„Bei uns geht es noch“ Einbußen durch Dürre auch bei Lotter Landwirten

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Lotte. Welche konkreten Folgen haben die wochenlange Trockenheit und Hitze für die Landwirtschaft in Lotte und Westerkappeln? Das ist sehr unterschiedlich, erklärt Hartmut Meyer vom Landwirtschaftlichen Lokalverein Westerkappeln-Wersen: In der Haseniederung und auf dem Halener Esch sowie in Alt-Lotte und Velpe, wo lehmigere Böden Wasser besser speichern, gebe es kaum Trockenschäden, auf sandigen Standorten in Wersen, Büren und auch Halen dagegen Ernteeinbußen von 30 bis 70 Prozent.

Die größten Schäden hat die Dürre beim Getreide und bei in diesem Frühjahr neu angepflanzten Bäumen angerichtet, berichtet der Halener Landwirt. So habe er selbst auf seinem Hof im Frühjahr eine Buchenhecke gepflanzt, die zunächst auch gut angewachsen sei: „Aber 20 Prozent der Pflanzen sind eingegangen, die haben Sonnenbrand bekommen.“ Bei seinem Nachbarn Thies, der im Frühjahr Eichen und Buchen neu gepflanzt habe, seien fast „70 Prozent der Jungbäume kaputt gegangen“.

Frisch gepflanzte Tannenbäume vertrocknet

Noch glimpflich davon gekommen ist Holger Strübbe in Alt-Lotte, der sich auf den Anbau von Weihnachtsbäumen spezialisiert hat. Allerdings: „Die frisch von Hand gepflanzten Tannenbäume sind vertrocknet.“ Die maschinell gesetzten Jungbäume kämpfen nach seinen Worten noch; sie wurzeln ein bisschen tiefer in der Erde. Bei den älteren Bäumen gebe es nur einzelne Ausfälle. Insgesamt seien etwa 20 Prozent der Jungtannen eingegangen: „Bei uns geht es noch, an anderen Standorten sind 50 bis 70 Prozent der Bäume kaputt,“ sagt Strübbe.

Erst Kälte, dann Sturm und kein Mairegen

Hartmut Meyer erinnert daran, dass es in diesem Jahr ein Wechselbad der Witterungsverhältnisse gegeben hat: „Im März hatten wir noch einmal minus 18 Grad.“ Dann seien die Frühjahrsstürme gekommen: „300 Festmeter Sturmholz mussten wir zu Hackschnitzeln verarbeiten.“ Im April sei dann der Mais gelegt worden, für den es anfangs noch Restfeuchte im Boden gegeben habe. Aber dann blieb der übliche Mairegen aus. Folge: „Beim Getreide war die Bestockung zu schwach, die Ähren zu klein, das Korngewicht zu gering.“

Halb so viel Getreide wie üblich

Die Erträge in Halen, Wersen und Büren liegen laut Hartmut Meyer bei Gerste zwischen vier und sieben Tonnen (normal sind acht Tonnen) und bei Triticale zwischen drei und 8,3 Tonnen (normal: mindestens acht Tonnen) pro Hektar. Weizen bringt diesen Sommer in Halen gerade mal drei Tonnen, in Wersen sieben Tonnen pro Hektar. Bei Kartoffeln bleiben die Knollen klein: „Hier geht es noch, aber im Nordkreis Osnabrück erwartet Sören Diesing-Espenhorst dieses Jahr nur 3,5 statt neun Tonnen. Das sind über 60 Prozent Ernteeinbuße“, sagt Meyer, der mit dem Nordkreis-Landwirt Flächen tauscht.

