IKEK-Forum im Golfclub Lotter Bürger warten auf Startschuss für Projekte

Von Andreas Wenk

Raum für Diskussionen: Planinvent-Geschäftsführer Frank Bröckling (rechts) im Bürgergespräch. Foto: Andreas WenkRaum für Diskussionen: Planinvent-Geschäftsführer Frank Bröckling (rechts) im Bürgergespräch. Foto: Andreas Wenk

awen Lotte. Wie kann es gelingen, Jugendliche stärker an der Ortsentwicklung in Lotte zu beteiligen? Das war eine viel diskutierte Frage beim IKEK-Strategieforum am Montag im Golfclub Dütetal. Einige Teilnehmer befürchten zudem, dass der Prozess an Schwung verliert.

„Nö“, antwortet Detlef Schulze-Wenning auf die Frage, ob ihn die Antwort auf seine Frage beim Strategieforum des Integrierten kommunalen Entwicklungskonzepts (IKEK) weitergebracht habe. Er hatte bei der Bürgerversammlung im Golfclub wissen wollen, ab wann aktives Bürgerengagement wieder gefragt sei. Doch Geschäftsführer Frank Bröckling vom Münsteraner Büro Planinvent hatte nur um Verständnis gebeten, dass man noch in der Entwicklungsphase sei.

Schulze-Wenning ist in einer Bürgerinitiative für den Hochwasserschutz aktiv und möchte den möglichst umgehend vorantreiben. Immerhin hat sich das Forum darauf verständigt, dass der Hochwasserschutz als Bestandteil sicheren und attraktiven Wohnens in das Konzept passe und mehrere Ortsteile davon betroffen sind.

Auch wenn Wirtschaftsförderin Joana Watermeyer, die im Rathaus auch für das IKEK und das Ortsmarketing zuständig ist, sich insgesamt sehr zufrieden über den Abend zeigte, mit rund 50 Teilnehmern hatte sich das Interesse bereits merklich abgekühlt. Möglicherweise lag das am Thema, denn Bröckling stellte die Ergebnisse aus den einzelnen Dorf-Werkstätten vor, katalogisierte die Themen und bildete daraus Cluster und Themen. Außerdem, so Bröckling, habe er das Thema Digitalisierung in Eigeninitiative mit aufgenommen, da dies eigentlich für alle Kommunen zukünftig immer wichtiger werde.

Projektkategorien

Herausgekommen waren drei Themenkomplexe: Lotte Lebens- und liebenswert, Lotte aktiv und mobil sowie Lotte attraktiv und innovativ. Unter diesen Titeln sollen sich alle künftigen Projekte wiederfinden können. Oliver Bruns war das offenbar zu abstrakt. Ihm fehlte vor allem der direkte Bezug zu Bürgern oder Arbeitsgruppen. Denn die Überschriften waren recht weit gefasst, um nichts auszuschließen. Die für Lotte spezifische Zielsetzung war daraus aber noch nicht erkennbar. Kein Wunder, dass die Diskussion um einen geeigneten Claim oder Slogan als Marschrichtung schnell ad acta gelegt wurde.

