„Jahrhundertbauwerk“ eröffnet Neue Kreisstraße 23 – mehr Sicherheit in Halen

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Lotte. Nach 40-jährigen Bestrebungen ist sie nun offiziell freigegeben, die Kreisstraße 23, die durch die Lotter Ortschaft Halen führt. Mit einem Familienfest auf dem Hof Thies wurde sie von den Verantwortlichen ihrer Bestimmung übergeben.

„Es ist ein Jahrhundertbauwerk, das es in Halen wohl so schnell nicht mehr geben wird“, erklärte Bürgermeister Rainer Lammers und zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis.

„In 40 Jahren gab es Zeiten, da waren wir sicher auch verzweifelt und haben nicht mehr an einen Erfolg geglaubt“ räumte Lammers ein. Konstruktive Gespräche mit dem Kreis und den anliegenden Bauern hätten letztlich den Durchbruch gebracht. „Das musste jetzt endlich mal was werden. Und dafür haben wir alle an einem Strang gezogen“, betonte er und dankte den Beteiligten, im Speziellen allen Bauern, die Teile ihrer Grundstücke abgetreten hatten.

Ein Jahr haben die Bauarbeiten letztlich gedauert. Inoffiziell war die neue Straße seit dem 22. Dezember 2017 freigegeben. 2,4 Millionen Euro betrugen die Baukosten, die sich Land, Kreis und Gemeinde geteilt hätten, so Landrat Klaus Effing: „Das Geld ist sehr gut investiert“. Das Projekt sei eine Gemeinschaftsaufgabe gewesen, an der alle Beteiligten hart gearbeitet hätten. Dabei lobte der Landrat ausdrücklich die gute Kooperation mit der Gemeinde. An ein Scheitern habe er nie wirklich gedacht. „Das sind Projekte, die muss man auch mal liegen lassen und eine Pause einlegen“, erklärte er. Mit neuen Ideen könnten diese dann wieder aufgegriffen werden.

Nadelöhr

Das Problem mit dem Verlauf der alten Kreisstraße 23 war, dass sie als Ortsdurchfahrt an einer engen Stelle zwischen den Grundstücken zweier Bauernhöfe verlief. Begegnungsverkehr, insbesondere mit Lkw und landwirtschaftlichen Fahrzeugen, führte zu Verkehrsproblemen zwischen Wersen und Halen. Zumal die Kreisstraße auch als Umleitungsstrecke für die Autobahn 1 genutzt wird, wie zuletzt beim Abbruch der Dütebrücke.

Im Rahmen der Bauarbeiten wurden mehrere Maßnahmen durchgeführt. Einerseits wurde der Engpass beseitigt, indem ein 200 Meter langes Teilstück um beide Höfe herum neu gebaut wurde. Für diesen neuen Abschnitt hat Bauer Hartmut Meyer einen halben Hektar seines angrenzenden Waldstückes abgetreten. Dabei gab es unerwartete Hilfe. Denn Orkan Kyrill habe vor elf Jahren einen Teil dieses Waldes verwüstet. „Da habe ich den Bürgermeister gefragt, ob ich wiederaufforsten soll“, erklärte Meyer. Lammers habe ihn daraufhin gebeten, davon abzusehen. „Wir haben uns den Verkehr nun näher ans Haus geholt und der Wald diente auch als Windschutz. Dafür können meine Enkel jetzt sicher zur Bushaltestelle“, so Meyer weiter.

Fahrbahn verbreitert

Neben dem neuen Teilstück wurde die Straße auf insgesamt 800 Metern zusätzlich auf einen Querschnitt von 6,50 Meter verbreitert. Außerdem entstand ein 2,50 Meter breiter Geh- und Radweg. Es sei ursprünglich nicht vorgesehen gewesen, dass dieser Weg durchgängig verläuft, so der Bürgermeister, sondern dass die Radfahrer an einer Verkehrsinsel die Seiten wechseln. Da sich die Familie Steinmann bereit erklärt habe, einen Teil ihres Grundstückes „vor der Dielentür“ abzugeben, sei dies jedoch nun nicht nötig.

Weitere Teilstücke des Radweges nach Büren und Hollage sollen künftig noch gebaut werden, so Lammers.

Neben dem Radweg wurden auch eine Bushaltestelle und die Straßenbeleuchtung erneuert. Damit sei die Ortsdurchfahrt durch Halen nun sehr viel sicherer, betonte Lammers. Auch der aus Lotte stammende EU-Abgeordnete Markus Pieper betonte, dass die neue Kreisstraße eine „optische und verkehrstechnische Aufwertung“ mit sich bringe. „Jetzt lebt man noch lieber hier in Halen“, so seine Worte.

Für die Bauerschaft Halen sprach am Samstag Christian Thies: „Zwei Generationen hat uns die K 23 beschäftigt. Nun möchte ich Dankeschön sagen.“ Vor allem zwei Aspekte lagen ihm am Herzen. So war er froh, dass die historischen Bruchsteinmauern, die das Ortsbild von Halen entscheidend prägen, mit viel Aufwand erhalten werden konnten. Denn für den Umbau mussten eine 25 Meter und eine 70 Meter lange Mauer in Teilstücken komplett versetzt werden – all dies unter Berücksichtigung der ökologischen Aspekte. In einer Führung erläuterten Experten später, dass hier seltene Farne, Flechten und Moose, die teils auf der Roten Liste stehen, wie etwa der Streifenfarn, angesiedelt seien. Auch Tiere wie Spinnen, Käfer und Schmetterlinge fänden hier eine Unterkunft.

Thies betonte weiter, dass durch die neue Straße Halen zusammenwachse. So sei früher von der Bauerschaft und der Siedlung Halen gesprochen worden. Nun habe der Orteil die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln, da auch durch die Arbeit des Bürgerradvereins viele Radwege entstanden seien.

Rund 120 Menschen feierten am Samstag die offizielle Einweihung, etwa 300 kamen über den Tag verteilt auf den Hof Thies . Neben Führungen durch die Bauernschaft gab es auch viele Aktionen für Kinder wie Buttons bedrucken, Kinderschminken, eine Hüpfburg und Spaß mit dem Clown Tonto. Der SC Halen sorgte für Getränke, die Fleischerei Schubert für Grillspezialitäten und die Bauerschaft Halen für Kaffee und Kuchen.


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