Keine oder abgeknickte Kolben am Mais

Beim Mais seien die Einbußen überall dort, wo der Boden lehmiger ist, nicht so groß. An sandigen Standorten seien die Ausfälle höher, in Teilbereichen bis zum Totalausfall: „Es gibt einzelne Flächen, wo kein oder nur ein verkümmerter Kolben am Mais ist“, demonstriert der Halener Landwirt auf einem Feld an seinem Maststall in Halen. Oben auf dem Esch, wo die Maispflanzen auf zwar sandigem, aber lehmdurchsetztem Boden stehen, sind die meisten Kolben zwar fast normal groß, aber hängen abgeknickt nach unten: Sie drohen bei der Ernte abzufallen und können dann vom Maishäcksler nicht erfasst werden. Dieser Mais liefert also allenfalls minderwertiges Viehfutter.

Zu frühes Maissilieren gefährlich

Besonders da, wo die Maispflanzen schon ziemlich vertrocknet sind, haben die ersten Kollegen laut Meyer schon angefangen zu häckseln. Das sei aber nicht unproblematisch: Werde der Mais zu früh siliert, bildeten sich giftige nitrose Gase, weil aufgrund der Dürre der Mais besonders trocken und der Stickstoffanteil besonders hoch sei. „Der Zucker wurde noch nicht in Stärke umgewandelt“, erklärt der Landwirt. Die beim Gärvorgang dann verstärkt aufretenden Gase verätzten die Atemwege.

Zu wenig Gras für die Kühe

Bei Grünland habe es in diesem Jahr nur einen guten Schnitt gegeben. Das treffe vor allem die ohnehin gebeutelten Milchviehbetriebe und Rinderhalter, die deshalb Raufutter zukaufen und/oder ihre Herden verkleinern müssten. In der Gemeinde Lotte gebe es allerdings keine großen Herden, nur den Milchviehbetrieb von Piet Jongsma in Büren, zwei Höfe mit Milchvieh in Wersen und einen Bullenmäster in Alt-Lotte. „Ich muss bestimmt zehn Hektar Mais zukaufen und die Grasernte war auch nur die Hälfte von dem, was normal ist“, sagt Piet Jongsma, der an seine 100 Milchkühe schon jetzt das eigentlich für den Winter bestimmte Heu verfüttern muss. Er schätzt die durch den Extremsommer bedingten Mehrkosten in diesem Jahr auf rund 20000 Euro.

Da Schweine Allesfresser sind, haben Schweinebauern wie Hartmut Meyer da weniger Probleme, obwohl auch er zukaufen muss. Er habe sich den Futterpreis aber jetzt im Juli vertraglich bis Juli 2019 gesichert: „Seitdem hat es zwei Preiserhöhungen gegeben.“

Sprinkleranlage im Schweinestall

Wie haben seine Sauen, Ferkel und Mastschweine denn überhaupt die Hitze verkraftet? „Ich hatte keine Hitzeausfälle bei den Sauen“, sagt er. Zentralganglüftung und bei Temperaturen über 30 Grad auch Durchzug, im Maststall auch Verdunstungskühle aus einer Sprinkleranlage, die sich ab einer Außentemperatur von 28 Grad einschaltet, sorgten für erträgliche Temperaturen. Der Mehrbedarf an Strom und Wasser falle da weniger ins Gewicht; Mehrkosten entstünden eher dadurch,dass die Tiere hitzebedingt weniger fressen, weniger schnell zunehmen und später ausgestallt werden.

Kompensation durch Vorräte aus Vorjahren

Die Frage nach finanziellen Hilfen für Landwirte ist laut Meyer differenziert zu betrachten. Dürren habe es schon immer gegeben, weshalb man in guten Jahren etwas für schlechte Zeiten zurücklegen müsse. „Einzelne Betriebe haben Probleme, aber das Gros kann die Ausfälle durch Vorräte aus den letzten Jahren kompensieren“, sagt der Halener Landwirt und betont: „Es gibt Regionen, die schlimmer dran sind.“

Übrigens: Auch die von ihm im Frühjahr angelegten Blühstreifen sind nicht völlig vertrocknet und nutzlos, sondern bieten zum Beispiel dem Kohlweißling und anderen Insekten Nahrung. Denn zumindest die Sonnenblumen und die Disteln haben Hitze und Trockenheit getrotzt.


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