Gegen die Nordbahnreaktivierung FDP Lotte und Kreis-FDP im Schulterschluss

Von Angelika Hitzke

Der Bahnübergang Richard-Eberlein-Straße wird täglich besonders stark von Kindern und Jugendlichen frequentiert. Denn hier geht es nicht nur vom Strotheweg (links) und der dortigen Bushaltestelle zu den Sportanlagen, sondern auch zur Regenbogen-Grundschule, zu zwei Kindergärten und zum Jugendtreff. Foto: Volker PoerschkeDer Bahnübergang Richard-Eberlein-Straße wird täglich besonders stark von Kindern und Jugendlichen frequentiert. Denn hier geht es nicht nur vom Strotheweg (links) und der dortigen Bushaltestelle zu den Sportanlagen, sondern auch zur Regenbogen-Grundschule, zu zwei Kindergärten und zum Jugendtreff. Foto: Volker Poerschke

Lotte. Die FDP in Lotte bekräftigt ebenso wie die Kreistagsfraktion der Liberalen ihre ablehnende Haltung im Hinblick auf die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn (TNB) für den Personennahverkehr. Mit einer Gesprächsrunde in Steinfurt, bei der auch der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Ulrich Reuter, zu Gast war, unterstrich sie ihre Bedenken.

An der Runde nahmen neben Parteimitgliedern aus den Ortsverbänden, darunter Lottes, FDP-Fraktionschef Friedhelm Pösse, auch Vertreter der Bürgerinitiativen teil, die sich in Mettingen, Westerkappeln und Lotte gegen die Reaktivierungspläne formiert hatten. „Die Kreis-FDP hat sich immer schon gegen die Reaktivierung ausgesprochen“, betont Pösse und kündigt auf Nachfrage an, dass sich die Lotter Liberalen in ihrer nächsten Fraktionssitzung am 16. April erneut mit dem Thema beschäftigen werden. Man werde auch das Gespräch mit den Gegnern vor Ort suchen.

Siedlervorsitzende fühlt sich allein gelassen

Noch im Juni vergangenen Jahres hatte die Siedlergemeinschaft Büren und der Bürgerverein Wersen gemeinsam Front gegen die Reaktivierungspläne gemacht und den Schulterschluss mit den TNB-Gegnern in Mettingen und Westerkappeln gesucht. „Die Westerkappelner sind sehr rührig“, betont Rita Beimdiek, Vorsitzende der Bürener Siedler. Sie zeigt sich ein bisschen enttäuscht: Der Bürgerverein wolle sich dazu öffentlich nicht mehr äußern; vom Bürgermeister und der Gemeinde höre man nur: „Wir können nichts dagegen machen.“ Das sei aber falsch, denn die Gemeinde könne sich sehr wohl weigern, ihren Kostenanteil zu zahlen. Auch von den 900 Unterschriften gegen die Reaktivierung, die im Rathaus abgegeben wurden, höre man nichts mehr. Klare Aussagen vom Bürgermeister gebe es nicht. Nur die Lotter FDP habe sich von Anfang an klar gegen die Nordbahn ausgesprochen.

Zur Argumentation der CDU, wenn man die Reaktivierung, über die an übergeordneter Stelle entschieden werde, schon nicht verhindern könne, wolle man wenigstens auf die insbesondere für Büren verträglichste Lösung hinwirken, verweist die Bürener Siedlervorsitzende auf den schlicht nicht vorhandenen Platz: „Das geht am Strotheweg gar nicht!“

Lebensgefährlicher Bahnübergang

Lebensgefahr für die Kinder und Jugendlichen auf dem Weg zur Schule, zu den beiden Kindergärten und zum Sportplatz sieht sie im Falle der Reaktivierung und Sicherung der Übergänge mit Halbschranken vor allem an der Richard-Eberlein-Straße. Man müsse damit rechnen, dass Schüler die Schranke zu umgehen versuchen: „Kinder sind so. Ich bin gespannt, wer sich das auf die Fahnen schreibt, wenn es da den ersten Toten gibt.“ Überdies ist nach Rita Beimdieks Auffassung die Busverbindung nach Osnabrück „perfekt“. Sie sei derzeit mit den Mettinger Nordbahngegnern im Gespräch: „Ich werde weiter am Ball bleiben!“

Zu hohe Belastungen für Anliegerkommunen

Das will auch Friedhelm Pösse. Bis auf auf den FDP-Ortsverband in Recke teilen die Liberalen im Kreis die Bedenken der Gegner, dass die Belastungen für die Anliegerkommunen zu hoch wären: „Da geht es konkret um 64 Durchfahrten pro Tag. In Mettingen würde die komplett niveaugleiche Streckenführung ohne Lärmschutz zur folgenreichen Teilung der Tüöttengemeinde führen“, zitiert FDP-Kreistagsfraktionschef Hans-Jürgen Streich FDP-Gemeinderatsmitglied Reinhold Hess und den Sprecher der Mettinger Bürgerinitiative, Hans-Ulrich Sieker. In seiner Pressemitteilung über die Gesprächsrunde hebt er auch die massiven Beeinträchtigungen für Büren und Westerkappeln hervor.

Mit „Haller Willem„ nicht vergleichbar

Lottes FDP-Fraktionschef Friedhelm Pösse teilt auch die Einschätzung der Kreis-Liberalen, dass der Vergleich mit dem „Haller Willem“ hinkt und die im Gutachten prognostizierten Zahlen von 5600 Fahrgästen am Tag viel zu hoch gegriffen seien: Die 53 Kilometer lange Haller-Willem-Strecke von Osnabrück nach Bielefeld mit viel mehr Haltepunkten werde von rund 3000 Fahrgästen täglich genutzt. Pösse: „Und auf der kurzen Linie von 20 Kilometern zwischen Recke und Osnabrück sollen wir 5000 haben? Das ist Quatsch!“

Auch das Klimaschutzargument überzeugt die Liberalen nicht. Die Nordbahn motiviere die Bürger nicht ausreichend dazu, vom Pkw auf die Schiene umzusteigen, so die Kreistagsfraktion. Pösse sieht in Dieselloks statt Bussen auch keine Verbesserung: „Umweltfreundlicher ist das nicht!“

Noch kein Termin für Runden Tisch

Lottes Grüne hatten sich im Rat als einzige Fraktion für die Reaktivierung ausgesprochen. Die Lotter SPD hatte vergangenes Jahr ihre Resolution gegen die TNB-Reaktivierung zurückgezogen, um den Runden Tisch mit dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (ZVM) abzuwarten. Der sollte ursprünglich im Februar tagen und wurde zunächst auf März/April verschoben.

Da noch nicht alle Expertisen zum Verkehrsraumpotenzial am Strotheweg vorliegen, gebe es dafür aber noch keinen konkreten Termin: „Das macht keinen Sinn, wenn die Ergebnisse noch nicht komplett auf dem Tisch liegen“, meint auch CDU-Fraktionschef Werner Schwentker. Das werde „wahrscheinlich“ erst Ende April/Mai der Fall sein. „Wir haben immer gesagt, wir wollen eine Verbesserung am Strotheweg. Wir gucken uns das an – und entscheiden dann“, betont er.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Sein SPD-Kollege Thomas Giebel hält die Wahrscheinlichkeit für eine Verbesserung der Situation am Strotheweg durch bauliche Möglichkeiten für gering: „Dann bleiben wir bei unserer Linie, dass wir die Reaktivierung aufgrund der Belastungen für Büren nicht unterstützen!“