Jugendliche zu wenig berücksichtigt

Breiten Raum nahm hingegen die Diskussion um die bislang kaum berücksichtigten Interessen der Jugendlichen ein. Da sich Senioren und seniorengerechtes Wohnen im Zielkatalog wiederfanden, Jugendliche jedoch nicht, war man sich schnell einig, dass dies geändert werden müsse. Margarete Lersch vom Bauamt warf die Frage auf: „Ich weiß nicht, wie die Jugendlichen ticken, man sieht sie nicht. Wie kommen wir an die ran?“. Vereine seien doch eine geeignete Anlaufadresse, empfahl Wolfgang Johanniemann. Dem hielt Jugendpfleger Robert Budde entgegen, dass es viele Jugendliche gibt, die sich weder an einen Verein, noch an eine Einrichtung binden wollten. Schließlich wurden Schulen und Lehrer als geeignete Ansprechpartner ausgemacht, um Jugendliche zum Mitmachen bei IKEK zu bewegen. Vereine und Feuerwehr könnten dafür eventuell ihre Kleinbusse zur Verfügung stellen. Bürger-Werkstätten, wie sie in den einzelnen Ortsteilen bereist stattgefunden hatten, sollten für Jugendliche nachgeholt werden. Da die Getränke bei den Erwachsenen-Veranstaltungen bislang frei waren, griff Bröckling einen Vorschlag auf und meinte, „Pizza zum Anfüttern“ könne nicht schaden.Er warnte aber auch, für solche Gespräche müsse zuvor ein Etat bereitstehen, um schnell auf die Wünsche von Jugendlichen Reagieren zu können, sonst verlören sie schnell das Interesse. Hermann Brandebusemeyer gab dabei zu bedenken, dass neue Ansätze für eine Jugendarbeit nicht unbedingt an den Finanzen scheitern könnten. Er sah vielmehr das Problem, dass ein neuer Jugendtreffpunkt oder ein Basketballplatz in der Nachbarschaft umgehend auf Widerstände stoßen würde.

Schwindendes Interesse und Kirchturmdenken

Der allem Anschein nach mit 27 Jahren jüngste Teilnehmer, Philip Middelberg, sah das Problem des schwindenden Interesses hingegen für den gesamten IKEK-Prozess heraufziehen: „Nicht dass wir demnächst hier mit zehn Leuten sitzen“, malte er das Schreckenszenario für Bürger und IKEK-Beteiligte an die Wand.

Eine andere Einstellung forderten auch viele Forums-Teilnehmer hinsichtlich des Kirchturmdenkens in Alt-Lotte, Büren, Halen und Wersen. Eine gewisse Konkurrenzsituation sei zwar nicht unbedingt schlecht, befand Projektleiter Bröckling. Wie Gerd Sies fragten sich aber viele Forums-Teilnehmer: „Wie kriegen wir das Ortsteildenken aus den Köpfen.“ Hier könnte die Kultur einen wichtigen Beitrag leisten. Ulrich Harhues regte einen Veranstaltungs-Newsletter an, statt des jährlich von der Gemeinde herausgegebenen Veranstaltungskalenders.

Konkreter könnte es beim nächsten IKEK-Forum im Golfclub Dütetal werden, das am 14. Mai, um 19 Uhr unter dem Schlagwort „Projekte“ stattfindet. Weitere Informationen befinden sich auf der Gemeinde-Homepage www.gemeinde-lotte.de.


Am Rande notiert:

• „Keine Angst vor Kreuzfahrten auf der Düte“, versuchte Frank Bröckling Bedenken zu zerstreuen, das Ziel, den Tourismus zu fördern, könnte das Ende der dörflichen Ruhe bedeuten.

Wenn Sie einen Wunsch für „Ihr“ zukünftiges Lotte frei hätten, was wäre das? Auf diese Frage antworteten mit Abstand die meisten Teilnehmer der Befragung: „Hundefreilaufflächen inklusive Tütenspender“. Das Ergebnis sei nicht so atypisch, berichtete Bröckling aus seiner Erfahrung in anderen Kommunen.

Was würden Sie in Lotte vermissen, wenn es das aber morgen nicht mehr geben würde? Hier lagen die Supermärkte mit mehr als doppelt so vielen Stimmen vor Landschaft und Natur oder medizinischer Versorgung. Rosemarie Wahl setzte sich im Forum für ein dichteres Netz an Lebensmitteleinzelhändlern ein. 2,5 oder drei Kilometer Entfernung seien im Alter einfach zu weit, fürchtet sie.

Auch wenn die Dorfwerkstätten bereits viele Vorschläge aufgenommen haben, konkrete Projekte können weiter eingereicht werden. Die besten Chancen haben Projekte, die in eines der drei Handlungsfelder für Lotte passen und für die ein Ansprechpartner bereit steht und für die sich womöglich Fördertöpfe anzapfen lassen. awen