Kröten oder schmaler Weg? Straßenkunde: Warum heißt das Gewerbegebiet „Pätzkamp“

Von Astrid Springer


Lotte. Ziemlich frisch ist die Erschließung des neuen Gewerbegebietes unterhalb der brandneuen Bahnüberführung am Lotter Bahnhof. Pätzkamp heißt das 75000 Quadratmeter große Gewerbegebiet, das im vergangenen Jahr angelegt und nach gleichnamiger Flur benannt wurde.

Mit Meister Petz hat der Pätzkamp weniger zu tun, wenn auch die Möglichkeit besteht, dass hier einst Bären lebten. Auch die Koseform Petz zum männlichen Vornamen Bernhard ist eher im Süddeutschen verbreitet und dürfte hier nicht relevant sein.

Allgemein ist das z im Pätzkamp im Niederdeutschen nicht gebräuchlich. Daher darf es in hiesigen Breiten als überprägte Schreibung eines ehemals scharfen s zu einem z interpretiert werden, sprachwissenschaftlich ein deutlicher Hinweis auf eine Genitivform.

Es handelt sich demnach um den Kamp des oder der Pät, Pet oder Pätt. Eine Anbindung an den Vornamen Peter ist ebenfalls auszuschließen, da eine Verkürzung im Norden mit z ebenfalls unüblich ist. Vielmehr bleibt Peter als solcher erhalten, darüber hinaus wurden Flurnamen für Kämpe oder Äcker in der Regel nicht mit einem Vornamen gebildet.

Alte Schatzregister weisen zudem für Lotte auch keine Varianten von Pätz, Pets oder Peter als Familiennamen aus, womit auch die Bildung mit einem Hof- oder Familiennamen ausscheidet. Das Bestimmungswort des Pätzkamps muss demnach eine andere Wurzel haben.

Assoziativ denkbar, sprachlich allerdings holprig, wäre der Anschluss an das niederdeutsche patt. Dann müsste es allerdings pattskamp heißen. Das ä hingegen wird erst mit der Verkleinerungsform relevant, und hieße korrekterweise pättkenskamp.

Sprachlich naheliegender ist hier der Anschluss an die mittelniederdeutsche Kröte: pedde. Sie war in Verbindung mit Bächen, Teichen oder Wiesen häufig Benennungsmotiv, so beispielsweise in Peddensiepen oder Peddenöde.

In Lotte wäre mit der starken Genitivform aus Pedde somit ein Petskamp geworden, ähnlich dem englischen pets (Haustiere), der dann später zum Pätzkamp umgeschrieben worden wäre.

Naturräumlich macht diese Herleitung Sinn, denn die wandernden Kröten könnten im nahen Kronenpohl oder ehemals seichten Auen des Hischebachs ein Laichgewässer gefunden haben und zu Zeiten der Wanderung im Pätzkamp vermehrt angetroffen worden sein. Interessant in diesem Zusammenhang: Auch Anwohner trugen den Beinamen Pät, so gab es einst den Pät-Schröer wie auch den Pätt-Hiärm. Inwiefern das von Kröten oder einem Weg abgeleitet sein könnte, muss an dieser Stelle offenbleiben.


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