Scheel fühlt sich übergangen Naturschützer: Steinkauz-Ersatzbiotop ungeeignet

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Lotte. Friedhelm Scheel ist sauer: Der ehrenamtliche Naturschützer und Koordinator der Naturschutzjugend der ANTL (Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Tecklenburger Land) wirft den Naturschutzbehörden auf Kreisebene und den Kommunalpolitikern vor Ort vor, ihn als ehrenamtlichen Naturschützer nicht „auf Augenhöhe“ an der Suche nach dem Ersatzbiotop für den durch die Edeka-Erweiterung in Lotte beeinträchtigten Steinkauz Kasimir beteiligt zu haben.

Seits 36 Jahren kümmert sich der Westerkappelner im Tecklenburger und Osnabrücker Land um den Schutz von Steinkäuzen und Schleiereulen, pflegt die Standorte und hilft dabei, Biotope und Streuobstwiesen anzulegen. Der vielfach ausgezeichnete Natur- und Umweltschützer engagierte sich unter anderem als ehrenamtlicher Landschaftswart und Solarberater sowie Gründer der Naturschutzgruppe Westerkappeln und der Naturschutz-AG am Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Mettingen.

Kritik an Gewerbegebiet

Der Kreis Steinfurt, deren Naturschutzstiftung und die Biologische Station des Kreises Steinfurt in Gestalt ihres stellvertretenden fachlichen Leiters, des Ornithologen Robert Tüllinghoff, so erklärt Scheel auf Nachfrage, hätten die Ersatzfläche in Tecklenburg-Ledde für tauglich erklärt, „ohne mich in irgendeiner Weise zu befragen“. Anlass für seine Kritik war ein WT-Artikel vom 13. Juli über neue Insektenhotels in Lotte, wo Bürgermeister Lammers mit dem Satz zitiert wird „Wir haben nur die eine Natur“.

Ein Satz, der Friedhelm Scheel im Grunde aus der Seele spricht, den er aber dem Lotter Rats- und Verwaltungschef offensichtlich nicht abnimmt: „Da will der erste Bürger von Lotte uns vier Insektenhotels als großartige Hilfe gegen das Artensterben verkaufen. Im gleichen Augenblick verschwinden Hektar um Hektar unserer Kulturlandschaft und werden dort Bau-, Gewerbe- und Industriegebiet“, schrieb er der Redaktion in einer E-Mail zu diesem Artikel. Der Bürgermeister kann dazu derzeit nichts sagen, weil er sich im Urlaub befindet und verreist ist.

Steinkauzbrutplatz erloschen

Durch das Gewerbegebiet Pätzkamp sei ein an der Bebauungsgrenze befindlicher Steinkauzbrutplatz erloschen. Die Edeka-Erweiterung in Lotte bedrohe einen weiteren Brutplatz des Steinkauzes: „Mit einem Achselzucken wird das zur Kenntnis genommen. Der Ersatzlebensraum unterhalb des Ortskerns von Tecklenburg ist weitgehend von Wald umgeben und damit absolut wertlos“, schreibt Scheel in der Mail.

Zu viel Wald nahe des Ersatzbiotops?

„Da wird sich der Steinkauz niemals ansiedeln“, sagt der Westerkappelner beim Anblick der von der Naturschutzstiftung des Kreises gepachteten Wiesenfläche neben dem denkmalgeschützten Driehof, zu dem auch eine Obstbaumwiese gehört. Das Areal in leichter Hanglage grenzt an ein Maisfeld mit Hecke dahinter, ein Feldgehölz, einen Wirtschaftsweg und den Driehof-Garten. Einige hundert Meter entfernt gibt es auch einen richtigen Wald – zu viel Wald, meint Scheel. Außerdem fehlten eine alte Feldscheune, Kopfbäume und lockere Baumgruppen.

Mit Experten abgestimmt

Diese Voraussetzungen sollen hier laut Margarete Lersch vom Lotter Bauamt aber bis zum kommenden Frühjahr geschaffen werden. Damit entspreche man den Empfehlungen des Artenschutzgutachtens, das auch den Unterlagen für den Ratsbeschluss beigefügt war. Abgestimmt worden sei das mit Unterer Naturschutzbehörde, Biologischer Station und dem Tecklenburger „Eulenpabst“ Otto Kimmel, berichtet Lersch und betont: „Alle Experten waren ganz froh, dass hier in zumutbarer Nähe so ein hervorragender Ersatzlebensraum zu schaffen ist.“

Bauamt hat mit Scheel gesprochen

Sie erinnert daran, dass die Gemeinde alles in ihrer Macht stehende getan habe, um in direkter Nachbarschaft ein Ersatzhabitat für Steinkauz „Kasimir“ zu bekommen. „Da war Herr Scheel dabei“, so Lersch, „und wir hatten einen ganz guten Konsens.“ In Lotte, so das Ergebnis, „geht es nicht, weil überall schon Steinkäuze sitzen.“ Die Steinkauz-Population in Lotte „ist sehr, sehr gut – auch dank Herrn Scheel“, betont sie.

Bisher keine ANTL-Stellungnahme

Die jetzt vorgebrachte Kritik sei unfair, weil sich selbstverständlich immer auch die ANTL als Träger öffentlicher Belange schon frühzeitig zu jedem Planverfahren äußern könne: „Die wird von uns immer angeschrieben. Und da kommt nichts, erst sechs Monate später.“

Nicht in den Fachausschuss eingeladen

Auf die Bauamtsmitarbeiterin und die Lotter Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz lässt Friedhelm Scheel auch nichts kommen. Er lobt ausdrücklich die „sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit den beiden, bedauert aber, dass er keine Gelegenheit erhielt, der Politik direkt im Fachausschuss des Rates seine Sicht darzulegen. Ihn ärgert, dass er nicht „schon im Vorfeld mitgenommen“ wurde: „Da müssen alle an einen Tisch.“

Grenzen des Wachstums

Ihm geht es dabei nicht nur um den Steinkauz, sondern grundsätzlich darum, die schrittweise Vernichtung traditioneller Kulturlandschaft durch Bebauung und Gewerbeansiedlung zu verhindern. Gemeindeentwicklung und Wachstum hätten ihre Grenzen: „Irgendwo ist Ende“, sagt Scheel und fordert: „Da müssen wir gemeinsam drüber reden.“

Zuviel Emotionen, wie sie in der polemisch formulierten Mail durchschimmern, könnten der Kommunikation allerdings im Wege stehen. So ließ Friedhelm Scheel am Ende der Ortstermin zwar durchblicken, dass er grundsätzlich durchaus bereit sei, an der Gestaltung des neuen Steinkauz-Biotops mitzuwirken. Er möchte aber, dass man deswegen an ihn herantritt.

Angebot steht nach wie vor

Udo Schneiders, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung, die Eigentümer der Fläche ist, berichtet hingegen auf Nachfrage, dass er Friedhelm Scheel, mit dem es seit Jahres eine sehr gute Zusammenarbeit gebe, Anfang des Jahres in einem Telefongespräch angeboten habe, mit seiner Naturschutzjugend aktiv an der Ertüchtigung des künftigen Steinkauz-Lebensraums mitzuwirken. Das habe dieser aber ohne Begründung abgelehnt. Am Ende des Gesprächs sei Scheel aus für ihn nicht nachvollziehbaren Gründen verärgert gewesen. Das Angebot stehe noch; jetzt sei es aber an Scheel, auf die Stiftung zuzukommen.


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