Wertvolle Blühstreifen für lau Mettinger verschenken insektenfreundliches Saatgut

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Mettingen. „Wir engagieren uns bewusst für etwas“, sagt Gerhard Baune, „das ist viel schöner, als gegen etwas zu sein.“ Möglichst ganz Mettingen, und am liebsten die Nachbargemeinden Lotte und Westerkappeln gleich mit, sollen kostenlos zu einem Lieblingsplatz für Mensch und Tier werden.

Es scheint, als sitze Gerhard Baune, Vorsitzender der 2015 gegründeten Mettinger Bürgerinitiative „Gesunde Luft – gesunder Boden“, lediglich an seinem Wohnzimmertisch und löffle Blumensamen aus einem großen Beutel in kleine Tütchen um. In Wirklichkeit sitzt der 62-jährige Musik-, Deutsch- und Religionslehrer aber zugleich auf einer bunten Blühwiese, umgeben von Kuckuckslichtnelken, Margeriten und feinblättrigem Schaf-Schwingel, und um ihn herum summen die Bienen, flattern die Schmetterlinge und zwitschert der Zilpzalp. Denn die echten Veränderungen beginnen im Kopf. Und so liegt auch der Lieblingsplatz von Gerhard Baune in der Zukunft.

Ohne Raupe – keine Meise

„Es ist ein gutes Gefühl, wenigstens einen Teil dieser Zukunft aktiv mitgestalten zu dürfen“, sagt Baune und verschließt sorgfältig ein weiteres Tütchen, „wie sehr das motiviert, habe ich vorher gar nicht gewusst.“ Vorher – das war die Zeit vor der großen Infoveranstaltung im vergangenen Februar, die sich als Meilenstein in der jungen Geschichte der Bürgerinitiative entpuppen sollte: Die Naturfreunde hatten einen Vortrag mit Annika Brinkert von der Biologischen Station des Kreises Steinfurt organisiert, die den Mettingern erklärte, warum immer weniger Singvögel nicht nur in den Gärten, sondern generell in der Kulturlandschaft zu finden seien. Auf den Punkt gebracht lautet das Ergebnis: Ohne Raupe – keine Meise. Und etwas feiner aufgedröselt: Ohne Wildblüten – keine blütenbesuchenden Insekten – keine Raupen – kein ornithologischer Artenreichtum.

Endlich ein Ansatzpunkt

Um einen Weg aufzuzeigen, wie sich diese fatale Kettenreaktion, die nach und nach die Vielfalt in der Natur lahmzulegen droht, zumindest vor Ort durchbrechen lässt, hatte Annika Brinkert eine heimische Saatgutmischung mitgebracht. „Davon durfte sich jeder Zuhörer eine kostenlose Probe für den eigenen Garten oder Balkon mitnehmen“, berichtet Baune, „die Resonanz war riesig!“ Und der Gedanke, das Schicksal von Hahnenfuß und Heckenbraunelle als körniges Granulat buchstäblich in den eigenen Händen zu halten, offenbar ansteckend. In den kommenden Tagen stand Baunes Telefon nicht mehr still und sein E-Mail Postfach quillt bis heute regelmäßig über. „Alle wollen wissen, wie sie an die insektenfreundliche Blumenmischung herankommen“, erzählt er, „denn dank der von Annika Brinkert vermittelten Einsichten in das Räderwerk der Natur wissen nun endlich alle, wo und wie sie konkret ansetzen können.“

Saatgut zu verschenken

Baune und sein Team erkannten die Gunst des Augenblicks, in dem sich eine scheinbar so vertrackte Schieflage zwischen ökologischem Soll- und Ist-Zustand mit einem Mal als ganz unkompliziert und leicht aufzulösen herausstellt – zumindest vor der eigenen Haustür: Sie erwarben kurzerhand einen stattlichen Kilo-Beutel besagten Saatguts und – weil man den Wert einer ökologisch halbwegs intakten Heimat nicht in Euro bemessen kann – verschenken es seitdem an jeden, der im eigenen Garten einen Lieblingsplatz oder auch nur ein Lieblingsplätzchen für sich und die Natur schaffen will. „Vom Blumentopf bis zur mehrere hundert Quadratmeter großen Freifläche, ob in Mettingen oder in den Nachbargemeinden – wir haben genau die Saatgutmischung, die passend auf unsere Region abgestimmt ist“, verspricht Baune, „und wir geben sie kostenlos weiter – natürlich gerne gegen eine Spende.“

Futter für das Spendenschwein

13... 14... 15 Gramm! Das letzte Tütchen für heute ist abgefüllt, zufrieden trägt Baune den inzwischen zu etwa drei Viertel geleerten Saatgut-Beutel und die filigrane Mikrowaage vom Wohnzimmertisch ins Regal zurück. „Sobald unsere Spendenspardose wieder voll ist“, deutet er auf ein grinsendes Steingutschweinchen, „bestellen wir die nächste, sprich: die dritte Portion.“ Je nach Nachfrage und Spendenbereitschaft der Bürger ist somit ein Ende der Aktion nicht zwangsläufig in Sicht. „Ein Gramm der Samenmischung reicht aus für einen Quadratmeter Fläche“, erklärt Baune. Für den Ein-Kilo-Beutel habe die Bürgerinitiative etwas mehr als hundert Euro bezahlt. Das Rechnen und Spenden bleibt nun jedem selbst überlassen. Dem Rascheln im Inneren des Schweinchens nach zu urteilen wird es bis zum Nachschub aber wohl nicht mehr lange dauern.

Aussaat bis in den Juni hinein möglich

Wer für sich und seine Umwelt ein buntes Stückchen Zukunft anlegen will, kann noch bis in den Juni hinein die Samen von Johanniskraut, Rotklee, Kornblume und Co. aussäen. Bestellungen für die mehrjährige Regio-Mischung nimmt Gerhard Baune per E-Mail unter gbaune@gmx.de entgegen und informiert auch gerne darüber, was man beim Anlegen eines Blühstreifens beachten sollte.


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