Trockenheit begünstigt Verbreitung Keine Panik wegen des giftigen Jakobskreuzkraut in Lotte

Von Erna Berg

An vielen Straßenrändern, wie hier an der Poststraße, blühen  Jakobskreuzkraut und Rainfarn. Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz hält einen Strauß Jakobskreuzkraut in der Hand. Foto: Erna BergAn vielen Straßenrändern, wie hier an der Poststraße, blühen Jakobskreuzkraut und Rainfarn. Lottes Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz hält einen Strauß Jakobskreuzkraut in der Hand. Foto: Erna Berg

Lotte. Das leuchtend gelb blühende Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) hat sich in den vergangenen Jahren auch in der Gemeinde Lotte an Straßenrändern, Böschungen oder auf Brachflächen verstärkt ausgebreitet und enthält schädigende Giftstoffe.

Eine Bürgerin aus Wersen fand in der vergangenen Woche eine gelb blühende Wiese am Roten Berg so schön, dass sie einzelne Blüten in die Hand nahm, um sie aus der Nähe zu bewundern und daran zu riechen. Anschließend traten bei ihr Übelkeit und Kopfschmerzen auf. Sie sprach mit ihrer Nachbarin darüber und erfuhr, dass sie das giftige Jakobskreuzkraut angefasst hatte. Kamen ihre Beschwerden daher?

„Nein“, sagte Ursula Wilm-Chemnitz, Umweltbeauftragte der Gemeinde, „das Jakobskreuzkraut gehört zu den Pflanzen, die für Nutztiere giftig sind. Allerdings sollten Menschen es nicht oral zu sich nehmen. Die toxischen Alkaloide gelangen über die Nahrung in den Körper der Tiere und wirken leberschädigend und sind krebserregend. Sie werden nicht über die Haut aufgenommen und auch nicht durch Einatmen. Wer aber bei der Entfernung der Pflanze auf Nummer sicher gehen will, sollte – wie bei anderen Gartenarbeiten auch – Handschuhe tragen.“

Das trockene Frühjahr habe die Verbreitung der zweijährigen Pflanze besonders gefördert. Im ersten Jahr erscheinen Blattrosetten, im zweiten Jahr bilden sich die Blütenstände. Auf nicht bewirtschafteten Grünflächen, an Bahndämmen und Straßenrändern hat es sich stark vermehrt. „Die Hauptblütezeit liegt um den 25. Juli (Jakobi)“ informiert die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Die Hauptverbreitung erfolge mit dem Wind.

Ähnlichkeit zwischen Jakobskreuzkraut und Rainfarn

Das Jakobskreuzkraut ist dem gelben Rainfarn ähnlich. Bei näherer Betrachtung sind beide hochwachsenden Pflanzen gut zu unterscheiden, sie wachsen oft sogar nebeneinander. Die Doldentraube des Jakobskreuzkrautes enthält 15 bis 20 Blütenköpfe, die wiederum 15 bis 25 Millimeter Durchmesser haben. Die Stängel sind 20 bis 130 Zentimeter lang. „Die Stängelblätter ähneln der Ruccola-Pflanze“, vergleicht Wilm-Chemnitz. Sie empfiehlt, das Kraut im eigenen Garten auszurupfen, wobei verbleibende Reste im Boden neue Pflanzen wachsen lassen können. Das Jakobskreuzkraut kann in der Biotonne entsorgt werden.

Gefährlich für Nutztiere

Für Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen kann das Kraut die Leber schädigend oder sogar tödlich sein, wenn die Tiere eine bestimmte Dosis zu sich nehmen. Die Pflanzen enthalten Bitterstoffe, die sie deswegen eigentlich meiden, aber wenn die Tiere nur noch wenig Futter finden, werden sie es vor Hunger fressen. Besonderem Risiko seien laut Landwirtschaftskammer NRW junge, unerfahrene Tiere und Tiere ohne Weideerfahrung ausgesetzt. Auch wenn sich Bitterstoffe bei der Trocknung abbauen, bleiben die Giftstoffe weitgehend erhalten und werden mit dem Heu aufgenommen.

Not-Nektarquellen für Bienen

Die Bienenstöcke von Hobby-Imker Dieter Knevelkamp aus Wersen befinden sich nicht in der Nähe von Jakobkreuzkrautflächen. „Die Bienen bewegen sich in einem Flugradius von bis zu drei Kilometern.“ Ein Mindestabstand von fünf Kilometern zwischen Bienenstöcken und Jakobskreuzkrautflächen empfiehlt Verena Kämmerling vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) in den Westfälischen Nachrichten vom 7. August 2017.Der Imkerbund meldet sich außerdem bei Knevelkamp an, um Proben aus seinen Honigsorten zu untersuchen. Dort sind seine Bienenvölker gemeldet.

Der Frau aus Wersen geht es wieder besser. Sie meint, dass ihr Unwohlseins doch wohl andere Ursachen hatte.






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