Nester in Lotte beseitigt Kampf gegen Eichenprozessionsspinner: Unterwegs mit einem Fachmann

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Lotte. „Die Liste wird jeden Tag länger“, stöhnt Mathias Therling von der Osterberger Firma Blattwerk. Der Fachmann ist seit mehr als einer Woche in Lotte und Westerkappeln unterwegs, um die Nester mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners sachgerecht zu entfernen. Am Montag war eine befallene Eiche am Amselweg in Büren dran.

Dabei kommt die Gemeinde Lotte noch glimpflich davon, sagt die Umweltbeauftragte Ursula Wilm-Chemnitz: „Der Befall ist eher mäßig.“ Inzwischen sind 18 Standorte, zum Teil auch auf Privatgrundstücken, in allen Ortsteilen bekannt, wo die Raupennester gefunden wurden. Auf dem Gelände des evangelischen Kindergartens Wersen sei am Dienstag vergangener Wochen ein Nest entdeckt worden, das aber bereits am Mittwoch durch einen Fachmann entfernt worden sei.

„An einer Eiche im Bürgerpark Büren sowie am Radweg an der Bahnhofstraße in Lotte wurden ebenfalls die Raupen des Eichenprozessionsspinners gesichtet, der Servicebetrieb hat an beiden Stellen Hinweisschilder aufgestellt“, heißt es auf der Homepage der Gemeinde.

Kitas und Schulen haben Priorität

Für die Entfernung, erklärt Wilm-Chemnitz auf Nachfrage, gebe es eine Prioritätenliste: „Schulen und Kindergärten haben Vorrang, in den darauffolgenden Tagen werden voraussichtlich auch die weiteren Nester entfernt, wenn sie innerorts an öffentlichen Wegen und Plätzen liegen.“ Das hat auch Vorrang vor Aufträgen von Privatleuten, die den Beseitigungseinsatz überdies selbst bezahlen müssen, wenn eine Eiche in ihrem Garten befallen ist. Der Preis richtet sich nach Anzahl und Erreichbarkeit der Nester und liege zwischen 50 und 1200 Euro, sagt Mathias Therling.

Im Außenbereich der Gemeinde wurden an drei Standorten Raupennester beobachtet, alle am Rand von Gehölz- oder Waldflächen. Die entsprechenden Strecken sind beschildert. Die Umweltbeauftragte betont jedoch, dass kein Grund zur Panik bestehe, sofern man den direkten Kontakt mit den Raupen und ihren Nestern vermeidet, und verweist auf ein entsprechendes Merkblatt des Kreises Steinfurt.

Hautreizungen bei Kontakt

Das Nesselgift der Raupen stellt ein gesundheitliches Risiko insbesondere für Allergiker dar „Bei Kontakt mit der Haut können sich juckende, brennende oder entzündete Pickelchen bilden. An den Augen kann die Bindehaut gereizt werden. Werden die Härchen eingeatmet, kann Hustenreiz oder Atemnot entstehen. Die Probleme hängen vom Ausmaß des Kontaktes zu den feinen Härchen ab. Sie können über 100 Meter weit fliegen. In den Raupennestern bleiben nach dem Schlüpfen Brennhaare zurück, die bis zu einem Jahr lang Probleme bereiten können.“

Wie man sich schützen kann

Das Merkblatt listet auch auf, wie man sich schützen kann: Abgesperrte Bereiche meiden, sich nur vollständig bekleidet in befallenen Gebieten aufhalten, keine Raupen und Gespinste berühren, sich in der Nähe von befallenen Bäumen nicht ins Gras oder auf den Boden setzen, nach möglichem Kontakt Kleidung wechseln und duschen und die Kleidung sofort waschen, in befallenen Gebiete auf Holzernte- oder Pflegemaßnahmen an Bäumen verzichten und die Bekämpfung nur von Fachleuten mit Vollschutzanzug, Handschuhen und Atemschutz durchführen lassen.

Natürliches Phänomen

Aber auch der Kreis warnt vor Überreaktionen: „Es handelt sich um ein natürliches Phänomen, dem mit Augenmaß begegnet werden sollte.“ Ein Phänomen allerdings, dass in früheren Jahren nur in Süddeutschland auftrat: „Der Eichenprozessionsspinner wandert langsam, aber sicher nach Norden“, stellt Lottes Umweltschutzbeauftragte fest. Sie macht als eine Ursache für das gehäufte Vorkommen in diesem Jahr die ungewöhnlich frühe sommerliche Wärme und Trockenheit verantwortlich.

Und wie bekämpft der Fachmann die lästigen und potenziell gefährlichen Raupen? Mathias Therling beziehungsweise sein Mitarbeiter Mathias Braun verhindert zunächst mit einem Eiweißkleister, der wie ein Haarspray aufs Nest gesprüht wird, dass die Brennhaare fliegen können. Anschließend wird das Nest abgeschabt, luftdicht verpackt und zur Entsorgung zu Remondis gebracht. „Das muss wie Sondermüll aus dem Krankenhaus behandelt und verbrannt werden“, erklärt der Fachmann.

Je nachdem, wie hoch am Baum das Nest ist, müssen die Fachleute für die Beseitigung der Raupen einen Hubsteiger einsetzen. So auch am Eingang zum Bürgerpark, wo sich das unscheinbar kleine Nest in gut fünf Metern Höhe über dem Boden an einem dicken Hauptast befindet. Und: „Ein Ganzkörperschutzanzug ist zwingen erforderlich!“

In Lotte, so betonen auch die Fachleute, beschränkt sich der Befall auf einzelne Nester an einzelnen Bäumen. Weitaus schlimmer betroffen seien die Kommunen von Tecklenburg über Recke bis Sögel im Emsland. Warum – das weiß keiner.


Eichenprozessionsspinner

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bewegen sich auf Bäumen in einer langen Kette hintereinander wie bei einer Prozession. Sie durchlaufen laut Wikipedia fünf bis sechs Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung und werden bis zu fünf Zentimeter lang. Sie haben eine dunkle, breite Rückenlinie mit samtartig behaarten Feldern und rotbraunen, langbehaarten Warzen. Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift enthalten. Die älteren Raupen ziehen sich tagsüber in gespinstartige Raupennester am Stamm oder in Astgabelungen von Eichen zurück. Kreis Steinfurt/Wikipedia

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