„Es gibt keine Alternative“ Auch Lottes Grüne stimmen Steinkauz-Ersatzbiotop zu

•Sichtlich wohl fühlen sich diese kleinen Steinkäuze neben ihrer Brutröhre. Ob das für Kasimirs Kinder in Alt-Lotte in Zukunft auch noch gilt oder ob der kleine Eulenvogel abwandert, bleibt abzuwarten. Archivfoto: Erhard Nerger•Sichtlich wohl fühlen sich diese kleinen Steinkäuze neben ihrer Brutröhre. Ob das für Kasimirs Kinder in Alt-Lotte in Zukunft auch noch gilt oder ob der kleine Eulenvogel abwandert, bleibt abzuwarten. Archivfoto: Erhard Nerger

Lotte. Einigkeit herrschte im Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde Lotte über notwendige Planänderungen für die Edeka-Erweiterung in Alt-Lotte sowie zum Bebauungsplan Mersch und die weiteren Schritte für die Erneuerung der Rathaus-Sanitäranlagen.

Die Planänderungen für das Edeka-Vorhaben mussten wegen Steinkauz Kasimir neu ausgelegt werden. Bedenken von Bürgern gab es laut Planer Norbert Reimann keine. Das Landesbüro der Naturschutzverbände lehne die zusammen mit Friedhelm Scheel, Nabu und ANTL erarbeitete Lösung, für den in unmittelbarer Nachbarschaft lebenden Steinkauz einen Ersatzlebensraum im Tecklenburger Ortseil Ledde zu schaffen, aber ab, weil es bei der Umsetzung zu einem Habitatverlust komme.

Die Beschlussempfehlung, diesem Einwand nicht zu folgen, trugen auch die Grünen schweren Herzens mit. „Schade, dass die zuerst angedachte Lösung nicht möglich war“, bedauerte ihr Fraktionschef Dieter Hörnschemeyer und stellte klar: „Der Steinkauz, der jetzt in Lotte wohnt, wird nicht nach Ledde umziehen. In Ledde wird eine neue Population entstehen. Wir haben uns schwergetan, dem zuzustimmen. Aber es gibt keine Alternative.“

Für Kauz Kasimir das Möglichste getan

Die Gemeinde hatte vergeblich alles versucht, in unmittelbarer Nachbarschaft Wiesengrundstücke für den seit Jahren in Alt-Lotte heimischen Steinkauz beziehungsweise seine Nachkommen zu erwerben, da durch die Markterweiterung ein Teil seiner jetzigen Jagdgründe verloren geht. „Wir haben für Kasimir getan, was wir können“, betonte Margarete Lersch vom Bauamt und verwies darauf, dass die Bauarbeiten auch mit Rücksicht auf den kleinen Eulenvogel erst im Oktober beginnen werden. Trotz des teilweisen Habitatverlustes sei die Lage aber nicht hoffnungslos. „Es kann sein, wenn das Weibchen im Frühjahr wieder brüten will, dass sich der Steinkauz nicht bei Herrn L. aus L., sondern bei Herrn H. aus L. niederlässt“, sagte sie.

Wohnungsbau an der Krümpelstraße

Bei der Änderung des Bebauungsplans Mersch geht es darum, dass im Bereich Saerbecker Damm/Krümpelstraße auf einer Fläche, die jetzt als Grünland genutzt wird, Wohnungsbau ermöglicht werden soll. Dazu muss das Gewerbegebiet in allgemeines Wohngebiet umgeändert werden. Wie Margerete Lersch erläuterte, gibt es dort zwei Grundstückseigentümer, von denen der im Südwesten nicht verkaufen möchte. Die Gemeinde erwirbt den Grundstücksteil im Norden an der Krümpelstraße, wo ein Gebäuderiegel für sozialen Wohnungsbau gedacht sei. Den übrigen Grundstücksteil möchte der Eigentümer selber bebauen mit Einfamilienhäusern.

Mitarbeiter-WCs sind zuerst dran

„Sehr überzeugend“ fand SPD-Fraktionschef Thomas Giebel dieses Vorhaben: „In diese Richtung sollten wir weitergehen.“ Auch Dieter Hörnschemeyer, Lothar Albers (FDP) und Werner Schwentker (CDU) äußerten sich positiv. Als „gut und solide“ von allen Fraktionen begrüßt wurde auch die nach den Wünschen aus der Aprilsitzung überarbeitete Entwurfsplanung für die Rathaus-WCs. Jetzt soll auf dieser Grundlage die Ausführungsplanung erfolgen. Auf Wunsch der Verwaltungsmitarbeiter sollen noch 2018 zuerst die Sanitäranlagen für die Mitarbeiter und im zweiten Bauabschnitt dann die öffentlich zugänglichen Toiletten im Erdgeschoss erneuert werden.

Wersens Bermuda-Dreieck

Zur Kenntnis genommen hat der Ausschuss den CDU-Antrag zur städtebaulichen Entwicklung im Bereich des ehemaligen Bahnhofs Wersen, wo Bergstraße und Mühlengrund im spitzen Winkel in die Atterstraße münden und die Lärmemissionen der Autobahn für Probleme sorgen. Die beiden Entwurfsvarianten, so erläuterte Schwentker, seien als nicht konkurrierende Bausteine zu sehen. Für eine eventuelle Entwicklung des Bereichs nördlich der Bergstraße und östlich Mühlengrund sollten die Ergebnisse des Wohnbauflächenkonzeptes berücksichtigt werden. „Egal, was wir da machen: Ohne Ertüchtigung des Knotens geht da nichts“, war er sich mit Margarete Lersch über das „Bermuda-Dreieck“ einig. Die FDP stimmte ohne nähere Begründung gegen den CDU-Antrag.


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