Vor ihnen ist kein Ball sicher Drei junge Frauen aus Lotte sind Fußballtalente

Von Rolf Grundke

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Die weiblichen Fußballtalente aus Lotte (von links): „Küken“ Adea Nagavci (15), Melanie Ott (21) und Lina Jäger (16). Melanie spielt aktuell in der zweiten Senioren-Bundesliga. Lina ist Torschützenkönigin der Regionalliga West und Adea soll von Mettingen zum Osnabrücker SC in die Niedersachsenliga wechseln. Foto: Rolf GrundkeDie weiblichen Fußballtalente aus Lotte (von links): „Küken“ Adea Nagavci (15), Melanie Ott (21) und Lina Jäger (16). Melanie spielt aktuell in der zweiten Senioren-Bundesliga. Lina ist Torschützenkönigin der Regionalliga West und Adea soll von Mettingen zum Osnabrücker SC in die Niedersachsenliga wechseln. Foto: Rolf Grundke

rgru Lotte. Frauen können (nicht) Fußball spielen – oder doch, vielleicht sogar besser als Männer? Nein, natürlich nicht, aber auch nicht schlechter. Melanie Ott, Lina Jäger und Adea Nagavci aus Lotte zeigen diesem Klischeedenken die kalte Schulter.

Lotte Wenn sie die Fußballschuhe geschnürt und das Trikot übergestreift haben, ist kein Ball mehr vor ihnen sicher. Eine Gemeinsamkeit der jungen Frauen ist, dass sie das Fußballspielen in Lotte bei den Sportfreunden gelernt haben. Ausgerechnet in einem Verein, der gar kein Mädchen- oder Frauenfußball anbietet.

Frauenfußball muss man getrennt vom Männerfußball betrachten, um ihn objektiv beurteilen zu können. Bis etwa zur C-Jugend unterscheidet sich die Anatomie bei den Geschlechtern noch nicht so wesentlich voneinander. Körperbau und Muskulatur sind noch in einem ausgewogenen Verhältnis. In der F-D Jugend können Mädchen problemlos mit ihren gleichaltrigen männlichen Mannschaftskameraden mithalten.

Mit männlicher U17 des VfL Osnabrück trainiert

Ab etwa der C-Jugend schaffen das nur noch sehr talentierte Mädchen; Melanie musste auf Anraten des DFB sogar bei der männlichen U17 des VfL Osnabrück mittrainieren, weil das Kreisliga-Niveau in Lotte nicht hoch genug war.

Mit ihren 21 Jahren die älteste der drei Mädels, hat sie sicherlich für die jüngeren zwei U-17-Mädchen Adea und Lina schon so etwas wie eine Vorbildfunktion, zumindest für Adea Nagavci, die jetzt erst in die Niedersachsenliga wechselt und vorher bei Eintracht Mettingen in der Kreisliga A gespielt hat.

Auch die Brüder sind aktive Fußballer

Die beiden Familien sind schon seit Jahren befreundet. Die älteren Brüder von Melanie und Adea, Thomas Ott und Andy Nagavci, spielen auch im Fußballkreis Tecklenburg im Herrenbereich Fußball in der Kreisliga in Lotte und Büren. Linas älterer Bruder Ole spielt bei den Sportfreunden bei den U-19-Junioren.

Die zweite Gemeinsamkeit ist sehr bezeichnend für die drei talentierten jungen Frauen. Sie kommen nicht nur aus Lotte, sondern haben sich auch alle drei entschieden auszuschöpfen, was der Fußball ihnen zu bieten hat. Und das sieht im Moment noch sehr unterschiedlich aus.

2011 Länderspiel-Debüt

Melanie hat da sicherlich nach ihrer Bilderbuchkarriere die konkretesten Vorstellungen. Sie ist es auch, die schon fest mit ihren Beinen im Leben steht, hat sie doch schon fast alles durch in ihrem Fußballerleben. Als 14-Jährige mit dem westfälischen Fußballverband nach Südafrika kurz vor der WM 2010, ein Jahr später ihr U-15- Länderspiel-Debüt in Brühl gegen Schottland, in dem sie ihr erstes Länderspieltor schoss, dann B-Junioren- Bundesliga in Gütersloh und aktuell in der zweiten Senioren-Bundesliga im selben Verein.

Berufsziel: Büromanagement für 1. Bundesliga

Sie möchte nach ihrer Lehre zur Kauffrau für Büromanagement in die 1. Bundesliga wechseln, vorzugsweise nach Bayer Leverkusen oder SGS Essen. Melanie möchte nicht so weit von ihrem Freund entfernt sein, der geschäftlich in Kamen bei Dortmund eingespannt ist. Sie ist schon lange nicht mehr das kleine Mädchen aus Lotte, sondern eine junge Frau, die voll im Leben steht.

