit dem Fahrrad zu gefährlich sei, zieht aus rechtlicher Sicht ebenfalls nicht, obwohl Bürgermeister und Hauptamtsleiterin die Problematik durchaus sehen: Mit dem Fahrrad müssen die Schüler entweder auf dem schmalen, stark befahrenen Strotheweg, der keinen Radweg hat, bis zur ebenfalls stark frequentierten Atterstraße/Westerkappelner Straße fahren oder über den Schmalkenweg zur Bergstraße und dort auf dem erst vor wenigen Jahren angelegten Bürgerradweg bis zur Atterstraße. Neuralgische Punkte dabei sind die notwendige Überquerung der Atterstraße und des Teichwegs beziehungsweise der Bergstraße, der Mühlenbreede, des Knotens Bergstraße/Im Mühlengrund/Atterstraße, der Straße „Zum Attersee“ und der Poststraße.

Doch für den Gesetzgeber ist allein der Fußweg Beurteilungskriterium für die Frage, ob der Schulweg besonders gefährlich ist: „Das ist halt die Krux“, so Bürgermeister Lammers, der ja selber Vater ist. Bleibt den Eltern nur, die Fahrkarte selbst zu bezahlen, wenn das Kind den Bus nutzen soll.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN