Zuhören ist gar nicht so leicht Sorgentelefon im Kreis Steinfurt sucht Ehrenamtliche

Von Linda Braunschweig

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Die Vorsitzenden des Vereins Sorgentelefon Kreis Steinfurt: Karin Koch (links) aus Hopsten und Armgard Focke aus Wettringen hoffen auf weitere Ehrenamtliche, um weitere Telefonzeiten anbieten zu können.Foto: Linda BraunschweigDie Vorsitzenden des Vereins Sorgentelefon Kreis Steinfurt: Karin Koch (links) aus Hopsten und Armgard Focke aus Wettringen hoffen auf weitere Ehrenamtliche, um weitere Telefonzeiten anbieten zu können.Foto: Linda Braunschweig

Tecklenburger Land. Zuhören ja, aber bloß nicht den großen Ratgeber herauskehren – das wollen die Ehrenamtlichen des Vereins Sorgentelefon Kreis Steinfurt. Und die suchen Unterstützung. Für Interessierte gibt es am morgigen Mittwoch einen Infoabend.

„Es braucht viel Empathie, man muss sich in die Menschen einfühlen und nachvollziehen können, wo ihre Probleme liegen“, sagt Armgard Focke (58), zweite Vorsitzende. Es gehe nicht darum, diese Probleme zu lösen. „Deswegen rufen die Leute nicht an.“

Bedarf für mehr Sprechzeiten

Für diese Aufgabe sucht der Verein Verstärkung. Denn der Bedarf ist gestiegen: Waren es im vergangenen Jahr 305 geführte Gespräche, kommen die Ehrenamtlichen in diesem Jahr seit März bereits auf 224. 176 Menschen versuchten das Sorgentelefon außerhalb der Gesprächszeiten zu erreichen. Deshalb möchte der Verein seine Telefonzeiten ausweiten.

Wer sich vorstellen kann, völlig anonym am Telefon ein offenes Ohr für andere Menschen zu haben, kann heute, 5. September, von 19 bis 21 Uhr an einer Info-Veranstaltung in der VHS Ibbenbüren, Raum 107, teilnehmen.

Seit zwei Jahren ist Karin Koch (59) aus Hopsten Vorsitzende des Vereins. Vor zehn Jahren begann sie ihr Ehrenamt am Telefon und sagt: „Manchmal erkennt man sich selbst in den Gesprächen wieder.“

Absolute Anonymität

Einsamkeit und psychische Probleme ebenso wie Familienbeziehungen sind die häufigsten Gründe für einen Anruf beim Sorgentelefon. Manche haben ein akutes Problem, bei anderen kreisen die Gedanken immer wieder um dieselben Sorgen. Zugesichert ist den Anrufern „absolute Anonymität“. Der Verein könne in keiner Weise nachhalten, von welcher Telefonnummer aus angerufen werde, erklärt Focke. Ehrenamtliche, sagt Koch, bräuchten ein „Mindestmaß an Lebenserfahrung“. Sie versuchen, durch die Gesprächsführung herauszufinden, was der Anrufer möchte. „Manche wollen auch gar keine Veränderung, sondern nur einen Zuhörer“, sagt Koch.

Kein „Reiß dich mal zusammen“

Sich zurückzunehmen müssten auch die Ehrenamtlichen oft lernen, wissen die Vorsitzenden. Ein „Mach doch mal dies“ oder „Reiß dich zusammen“ sei fehl am Platze, ebenso wie „ist doch alles nicht so schlimm“. „Ein ganz übler Satz“, meint Focke. Behutsame Vorschläge, aber vor allem die Frage nach dem Kern des Problems dagegen seien die Basis, Aushalten und mittragen. Es gebe jedoch auch Menschen, bei denen sich während der Ausbildung herausstelle, dass sie das Zuhören nicht hinbekämen.

In der Ausbildung lerne man auch viel über sich selber, weiß Focke. Bei den Gesprächen müssen die Ehrenamtlichen Empathie zeigen, aber gleichzeitig auch die nötige Distanz wahren, die Geschichten, die sie hören, nicht mit nach Hause nehmen.

Supervision und Arbeit an sich selbst

Supervision und Gespräche untereinander seien dabei sehr hilfreich. „Dadurch habe ich auch privat schon einiges geändert“, sagt Karin Koch, die ohnehin davon überzeugt ist, dass Ehrenamtliche beim Sorgentelefon auch viel für sich selbst mitnehmen können. Und auch der Lohn für die Dienste steht für Koch fest: „Am Ende bedanken sich immer alle fürs Zuhören.“ Und auch Armgard Focke ist sich sicher: „Man tut etwas sehr Sinnvolles.“

Das Sorgentelefon ist montags und dienstags von 9 bis 12 Uhr, mittwochs von 19 bis 22 Uhr, donnerstags von 15 bis 18 Uhr sowie freitags und sonntags von 19 bis 22 Uhr unter Tel.: 05451/3040 erreichbar.


Ehrenamt beim Verein Sorgentelefon

Zurzeit hat der Verein 25 aktive Mitglieder. Das Mindestalter für Ehrenamtliche beträgt 25 Jahre. Wer mitarbeiten möchte, übernimmt meist einen dreistündigen Dienst pro Monat und wird zuvor in einem einjährigen Kursus mit anschließendem Praxisteil in der Volkshochschule in der Gesprächsführung am Telefon geschult. Voraussetzung für die Teilnahme ist Stabilität und Offenheit im Umgang mit Konflikten sowie die Fähigkeit zur Selbstreflexion.

Der Kursus beginnt am 21. September von 18 bis 21 Uhr sowie am 22. September von 9 bis 15.30 Uhr und findet danach jeweils 14-tägig mittwochs von 18 bis 21 Uhr statt. Zusätzlich gibt es sechs Wochenendtermine. Der Kursus kostet 270 Euro. Alle weitere Informationen gibt es beim Info-Abend am Mittwoch oder bei Karin Koch, Tel.: 0157/3589223.

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