Blau-weiße Brille Michael Baumann sieht im Sieg der SF Lotte den Klassenerhalt

Von Carsten Richter


Lotte. Es war sicher kein gutes Spiel der Sportfreunde Lotte. Doch das 3:2 gegen Werder Bremen II stellte den SFL-Fan Michael Baumann aus Gronau-Epe auch so zufrieden. „Das war für mich der Klassenerhalt“, meint der 54-jährige.

Herr Baumann, wie haben Sie das Spiel gesehen?

Das Spiel war schlecht. Es waren viele amateurhafte Fehler dabei, wie zum Beispiel von Langlitz vor dem 0:1. So was darf einfach nicht passieren. Da stand Lotte schon gleich mit dem Rücken zur Wand. Die Einstellung war nicht gut, denn die Spieler hatten keinen Schaum vor dem Mund, wie man es eigentlich hier kennt. Dieses Mal haben wir mit dem Siegtreffer in der 93. Minute einfach mal Glück gehabt. Ich hatte mich nämlich schon mit dem Unentschieden abgefunden und nicht mehr an den Sieg geglaubt. Das Abwehrverhalten war außerdem ziemlich schlecht, denn da wurden die Bälle einfach nur so rausgepöhlt. Da kamen die Bälle kaum zum eigenen Mann und so bringst du den Gegner immer wieder ins Spiel. Vorne gab es auch zu wenige Chancen.

Was meinen Sie, war das schon der Klassenerhalt?

Ich denke mal, dass wir bei 18 noch zu vergebenen Punkten und 10 Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz durch sind. Da lege ich mich einfach mal fest.

Wie ist Ihre Verbindung zum Fußball denn sonst?

Ich beobachte schon seit Jahren sämtliche Regionalligen und da vor allem alle kleinen Vereine. Zum Beispiel den SV Rödinghausen, SV Drochtersen-Assel oder den TSV Buchbach. Mich interessiert, wie sie sich im Vergleich zu den größeren Teams so schlagen. Bei uns in Gronau haben wir 49000 Einwohner und sind nicht in der Lage, höher als in der Bezirksliga zu spielen. Das ärgert mich maßlos, weil woanders auch mehr möglich ist.

Wie kam die Leidenschaft für die Sportfreunde Lotte zustande?

Das war an einem Samstag im September 2016, wo ich in der Zeitung gelesen hatte, dass Lotte an dem Tag ein Heimspiel hat. Da habe ich mir gedacht, jetzt fährst du einfach mal dahin. Als Erstes bin ich im Schützenhaus gelandet, weil meine Tochter schießt. Ich bekam gleich eine Führung im Keller und habe mir danach das Spiel im Stadion angesehen. Daraus ist dann mehr geworden und seitdem bin ich mit einer Dauerkarte immer dabei. Mittlerweile bin ich auch Mitglied geworden und besuche jede Versammlung.

Dabei wohnen Sie gar nicht in der Gemeinde…

Genau, ich fahre 76 km von Gronau hierher. Dafür brauche ich auf der Autobahn 35 Minuten. Die fahre ich übrigens nicht nur zu den Spielen, sondern manchmal einfach auch nur, um das Training zu besuchen. Ich bin wohl der einzige aus Gronau, der hierherfährt.

Sogar Einlaufkinder sind aus Gronau schon im Stadion am Start gewesen, oder?

Eine Jugendmannschaft war beim Einlaufen schon mal dabei und ich habe schon die Option, in der nächsten Saison erneut eine Jugendmannschaft mit Einlaufkindern anzumelden.

Am Mittwochabend geht es jetzt im Westfalenpokal gegen Erndtebrück. Ihr Tipp?

Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir das Spiel gewinnen. Das müssen wir auch gewinnen, schließlich geht es um die erste Hauptrunde im DFB-Pokal. Das ist so ein dickes Spiel und wer da als Spieler nicht heiß ist, der kann am besten gleich den Verein verlassen.