Aus Trio wird Quintett Klassik mit Ambiente: Konzert an der Mühle Bohle

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Lotte. Die „Klänge einer Sommernacht“, so der Name des zweiten Picknickkonzerts an der Mühle Bohle in Wersen, locken fast 400 Gäste zum romantisch gelegenen Ensemble der Doppelmühlenanlage. Hochkarätige Künstler verzaubern dort mit einem Best of der beliebtesten Melodien aus Operetten.

Die Operette ist tot, lang lebe die Operette. Diesen Eindruck muss unweigerlich gewinnen, wer das Picknickkonzert besucht. Denn dort werden die bis heute unsterblichen Melodien von Komponisten wie Emmerich Kálmán, Johann Strauss, Franz Léhar oder Carl Millöcker quicklebendig. Menschen tanzen zu den Klängen oder singen ungeniert den einen oder anderen, meist doch irgendwie bekannten Refrain mit. Und am Ende müssen die Künstler noch mehr Zugaben geben, als sie offensichtlich geplant hatten.

Ungeplante Zugaben

Denn anders ist es kaum zu erklären, dass sich Helen Katja Rothfuss, Jeanette Oswald und Bryan Oswald nach den Dankesworten von Werner Schwentker, dem Vorsitzenden des Mühle-Bohle-Vereins, erst einmal mit dem Meininger Salonorchester absprechen müssen, was sie denn nun noch singen könnten. Das ist, wohlgemerkt, nach den drei Zugaben, die die Künstler sowieso schon wegen der großen Begeisterung des Publikums gegeben haben. Und die Gäste hätten vermutlich auch noch weiter zugehört.

Unbändige Freude versprüht

Schließlich versprühen die beiden Sopranistinnen und der Tenor nicht nur unbändige Freude bei ihren wechselnd besetzten Auftritten, sondern auch das sechsköpfige Salonorchester überzeugt mit eigens von Kontrabassist Konrad Just angefertigten Orchestrierungen. Denn in der Regel gibt es die Noten der Melodien eben nicht für die Besetzung mit Violine, Violloncello, Kontrabass, Querflöte, Klarinette und Klavier. Sie muss stattdessen eigens vom großen Orchester heruntergebrochen werden. Klingt aber spitze – zumindest, wenn diese sechs Musiker sie interpretieren.

Überzeugende Solisten

Vor allem Jeanette Oswald und Bryan Rothfuss ist die Routine und Präzision anzumerken, die die Solisten der Staatsoperette Dresden Abend für Abend in genau dem Metier, das sie auch an der Mühle Bohle zum Besten geben, verfeinert haben. Sie sprühen vor Begeisterung, legen auch mal eine kleine Tanzeinlage aufs Parkett und küssen und herzen sich, was das Zeug hält. Schließlich sind die beiden nicht nur oft genug in ihren Rollen ein Paar, sondern auch im richtigen Leben.

Welt der Leichtigkeit

Auch der sonst hörbar eher im dramatischen Fach beheimateten Helen Katja Rothfuss bereitet der Wechsel in die Welt der Leichtigkeit versprühenden Operette offensichtlich keinerlei Probleme. Anrührend wird der Abend, als die Geschwister Rothfuss und Jeanette Oswald zum Finale der ersten Hälfte des über zwei Stunden langen Konzert ihre Eltern auf die Bühne holen und mit diesen zusammen ein Quintett singen.

Familienbande

Schließlich sind die gebürtigen Amerikaner, also die Eltern, in Lotte sesshaft geworden und waren auch am Theater Osnabrück engagiert. Auch die freischaffende Sopranistin Helen Katja Rothfuss lebt in Lotte und jettet von hier aus auf die namhaften Bühnen der Welt. Ein Umstand, der das in der heutigen Zeit eher ungewöhnliche Klassikkonzert wohl zumindest mit möglich gemacht hat.

Picknick auf Bierzeltgarnituren

Ungewöhnlich ist aber auch, dass die Gäste nicht im bestuhlten Hof des Gebäudeensembles sitzen, sondern der Rahmen eines Picknicks gewählt wurde. Die 20 Helfer des Vereins haben schon am Vortag 50 Bierzeltgarnituren aufgebaut und einen Fallschirm zwischen den Häusern aufgespannt. So verwöhnen sich die 378 Gäste der innerhalb weniger Tage ausverkauften Veranstaltung nicht nur mit musikalischen, sondern eben auch mit lukullischen Genüssen.

Mit Tweedanzug und Schirmmütze

Besonderen Wert legt der Mühlenverein dabei auf ein stimmiges Ensemble von Tischdekoration und Gästen. Dafür hat er extra einen Wettbewerb ausgelobt, bei dem es als Hauptpreis ein Grünkohlessen zu gewinnen gibt. Die Schriftführerin des Vereins, Bianka Frieske-Kunze, und der Vorsitzende des örtlichen Kunstvereins bewerten die Gäste in der Pause. Und am Ende gewinnt der Tisch, an dem die Herren in traditioneller englischer Freizeitkleidung mit Tweed und Schirmmützen erschienen sind.

Deko und Gäste in Rosa

Aber auch andere Gäste haben Spaß an der Dekoration. So steht an einem etwa ein Schild, auf dem das Picknick zum Pinknick gemacht wurde – und die Damen sind überwiegend in Rosa gekleidet. „Wir haben unsere Freundin mit diesem Abend überrascht, die vor wenigen Tagen Geburtstag hatte“, sagen die Tischgäste.


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