Hof Steinmann wirkt bundesweit Seit 1992 mit Neuland artgerecht in Lotte

Von Renate Lammers

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Lotte. Margarete und Martin Steinmann produzieren und vermarkten auf ihrem Hof Hühnereier. Deren Lieferanten ereilt zwar das gleiche Schicksal wie die Mastschweine, die dort ebenfalls gehalten werden; bis dahin aber leben alle Tiere bei Steinmanns tier- und artgerecht mit reichlich Auslauf auf großer Grünfläche.

Johann Wolf hatte am 4. März 1607 seinen Hof an der heutigen Osnabrücker Straße errichtet. Viele Generationen, die sich mal Wolf oder auch Wulf schrieben, haben dort gelebt und gearbeitet. Wohnstätte, Viehställe und Nebengebäude haben in dieser Zeit mehrfach ihr Aussehen verändert, wurden abgetragen und wieder aufgebaut.

Seit 1844 steht der Hof, der von da an nur noch innen den jeweiligen Anforderungen angepasst wurde, an seinem heutigen Standort. „Im ganzen Haus finden sich noch einige Spruchbalken von den alten Gebäuden“, sagt Wilhelm Steinmann über die Baufreude seiner Vorgänger. Der gebürtige Halener war es, der mit seiner Heirat den neuen Namen mit auf den Hof nach Alt-Lotte brachte.

Die Familie Wolf war zuvor stets bemüht gewesen, den Besitz unter ihrem Namen zu halten. Doch manchmal blieben die Bauersleute ohne eigene Sprösslinge. Früher war es dann gang und gäbe, einen Neffen oder eine Nichte zu adoptieren. So war es auch bei Wolfs. Sie adoptierten Margarete Steinmanns Mutter Hildegard Averwerser aus Wersen, deren Mutter selbst schon als Kind von der Familie Averwerser adoptiert worden war, um den Namen auf der Hofstelle fortzuführen.

Seit 1953 heißt die alte Hofstelle nun Steinmann; doch die Arbeit ging weiterhin ihren gewohnten Gang. Milchvieh und Schweine sowie etwa 100 Hühner gehörten lange zur Landwirtschaft. Das änderte sich vor 25 Jahren, als Margarete und Martin Steinmann nach Alt-Lotte zurückkehrten. Die beiden Theologen wollten Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung einführen. Martin Steinmann machte noch seinen Landwirtschaftsmeister nach, und das junge Ehepaar musste die Eltern erst von den Vorzügen der neuen Art von Tierhaltung überzeugen.

„Wir sind kein Biohof“, betont Martin Steinmann, der den Namen seiner Frau angenommen hat, weil die Gesetzesänderung zur gleichberechtigten Namensführung just zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung eingeführt war, beschrieb seine Frau ganz schlicht den Grund.

1992 haben Margarete und Martin Steinmann dann mit dem Verein „Neuland“ auf artgerechte Haltung umgestellt. 1500 Legehennen, in zwei Gruppen aufgeteilt, legen zwischen 15 und 18 Monate lang ihre Eier in Nester, bis auch ihr Fleisch dem Endverbraucher zugeführt wird. Doch zuvor dürfen sie in einer großzügigen Anlage mit Wiese und „Wintergarten“ laufen und scharren. Hähne sorgen zudem für ein ausgeglichenes Sozialverhalten innerhalb der Gruppe. Ebenso dürfen sich die Mastschweine täglich ausgiebig suhlen.

Das Ehepaar Steinmann sieht das bäuerliche Leben als Lebensabschnitt an. Die drei Kinder haben inzwischen andere Berufe ergriffen, doch würden sich Steinmanns freuen, wenn eines der Kinder auf dem Hof später wohnen würde. Sie selbst hängen nicht an der Hofstelle und wollen im Alter dort auch nicht alleine leben, sagen beide übereinstimmend. An diesem Sonntag feiern Steinmanns „25 Jahre Neuland“ auf ihrem Hof und laden dazu ganz groß ein.

Der Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung steht für gesundes und schmackhaftes Fleisch, das mit gutem Gewissen gegessen werden kann. Wissenswertes über „Neuland“, die Kriterien für die angeschlossenen Landwirte sowie die Hofanlage können am Sonntag ab 12 Uhr erkundet werden. Auch NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel hat seinen Besuch angemeldet. Podiumsdiskussionen und Foren zur Zukunft der Tierhaltung schließen sich an. Dazu gibt es bis zum Abend ein familienfreundliches Rahmenprogramm mit Live-Musik sowie reichlich gesunde Leckereien auf der 400 Jahre alten Hofanlage in Alt-Lotte.


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