Lina Jägers Karriere ist nicht ganz so aufregend wie Melanies, aber nicht weniger erfolgreich. Nicht zuletzt als Torschützenkönigin der Regionalliga West ist man mittlerweile schon (fast) bundesweit auf sie aufmerksam geworden. Die eher schüchtern wirkende 16-Jährige weiß aber ziemlich genau, was sie will. Im Moment fühlt sie sich noch sehr wohl bei Arminia Ibbenbüren, wo schon seit drei Jahren U-17-Regionalliga-Fußball angeboten wird und sie maßgeblichen Anteil daran hatte. Sehr großes Vertrauen hatte sie zu ihrem Trainer Birger Röber, der zur neuen Saison aber in den Herrenbereich nach Mettingen wechselt.

Westfalenauswahl und Regionalliga

Mit Katharina Eiter bleibt aber der Mannschaft die KoTrainerin erhalten und mit Ina Stehrmann stößt auch noch eine bekannte und erfolgreiche Trainerin aus dem Seniorinnenbereich dazu. Zusätzlich ist sie mit ihren Mannschaftskolleginnen Judith Höfting, Pauline Watta und Sophia Rieke in die Westfalenauswahl gewählt worden und geht nun in ihre dritte Regionalligasaison.

Auf die Frage, ob sie nicht höher spielen will, antwortet sie schnell und klar: „Nein, im Moment ist mir die Schule und der Abschluss wichtiger. Eventuell kann ich mir vorstellen, nach der U17 in Hauenhorst in der Frauen-Regionalliga zu spielen. Dort könnte ich noch mit dem Zug hinfahren; das ist südlich von Rheine, also absolut machbar.“ Klare Vorstellungen also, die ihr auch die Möglichkeit bieten, höher Fußball zu spielen, aber den schulischen Werdegang im Fokus zu behalten.

Von der Kreisliga A in die Niedersachsenliga

Das „Küken“ in dem Trio, die 15-jährige Adea Nagavci, hat ihre Karriere noch vor sich und nun die Möglichkeit bekommen, beim Osnabrücker SC in die Niedersachsenliga zu wechseln. Positiv aufgefallen ist sie im letzten halben Jahr in Mettingen. Dort merkte man schnell, dass sie sehr viel Talent besitzt und in vielen Spielen den Unterschied zu den anderen Mannschaften machte.

In die Niedersachsenliga

Im letzten Spiel der Saison besiegte man den späteren Aufsteiger Teuto Riesenbeck mit 4:0. Adea war an diesem Sieg maßgeblich beteiligt. Der Sprung in die Niedersachsenliga ist natürlich sehr groß, aber dem ehrgeizigen, selbstbewussten Mädchen ist das durchaus zuzutrauen. OSC-Trainer Lucas Vosskuhl sagte zum Transfer: „Niemand hatte das Mädchen aus Lotte auf dem Schirm. Sie ist technisch und am Ball sehr stark und wird unsere Offensive noch unberechenbarer machen.“ Mit diesen Vorschusslorbeeren wird Adea sicherlich gut umgehen können. Natürlich hätte man es lieber gesehen, wenn so ein Juwel im Fußballkreis geblieben wäre. Auch Trainer Birger Röber hätte sie in die Regionalligamannschaft aufgenommen. Vielleicht ist es aber der bessere Weg, über die Niedersachsenliga weitere Spielpraxis zu erlangen. Denn auf der Bank sitzen ist nichts für Adea.

DJK Arminia Aushängeschild im Frauenfußball

Aushängeschild und renommiertester Verein im Tecklenburger Land in Sachen Frauenfußball ist DJK Arminia Ibbenbüren. Die Frauen spielen dort mit ihrer ersten Mannschaft in der Westfalenliga und selbst die zweite Mannschaft spielt noch in der Landesliga. Die U-17-Mädchen spielen in der Regionalliga den höchsten Juniorenfußball im Kreis.

Landesliga-Niveau in Brochterbeck und Riesenbeck

Landesliga-Fußball wird im Seniorenbereich aber auch in Brochterbeck und Riesenbeck gespielt. Allerdings fehlt in Brochterbeck der Unterbau in der Jugend. Den hat Riesenbeck aber zu bieten; sind doch die U-17- Mädchen gerade in dieser Saison in die Bezirksliga aufgestiegen. Zudem wird auch Bezirksligafußball in Recke, Hopsten und Esch angeboten und gespielt. Zusätzlich bieten auch einige Vereine im Fußballkreis Frauenfußball in der Kreisliga an.

Vereine mit Mädchen-Fußball

Zusätzlich wird auch erfolgreicher Mädchen-Fußball von der B- bis E Jugend im Fußballkreis 31 Tecklenburg angeboten. Hervorzuheben sind hier insbesondere JSG Recke/Steinbeck, JSG GW Lengerich/Preußen Lengerich, Westfalia Hopsten, Eintracht Mettingen, JSG Dreierwalde/Hörstel, Teuto Riesenbeck, JSG Bevergern/Rodde, Falke Saerbeck, VfL Ladbergen und sicherlich auch Arminia Ibbenbüren.

Interessierte können sich auf den Seiten des FLVW-Fußballkreis 31 Tecklenburg umfassend informieren: www.fussballkreis-tecklenburg.de.


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