Entlassjahrgang 1968 traf sich Als in der Bürener Volksschule Schlüssel flogen

Von Ursula Holtgrewe

„Schön hell und bunt“. Die ehemaligen Bürener Volksschüler sind angetan von „Schule heute“. Foto: Ursula Holtgrewe„Schön hell und bunt“. Die ehemaligen Bürener Volksschüler sind angetan von „Schule heute“. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Da waren sie wieder: 50 Jahre alte Erinnerungen an die Schulzeit in der Volksschule Büren drängten danach, in Worte gefasst zu werden. Es gab eine Menge zu erzählen, als sich der Entlassjahrgang 1968 traf.

Gespannt wartete ein Teil der jung Gebliebenen vor der Schule. Die weiteste Anreise hatte Magdalena Hackmann, geborene Golibrzuch, aus Köln. Damals beendeten je 30 Jungen und Mädel die Volksschule. Es war die erste Besichtigung, die sie trotz verschiedentlicher Treffen unternahmen. „25, 30, 40, 42,45, 47-einhalb, 50“, zählte Ellen Beiderwellen aus Halen die Jahre nach der Schulentlassung für die Klassentreffen auf.

Getrennt nach evangelisch und katholisch

Sie stand mit Renate Woda, Reinhard Fischer, Wolfgang Amelingmeyer und anderen an der umgebauten Schule interessierten vorm Eingang zum Foyer. Etliche weitere trafen sie später in der Gaststätte Busch in Atter zum Essen und Schwelgen in Erinnerungen.

„Damals als Grundschüler mussten wir uns auf dem Schulhof zu zweit anstellen, getrennt nach evangelisch und katholisch. Die Katholiken hatten ihren Trakt links in der Schule, die Evangelischen rechts. Als wir angefangen haben, hatten wir noch Schiefertafel, Griffel und Läppchen im Lederranzen“, berichtete Renate Woda. „Den Lederranzen habe ich noch“, fiel da Wolfgang Amelingmeyer ein.

Weil die evangelische Schülerschaft größer war, hatte jeder Jahrgang eine eigene Klasse. Die Katholiken wurden teils jahrgangsweise zusammen in einer Klasse unterrichtet. Einige Jahre später war die Schule Gemeinschaftsschule, in der die Klassen nur noch beim Religionsunterricht getrennt wurden.

Tanzunterricht mit den Beach Boys

Die Entlassschüler 1968 erinnerten sich gut an Schulleiter Helmut Simon und dessen Frau Lieselotte, die die Jugendlichen aus Klasse 9 in den „Ernst des Lebens“ entließen. Der Tanzunterricht hinterließ auch nach fünf Jahrzehnten frische Eindrücke. Nicht nur Walzer und Co lernten die Jugendlichen. Nach „Barbara Ann“ (Beach Boys, 1966) und „Judy in the Sky“ (Beatles) standen sie zu Reihentänzen auf dem Parkett.

„Wer Gedichte gut aufsagen konnte, war reif für die Laienspielgruppe. Ich war daher weniger in der Tanzgruppe“, blicke Reinhard Fischer zurück. Er hatte eine Menge Detailwissen parat, denn er trägt Fakten zu einer Bürener Chronik zusammen, zu der auch die damalige Volksschule und heutige Regenbogengrundschule gehört.

Gottesdienste in der Schule

„Die Schule wurde im August 1954 eröffnet. Bis zum Advent 1955 wurden hier Gottesdienste abgehalten, bis in Büren die Friedenskirche fertiggestellt war. Vorher sind die Bürener nach Wersen in die Gottesdienste gegangen“, öffnete Fischer einen Teil seiner Chronik.

Im Anbau, wo heute die Offene Ganztagsbetreuung untergebracht ist, waren früher Physikraum und Küche. Die Mädel kochten unter Anleitung von Frau von Pohlenz. Einmal luden sie die jungen Burschen zum Bratkartoffelessen ein. „Wir haben so reingehauen, dass die Mädchen mit dem Braten nicht nachkamen“, erinnerte sich Fischer verschmitzt.

Hausmeisterraum für Valentin Gotthard

Aula und Werkraum, wo bis zur Fertigstellung der Sporthalle in den 1960ern auch geturnt wurde, sind längst dem Lehrerzimmer gewichen. Geblieben sind Schulgarten – damals war dort ein Teich angelegt – und der Hausmeisterraum im Erdgeschoss. „Hier hat immer Valentin Gotthard gesessen. Er hat uns in den großen Pausen Milch und Kakao herausgereicht“, berichtete Renate Woda.

Die Lehrer Jäger, Inderwisch, Diekmann, Flier und Engel fielen wieder ein. Auch, dass Schlüsselbunde durch die Klasse flogen, wenn ein Lehrer unwirsch über Schüler gewesen sei. Zudem habe es von einem Lehrbeauftragten noch Schläge gegeben – mit einem Geigenbogen.

Mit den aufmüpfigen „68ern“ hatten die Bürener Schüler nichts gemein. „Wir waren ganz brav“, betonte Fischer. Zu den positiven Erlebnissen gehörte Junglehrer Klaus Meyer. „Der hatte einen ganz anderen Umgang mit uns. Den haben wir uns sogar getraut in den April zu schicken“, hieß es.

Nach der Besichtigung der Grundschule und viel Anerkennung über das freundliche Ambiente, in dem der Bürener Nachwuchs heute lernen darf, öffneten sich bei Busch in Atter weitere Erinnerungsnähkästchen…


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