Daniel Cord im Männerkreis Lotter Talkrunde: Demografische Wandel als Chance

Von Jannik Zeiser


Lotte. Wie ist umzugehen mit dem demografischen Wandel? Im „Talk am Dienstag“ des evangelischen Männerkreises Alt-Lotte lenkte der Referent Daniel Cord den Blick darauf, wie Ehrenamtsorganisationen den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft begegnen können. Seine These: Es braucht ein neues, positiveres Bild des Alters; viele gestalterische Chancen blieben derzeit ungenutzt.

Noch nie in der Geschichte wurden die Menschen so alt wie heute – Tendenz zunehmend. Dabei steige nicht nur die Lebenserwartung, auch Gesundheit und Lebensqualität verbesserten sich stetig, hob bereits Pastor Detlef Salomo in seiner Begrüßung hervor. Daran konnte der Referent Daniel Cord nahtlos anschließen: Für ihn als Politikwissenschaftler sei der demografische Wandel an sich zunächst weder gut noch schlecht, sondern ein gestaltbares gesellschaftliches Phänomen.

Gebürtiger Lotter

Angereist war Daniel Cord zwar aus Hannover, als gebürtiger Lotter hatte der Politikwissenschaftler jedoch ein Heimspiel. Als Referent für politische Bildung bei der SPD und als ehemaliger Öffentlichkeitsreferent beim evangelischen Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken hat Cord zudem Erfahrungen aus erster Hand von der Arbeit mit Ehrenamtsorganisationen.

In solchen Organisationen – also in Vereinen, Kirchen und Parteien – könnte ein wichtiges Potenzial des demografischen Wandels genutzt werden, zeigte sich Daniel Cord sicher. Denn Zahlen belegten: Das ehrenamtliche Engagement von Senioren ist in der Regel von längerer Dauer und kontinuierlicher als bei jungen Menschen. Ältere Menschen könnten ihrem Ehrenamt mehr Zeit widmen, während jüngere bevorzugt „projektorientiert“ arbeiteten – also zeitlich begrenzt.

Lebendiges Ehrenamt

Nebenbei räumte Cord mit dem Mythos auf, das Ehrenamt in unserer Gesellschaft sei auf dem Rückzug; das Gegenteil sei der Fall: Von allen Deutschen ab 14 Jahren engagierten sich 43,6 Prozent freiwillig. Auch hier habe sich über die vergangenen Jahre ein Zuwachs abgezeichnet. Bei den Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren hat sogar um die Hälfte ein Ehrenamt, vor allem in Sportvereinen und in kirchlichen Organisationen. Im Altersbereich der 60- bis 64-Jährigen sind knapp 46 Prozent aktiv.

Negative Altersbilder

Das Ehrenamt lebt also, und es zeichnet sich nicht ab, dass sich dies bald ändern wird. Ehrenamtsorganisationen sehen allerdings das Engagement von Senioren derzeit mit Skepsis und Sorge, wusste Cord aus eigener Erfahrung zu berichten. Er vermutet dahinter unter anderem die Angst der Institutionen, dass alte Menschen in Ehrenämtern eine abschreckende Wirkung auf das Engagement des Nachwuchses haben.

Dies zeige sich in Debatten um Altersgrenzen: Vor zwei Jahren habe die Evangelische Kirche von Westfalen beschlossen, dass die Mitgliedschaft im Presbyterium bei Erreichen des 75. Lebensjahres mit der nächsten turnusmäßigen Presbyterwahl zu enden habe. Vorher war die Regel noch strenger: Damals schieden Presbyter bei Erreichen des 76. Lebensjahres mit sofortiger Wirkung aus.

Überholte Altersbegrenzung

Cord sieht diese Regelungen als überholt an. Schließlich seien besonders Menschen dieser Altersgruppe ihren Kirchengemeinden besonders verbunden. Senioren- und Altenkreise zählten nicht ohne Grund zu den größten Gruppen innerhalb der Gemeinden.

Ein ähnliches Bild sieht Daniel Cord innerhalb seiner Partei, der SPD. Zwar gebe es dort keine offiziellen Altersgrenzen, jedoch wolle die SPD um jeden Preis „jünger und weiblicher“ werden. Dieser „Reflex“ zeige sich immer dann, wenn Posten neu zu besetzen seien. Hier gebe es einen Bedarf an Diskussions- und Beteiligungsforen, die möglichst viele Altersgruppen ansprechen. Fakt sei, dass die SPD nie älter war; die Arbeitsgemeinschaft der über 60-Jährigen der Partei (AG 60plus) bilde die größte AG innerhalb der SPD, machte Cord deutlich.

Erfahrungen wertschätzen

Insgesamt gehe es darum, Potenziale, Talente und Erfahrungen älterer Menschen wahrzunehmen und ihren Beitrag angemessen zu würdigen. Dabei würden durchaus Schritte in die richtige Richtung gemacht. So unterhält die Kreisverwaltung Steinfurt ein „Forum Demografie“, das alle zwei Jahre einen Demografie-Kongress veranstaltet und die Folgen der älter werdenden Gesellschaft diskutiert.

Zudem, so hofft Cord, sollten sich die Ehrenamtsorganisationen untereinander austauschen, um Herausforderungen gemeinsam zu lösen. „Derzeit herrscht oft ein Konkurrenzdenken vor. Man will die engagierten Menschen nicht an andere Organisationen abgeben.“