Premiere für den Warntag Am 6. September heulen in ganz NRW die Sirenen

Von Angelika Hitzke

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Sirene auf einem Dach in Köln. Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpaSirene auf einem Dach in Köln. Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

ahi/pm Lotte/Westerkappeln. Am Donnerstag, 6. September, findet zum ersten Mal der sogenannte landesweite Warntag statt: In ganz NRW, also auch in Lotte und Westerkappeln, werden verschiedene Warnmittel geprobt. Die Bürger sollen so auf den Ernstfall vorbereitet werden.

Großbrände, Unwetter, Bombenentschärfungen – nur wenn die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt wird, können Gefahren gebannt und Schäden erfolgreich bewältigt werden. Der Aufruf zu bestimmten Verhaltensweisen dient nicht nur der eigenen Sicherheit, sondern erleichtert erheblich die Arbeit der Einsatzkräfte.

Bis Anfang der 1990er Jahre gab es ein flächendeckendes Sirenennetz des Bundes, das ursprünglich die Bevölkerung vor möglichen Luftangriffen warnen sollte. Viele Menschen kannten damals die dazugehörigen Warntöne, regelmäßige Probealarme gehörten vielerorts zum Alltag. Nach dem Ende des sogenannten Kalten Krieges hat der Bund dieses Sirenennetz aufgegeben und den Kommunen zur Übernahme angeboten. Nur einige haben von diesem Angebot Gebrauch gemacht, sodass viele Sirenen abgebaut wurden. Viele Menschen kennen heute die Bedeutung der Signaltöne nicht mehr und wissen nicht, wie sie sich im Katastrophenfall verhalten müssen.

Sirenen in vier Lotter Ortsteilen

Inzwischen installieren viele Kommunen wieder ein Sirenensystem, um die Bürgerinnen und Bürger im Gefahrengebiet mit einer Warnung zu erreichen. In Lotte sind Sirenen auf dem Dach des Feuerwehrhauses an der Bahnhofstraße in Alt-Lotte, dem Rathaus in Wersen, der Regenbogenschule in Büren und seit diesem Jahr auch auf der Sporthalle in Halen installiert. In Westerkappeln gibt es nach Auskunft von Ordnungsamtsleiter Günter Rahmeier drei fest installierte Sirenen: eine auf dem Rathaus im Ortskern, eine in Hollenbergs Hügel/Ortfeld und eine auf dem Feuerwehrgerätehaus in Velpe. Sie werden am Donnerstag von der Feuerwehrleitstelle in Rheine aus für den Probealarm aktiviert.

„Der laute und schrille Ton einer Sirene ist ein effektives Mittel, das zumindest die Existenz einer Gefahr für die Menschen in der Umgebung deutlich hörbar anzeigt. Nur wenn Sie von der Gefahr wissen, können Sie sich über die Medien wichtige Informationen zum richtigen Verhalten und zur Gefahrenlage beschaffen“,heißt es auf den einschlägigen Internet-Seiten des NRW-Innenmisteriums. Um 10 Uhr am Donnerstag, 6. September, werden landesweit alle Sirenen heulen, zudem wird auch die Warn-App „NINA“ (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes) mit einer Probewarnmeldung aktiviert.

Rund um die Uhr einsetzbarer Weckeffekt

Sirenen wird der sogenannte „Weckeffekt“ zugeschrieben. Gerade nachts sind im Normalfall der Fernseher und Radio ausgeschaltet und das Handy kann lautlos gestellt sein. Der Heulton einer Sirene ist davon unabhängig und rund um die Uhr einsetzbar. Es gibt drei verschiedene Sirenensignale, die jeweils eine Minute lang ertönen: Der einminütige, an- und abschwellende Heulton bedeutet „Warnung“, ein zweimal unterbrochener, einminütiger gleichbleibender Ton „Alarmierung Feuerwehr“ und ein Dauerton von einer Minute gibt „Entwarnung“. Im Ernstfall sollte bei einer Sirenenwarnung das Radio bzw. Autoradio (in NRW WDR 2)eingeschaltet und auf Meldungen und Hinweise geachtet werden.

Digitale Warnungen per App

Sirenen, Radiomeldungen, Lautsprecherfahrzeuge sind altbewährten Warnmittel. Doch im digitalen Zeitalter sind auch die Warnungen vielseitiger geworden. Grundsätzlich werden die Bürger immer mit einem Mix aus verschiedenen Warnmitteln gewarnt. Das bedeutet, dass nicht nur ein Medium genutzt wird, sondern möglichst viele verschiedene Wege, zum Beispiel auch soziale Medien wie Faceboook und die bereits erwähnte Warn-App „NINA“. Dabei unterscheidet sich die Warnung von Ort zu Ort: „So kann es sein, dass Sie aus dem Nachbarort Sirenen hören, an Ihrem Wohnort aber Lautsprecherfahrzeuge durch die Straßen fahren“, so die offizielle Information.

„MoWaS„ und „NINA„

Alle Feuerwehr-Leitstellen in Nordrhein-Westfalen sind mit „MoWaS“, dem so genannten Modularen Warnsystem ausgestattet. Damit könne die Leitstelle die Warn-App „NINA“ ansteuern, aber auch Fernsehen und Radio. Auf der App „NINA“ erhalten Bürger unmittelbar von der Feuerwehr Informationen über Gefahren und wie sie sich in dem entsprechenden Bereich verhalten sollten. Auch Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes werden über diese App verbreitet.

Ziel des „Warntages NRW“ ist es, den Bürgerinnen und Bürgern in Nordrhein-Westfalen zu veranschaulichen, welche Warnmittel es gibt, was sie bedeuten und wie man im Ernstfall richtig reagiert. Damit die richtige Reaktion im Ernstfall immer präsent ist, soll der „Warntag NRW“ von nun an jährlich immer am ersten Donnerstag im September stattfinden.

Kein Warntag in Niedersachsen

Das Land Niedersachsen plant derzeit noch keinen solchen Warntag. Matthias Eichler, Pressesprecher des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport, verweist auf die Warnungen über das Internet mit Warn-Apps wie „NINA“ und „KatWarn“. Damit stehe allen Katastrophenschutzbehörden ein einheitlicher und zentraler Meldeweg zur Verfügung. „Es entspricht dem Konzept des Landes, diese mehrgliedrige und Modulare Warn-Infrastruktur schrittweise auszubauen und die verschiedenen Warnmedien entsprechend ihrer Eignung und Annahme durch die Bevölkerung einzubinden“, antwortet er auf eine entsprechende Anfrage.

Derzeit arbeite das Land vordringlich an dem Ausbau und der Härtung von Strukturen für den Notfall, die Rettungskräfte und öffentliche Verwaltung zum Beispiel auch bei einem anhaltenden flächendeckenden Stromausfall handlungsfähig halten. „ Es wird zu prüfen sein, ob eine solche Veranstaltung auch hierzulande geeignet ist, um das Thema und vorhandene Systeme einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, so der Ministeriumssprecher zum Thema Warntag.


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