Ein Stück Wersener Geschichte Ausschuss einig: Alter Friedhof soll Park werden

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lotte. Hohe Bäume, große, zum Teil sehr gut gepflegte, zum Teil aber auch völlig zugewachsene Grabstellen und das denkmalgeschützte Grab des evangelischen Theologen und späteren Nazi-Widerstandskämpfers Martin Niemöller: Als naturnahes Idyll mit direktem Zugang zur Düteaue präsentierte sich der alte Friedhof in Wersen bei der Ortsbegehung im Vorfeld der jüngsten Haupt- und Finanzausschusssitzung.

Dessen zukünftige Nutzung war Hauptthema der Beratungen, denn die Gemeinde Lotte hat den mindestens 150 Jahre alten Friedhof an der Westerkappelner Straße nach dem entsprechenden Ratsbeschluss vom November 2017 inzwischen von der evangelischen Kirchengemeinde übernommen. Die betreibt aber weiterhin den neuen Wersener Friedhof am Gänsehügel.

Alle Fraktionen waren sich grundsätzlich einig, dass weder eine komplette Entwidmung, noch eine Wiederbelegung der abgelaufenen Grabstellen wünschenswert ist, die Fortführung der bestehenden, maximal noch rund 30 Jahre geltenden Nutzungsrechte aber gewährleistet sein müsse, damit zum Beispiel ein verwitweter Ehepartner gemeinsam mit seinem bereits verstorbenen Partner bestattet werden kann.

Perspektivische Fußwegverbindung

Konsens war von vornherein auch, dass die übrige Fläche als attraktive Parkanlage direkt im Ortskern weiterentwickelt und perspektivisch an die im Masterplan 2020 vorgesehene, noch zu schaffende Fußwegverbindung zwischen Ortskern und Bringenburg entlang der Düteaue angebunden werden soll. Auch die Idee des Dorfsees sahen die Kommunalpolitiker beim Ortstermin durchaus positiv. Aktuell verfügt die Gemeinde jedoch nicht über die entsprechenden Grundstücke.

Grabsteine bekannter Familien

CDU-Ratsherr Steffen Wascher und Margarete Lersch vom Bauamt hatten beim Rundgang über den Friedhof auch auf die vielen alten Grabsteine mit in und um Wersen bekannten Namen aufmerksam gemacht und auf die Bedeutung für die Geschichte des Ortes verwiesen. Ob und wie Grabsteine von abgelaufenen Grabstellen, auf die niemand mehr Anspruch erhebt, bei der späteren Umgestaltung zum Park erhalten werden, soll zu einem späteren Zeitpunkt noch diskutiert werden, ebenso die Anregung von Stefan Franke (Grüne), für die Gestaltung der Parkanlage einen Fachplaner oder vielleicht in Kooperation mit der Hochschule in Osnabrück-Haste Studenten heranzuziehen.

Besonderer Ort für Wersen

Den alten Friedhof nach und nach und mit Auslaufen der Nutzungsrechte komplett in eine Parkanlage umzuwandeln, hielten alle Fraktionssprecher für eine „gute Perspektive“, wie es CDU-Chef Werner Schwentker formulierte. Dieter Hörnschemeyer (Grüne) schwärmte, dass dieser „ganz besondere Ort für Wersen“ ein „richtiges Juwel“ werden könne, wenn dann auch noch die Verbindung zur Düteaue aktiviert werde.

Gegen Kolumbarium

Die Beschlussvorlage für die Sitzung sah aber auch die Einführung neuer Bestattungsformen für Urnen auf dem alten Friedhof vor. „Die Idee war, ein Kolumbarium,also eine Wand mit Nischen für Urnen, zu ermöglichen“, erklärte Bürgermeister Rainer Lammers. Da waren sich ebenfalls alle Ausschussmitglieder schnell mit Stefan Franke und Steffen Wascher einig: Neue Bestattungsformen sollten dem neuen Friedhof vorbehalten sein. „Ein Kolumbarium ist hier, wo eine Parkanlage entstehen soll, nicht passend.“ So sahen das auch Thomas Giebel und Hermann Brandebusemeyer von der SPD sowie Friedhelm Pösse für die FDP, weshalb dieser Passus aus der ansonsten einstimmig verabschiedeten Beschlussvorlage gestrichen wurde.

Beitritt zu NRW-GmbH für Baulandentwicklung

Aus der „Ideenschmiede“ von Margarete Lersch stammt laut Bürgermeister Lammers die Empfehlung, mit einem einmaligen Beitrag von 1000 Euro der NRW. URBAN Kommunale Entwicklung GmbH beizutreten, der die Ausschussmitglieder ebenfalls einmütig folgten. Wie aus der Darstellung des Sachverhalts in den Sitzungsunterlagen hervorgeht, setzt diese Gesellschaft das vom Land NRW ins Leben gerufene Programm „Kooperative Baulandentwicklung“ um. Ziel ist es, Kommunen bei der Mobilisierung und Entwicklung von Wohnbaugrundstücken zu unterstützen, um auch öffentlich geförderten Wohnungsbau (in der Regel 30 Prozent) und eine gute Erschließung von Bauflächen über den ÖPNV zu ermöglichen.

Der Ausschuss votierte außerdem dafür, das Förderprogramm „Wifi4EU“ zunächst nicht in Anspruch zu nehmen und stattdessen die beiden Begegnungsstätten und die beiden Jugendtreffs in Eigenregie mit WLAN-Routern auszustatten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN