Giganten-Begegnung unter Wasser Bürener Taucherpaar Auge in Auge mit dem Walhai

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Lotte/Raja Ampat. Haie haben einen schlechten Ruf, doch sie sind unverzichtbar fürs marine Ökosystem. Diese Botschaft möchte das Bürener Taucherpaar Rose und Udo Kefrig gern vermitteln, das jetzt von einer hautnahen Begegnung mit dem größten Fisch der Welt, dem Walhai, zurückgekommen ist.

Über 500 Arten dieser Knorpelfische gibt es. Die meisten Haie fressen Fische und andere größere Meerestiere wie zum Beispiel Robben. Menschen stehen nicht auf ihrem Speiseplan, auch nicht bei den wenigen für Schwimmer potenziell gefährlichen Arten wie Weißer Hai, Tigerhai oder Bullenhai.

Wenn es zu Angriffen auf Menschen kommt, sind dafür zumeist Verwechslungen verantwortlich: Ein Surfer auf seinem Brett sieht von unten aus wie eine Robbe, blutende Wunden beim Schwimmer oder harpunierte Fische am Gürtel des Schnorchlers wirken wie Köder; der Mensch präsentiert sich damit praktisch wie ein verletztes, geschwächtes Beutetier.

Riesen leben von Krill und Plankton

Doch die größten Haie wie der bis zu 13 Meter lange und zwölf Tonnen schwere Walhai, der im Gegensatz zum Wal aber eben kein Säugetier ist, der Riesenhai und der Riesenmaulhai sind keine Räuber, sondern sanfte Riesen und ernähren sich fast ausschließlich von Krill und Plankton.

Der Walhai kann dazu sein riesiges Maul so weit öffnen, dass er theoretisch mühelos einen Menschen verschlingen könnte. Doch er saugt nur Wasser ein, um dann ähnlich wie ein Bartenwal die Kleinstlebewesen herauszufiltern und zu fressen. Klar, dass er die natürlich in großen Mengen benötigt und daher in entsprechend planktonreichen Gewässern oft Tausende von Kilometern unterwegs ist.

In Indonesien, wohin die Kefrigs im März zu einer insgesamt vierwöchigen Tauchexpedition mit dem Dreimastsegler „Amira“ aufbrachen, gibt es nördlich von West-Neuguinea in der Cenderawasih-Bucht (früher niederländisch Geelvinkbaai genannt) einen Bereich, wo jedes Jahr gleich mehrere der eigentlich einzelgängerisch lebenden Walhaie anzutreffen sind. „Sonst ist da eigentlich nicht viel an Tauchplätzen, nur dieses Hai-Light“, freut sich Rose Kefrig über ihr Wortspiel.

Nahrung lockt

Sie erklärt auch, warum sich die größten Fische der Welt gerade hier zumindest zeitweise so gerne versammeln: „Irgendwann haben die mitbekommen, dass die Fischer hier mehrere Wochen in Bambushütten auf dem Meer leben und ihre Essensreste ins Wasser kippen“, erzählt die Bürenerin. So kam es, dass einige der Riesen regelmäßig das bequeme zusätzliche Nahrungsangebot nutzen– zum Entzücken der Meeresforscher und Taucher auf den Safarischiffen.

Rücksicht oberstes Gebot

Auch Rose und Udo Kefrig segelten deshalb mit der Amira dort hin. Da sie mit diesem Schiff schon mehrfach in der indonesischen Inselwelt unterwegs waren, wussten sie, dass deren Crew Umweltbewusstsein großschreibt. „Plastik ist tabu an Bord, auch für Trinkflaschen. Da sind nur Metallflaschen erlaubt“, erzählt Udo. Nur zwei Tage lang hielt sich das Schiff im Walhai-Gebiet auf, um die Tiere nicht zu verstören. Aus diesem Grund durften sich die Taucher auch nur in Kleingruppen von maximal drei Leuten auf einmal vom Schlauchboot der Amira aus ins Wasser gleiten lassen. „Wir waren drei Gruppen“, sagt Rose auf Nachfrage.

Und selbstverständlich war vorher abgeklärt: „Langsam auf die Tiere zuschwimmen, damit die keine Angst kriegen, Abstand halten, nicht anfassen“, schildert Rose die Verhaltensregeln zum Umgang mit den majestätischen Haien. „Wenn die dich treffen, sitzt da schon ein ganz schöner Bumms hinter. Da kommt ein kleiner Lkw auf dich zu und rammt dich“, schildert Udo Kefrig eine unabsichtliche Berührung mit dem Riesen.

Markiertes Jungtier

Und der war laut Rose Kefrig in diesem Fall noch ein junger Walhai, der getaggt, also mit einem Satellitensender markiert war. Auf diese Weise hoffen Forscher, mehr über die Wanderungen und das Fortpflanzungsverhalten dieser Haiart zu erfahren. Bisher ist nämlich nur bekannt, dass sie lebende Junge gebären, die von Anfang an auf sich selbst gestellt sind. Wo das geschieht und wo sie sich paaren, weiß bisher niemand.

„Das war ein tolles Schauspiel“, schwärmen Rose und Udo von der einmaligen Begegnung unter Wasser. Was sie dabei empfunden haben? „Ehrfurcht“, sind sich die beiden einig. Und Wut. Wut darüber, dass Haie „nach und nach ausgerottet werden. In Osnabrück gibt es immer noch Restaurants, die Haifischflossensuppe auf der Karte haben. Das muss man boykottieren“, redet sich Udo Kefrig in Rage und betont: „Ohne Haie bricht das Ökosystem Ozean zusammen.“

Die Walhaie seien faszinierende Hochseelebewesen, die weder Scheu noch Aggression gegenüber dem Menschen zeigen: „Wenn man sich gut verhält, verschwinden die nicht. Sie sind neugierig, gucken, schwimmen auf einen zu und dann vorbei“, berichtet Udo und gerät wieder ins Schwärmen: „Der größte lebende Fisch der Welt – so ein Tier im Wasser zu erleben ist eine Sensation!“

Neugierig und friedlich

Seine Frau berichtet, dass sie beim Schwimmen mit dem von einem Pulk von Schiffshaltern begleiteten Riesen Zeit und Raum vergessen habe, „weil das einfach so schön war“. So einem Tier in freier Wildbahn hautnah zu begegnen „ist gigantisch“, findet auch Udo. „Die sind friedlich, die tun keinem was“, betont Rose.

Bedroht und verfolgt

Umso trauriger finden beide, dass wie alle Haie auch der Walhai von Menschen verfolgt wird. Zusätzlich zur Bedrohung durch Plastikmüll und Überfischung enden sie oft als Beifang in den Netzen industrieller Fangflotten, werden von Trophäenjägern unter den Sportfischern gejagt oder Opfer der besonders grausamen Jagd auf ihre in China so begehrten Flossen, die ihnen bei lebendigem Leib abgeschnitten werden. Den dann bewegungsunfähigen Körper werfen die Fischer einfach zurück ins Meer. Als sie den Sender am Fisch gesehen habe, sei sie etwas schwermütig geworden, so Rose Kefrig. „Ich habe gedacht, wie lange wird der wohl noch unter uns weilen? Ich hoffe, dass unsere Nachfahren die Walhaie auch noch erleben können!“


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