Ein Leben für die klassische Musik Helen Katja Rothfuss tritt in Wersen auf

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Anmerkungen an der Notenliteratur notiert Helen Katja Rothfuss vor dem Auftritt. Foto: Ursula HoltgreweAnmerkungen an der Notenliteratur notiert Helen Katja Rothfuss vor dem Auftritt. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Es verspricht ein Klangerlebnis auf international professionellem Niveau zu werden. Zumindest, wenn man sich Leben und Wirken der Familie Rothfuss anschaut, können sich all jene glücklich schätzen, die noch eine Karte für die „Klänge einer Sommernacht“ am kommenden Samstag an der Mühle Bohle in Wersen ergattern konnten.

Zu den Vorfahren von Helen Katja Rothfuss zählen musikalisch und erfinderisch Kreative. Sie hat von ihren Eltern die Gabe geerbt, als Sopranistin auf nationalen und internationalen Bühnen Erfolge zu feiern. Am Samstag trägt sie ihre Kunst an Wersens Mühle Bohle vor bei „Klänge einer Sommernacht“ mit Bruder und Schwägerin, unterstützt vom Salonorchester „Meininger Melange“.

Kirchenmusik und Explosionen in Amerika

„Seit Generationen ist in unserer Familie die Musik wichtig. Wir singen, spielen Instrumente und komponieren“, berichtet Helen Katja Rothfuss. Ihre Familie stammt aus Amerika. Mütterlicherseits hat sich die Familie besonders als Kirchenmusiker und Komponisten dort einen Namen gemacht. „Meine Oma komponierte beispielsweise Lieder für Kirchen- und Kinderchöre“, blickt Helen Katja Rothfuss zurück. „Meine Mutter ist als junge Frau mit ihren vier Geschwistern und den Eltern als die ,Kemp Carolers‘ auch international auf Tournee gewesen und hat Publikum in großen Sälen begeistert“, beschreibt sie die Anfänge der Erfolgsgeschichte von Julia Kemp, die lyrischen Sopran singt.

Väterlicherseits sind aus den Familien wunderbare Instrumentalisten hervorgegangen – und Erfinder. „Meine Oma erzählte oft, dass es bei ihr zu Hause häufig Explosionen gegeben hat, wenn die kreativen Techniker mal wieder experimentierten. Die Tüftler haben einige Patente, beispielsweise für die Automaten, in die man Geld steckt, dran dreht und dann Kaugummi herausrollt“, berichtet Helen Katja Rothfuss mit ansteckender Fröhlichkeit über die Familie ihres Vaters Guy Rothfuss auf der Bühne als Guy Renard bekannt.

Er absolvierte eine Ausbildung als Heldentenor und heiratete Helen Julia Kemp. Sie lernten sich schon im Studium am Westminster Choir College kennen. „Der Name Helen gehört zu den Namen der Frauen in unserer Familie. Den hat schon meine Oma mütterlicherseits getragen“, erklärt die zweite Tochter von Heldentenor und lyrischem Sopran.

Auswandern ins gelobte Opernland

Vor einigen Jahrzehnten sind Guy Rothfuss und Julia Kemp mit allem Hab und Gut nach Deutschland ausgewandert. Hier und in anderen europäischen Ländern stehen mehr Opernhäuser als in Amerika, sind berufliche Chancen in diesem Metier vielfach besser als im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. „Meine Eltern haben sich damals einen Traum erfüllt“, berichtet Helen Katja Rothfuss.

Talent vererbt

Die drei Kinder des weit über den Einzugsbereich des Theaters Osnabrück bekannten Opernsängerpaars verbrachten die ersten Jahre in Deutschland. Alle drei absolvierten – die Begabungen vererbten sich dreifach – eine klassische Gesangsausbildung später in Amerika.

Helen Katja Rothfuss, die als jugendlich dramatischer Sopran bei jedem Auftritt begeistert, studierte in Princeton (New Jersey) Gesang und Pädagogik. Später schloss sie die University of Southern California in Los Angeles mit einem Master in Gesang und Oper ab.

Die ältere Schwester, Kristin Rothfuss, ist Mezzo-Sopranistin, der jüngere Bruder, Bryan Rothfuss, singt Bariton. Er und seine Frau Jeannette Oswald, gleichfalls Sopranistin, gehören zum Ensemble der Staatsoperette Dresden.

Mittlerweile fühlt sich Helen Katja Rothfuss nach einigen erfolgreichen Jahren in Wien mit ihrer Tochter wieder in Deutschland heimisch. Sie wohnt in Westerkappeln. Das Klassische ist ihr Metier: „Mit Brahms, Beethoven, Schumann und anderen hat Deutschland Komponisten, auf alle stolz sein können. Ich singe deren Werke bei Auftritten gern.“

Zu ihrer beruflichen Vita gehören Engagements auf den großen Opernbühnen unter anderem in Österreich, den Niederlanden und in Deutschland; gleichfalls die Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten, wie Wolfgang Sawallisch, Kurt Masur, Ricardo Muti und Zdenek Mácal.

Westfälische Bande

Aufgrund familiärer und freundschaftlicher Kontakte in die Region – die Eltern wohnen seit kurzem in Tecklenburg, Helen Katja Rothfuss leitet einige Chöre im Westfälischen und im Osnabrücker Land – hat sie mittlerweile auch hier eine Fangemeinde. Durch den Kontakt zu Bianka Friske-Kunze, Vorstandsmitglied im Mühlenverein, ließ sich die Sopranistin bewegen, mit Bruder und Schwägerin das zweite Picknickkonzert zu präsentieren.

Gemeinsam bestreiten sie den beschwingten Abend mit vielen Operettenmelodien im lauschigen Mühlengrund. Unter anderem wird Helen Katja Rothfuss aus der „Fledermaus“ (Johann Strauß) einen anspruchsvollen Part der Rosalinde darbieten.

Der Kunst der Operettensänger zollt sie ein gehöriges Maß an Anerkennung: „Wenn man sich anschaut, was die Künstler auf der Bühne alles gleichzeitig machen, zum Beispiel tanzen, schauspielern und überhaupt viel in Bewegung sind, und dabei mit ihrer Stimme über ein großes Orchester hinweg verständlich singen, dann ist diese Arbeit aller Ehren wert.“

Jedenfalls können sich alle Besucher der ausverkauften Veranstaltung auf beeindruckende Profistimmen bei der Open-air-Veranstaltung freuen.


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