Kochen mit Flüchtlingsfrauen Genussvolle Integration in Lotte

Von Monika Vollmer

Für die Flüchtlingsfrauen bedeutet die Zubereitung von traditionellen Speisen ein Stück Heimat. Foto: Monika VollmerFür die Flüchtlingsfrauen bedeutet die Zubereitung von traditionellen Speisen ein Stück Heimat. Foto: Monika Vollmer

Lotte. Kochen verbindet. Mit einer bunten Reise durch die Küche verschiedener Länder hat das von der Flüchtlingshilfe Lotte organisierte Kochprojekt dazu beigetragen, dass Integration von Frauen mit Fluchterfahrung gelingt.

In den Töpfen brutzelt das Reisgericht Plow, auf der Arbeitsplatte wird der Mehlteig für Fatayer Taschen kräftig geknetet, zahlreiche Gemüsezutaten für Dolma zart gedünstet und Karniyarik, mit Hackfleisch gefüllte Auberginen, werden in den Ofen geschoben. Es duftet nach Knoblauch, exotischen Gewürzen und Hühnchen. Dreizehn Frauen drängeln sich um die Herdzeilen und unterhalten sich in einem Mix aus Deutsch und Arabisch. Nein, wir befinden uns nicht in einem orientalischen Speiserestaurant sondern in der Küche des Schulzentrums Wersen und die Köchinnen sind allesamt vor Krieg und Gewalt nach Deutschland geflohen. Sie kommen aus Syrien, dem Irak, aus Aserbaidschan, der Türkei oder Tadschikistan. 

Friedel Glüder ist seit Jahren in der Flüchtlingshilfe Lotte tätig und organisierte auf Wunsch ein gemeinsames Kochen unter den anwesenden Teilnehmerinnen. „Die Frauen bringen uns ganz häufig leckere Kleinigkeiten in die Kleiderkammer oder zum Deutschunterricht mit. Letztes Jahr entstand so die Idee, ein gemeinsames Kochen ganz ohne die Männer zu arrangieren, die Rezepte aufzuschreiben und zu einem kleinen Büchlein zusammenzufassen“, erzählte die pensionierte Lehrerin. Bei dem diesjährigen gemeinsamen Zoobesuch reifte die Idee weiter, es wurde kurzerhand eine WhatsApp- Gruppe gegründet und ein Termin festgelegt.

An diesem Augustsamstag trafen sich nun alle Interessierten im Schulzentrum. Sie schleppten früh am Morgen fröhlich das frisch eingekaufte Gemüse und die Fleischzutaten sowie eine beachtliche Auswahl an Küchenutensilien an und tauschten sich in den kommenden vier Stunden auf Augenhöhe aus. Dabei halfen sie sich zwischendurch immer wieder gegenseitig, zum Beispiel beim Kleinschneiden des Gemüses für Tabula. „Das ist ein Salat für Frauen mit vielen Töchtern“, scherzte Glüder. Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Paprika, Möhren- die Zutaten wurden in millimeterkleinste Würfel geschnitten. Dazwischen schaute man sich immer wieder gegenseitig über den Kochtopfrand und fragte interessiert nach den Zutaten.

Vitaminreich sind die Zutaten für Dolma, einer Spezialität der orientalischen Küche

Einige der Frauen kannten sich bis dahin kaum untereinander. Unabhängig von Herkunft, Einkünften, Bildung und Religion lernten sie sich in kurzer Zeit unbefangen kennen, hatten gemeinsam Spaß und nutzten die Gelegenheit, voneinander die kulturelle Vielfalt zu erfahren und Neues kennenzulernen. Auf die Frage ob die Zubereitung traditioneller Speisen ein Stück Heimat für sie bedeutet, nickten die Frauen begeisternd.  

Glüder lief derweil zusammen mit Britta Schleck von Herd zu Herd und versuchte die Zutaten und die genaue Zubereitungsfolge aufzuschreiben. Wenn es dabei Verständigungsschwierigkeiten gab, half Mawa als Dolmetscherin aus. Die junge Syrerin kam vor drei Jahren nach Deutschland, spricht arabisch, englisch und deutsch. Das Rezeptbuch wird in den nächsten Wochen geschrieben und vervielfältigt und soll dann verkauft werden.


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