Digitalisierungsstrategie 2025 Wie in der Gemeinde Lotte die Digitalisierung vorangetrieben wird

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Wollen die Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben (von links): Jöeg Volkmann, IT-Service-Manager der KAAW, Hauptamtsleiterin Petra Tepe, KAAW-Geschäftsführer Marcus Engelkamp, IT-Mitarbeiter Daniel Schuhmacher sowie Lottes IT-Abteilungsleiter Kurt Beneking. Foto: Volker PoerschkeWollen die Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben (von links): Jöeg Volkmann, IT-Service-Manager der KAAW, Hauptamtsleiterin Petra Tepe, KAAW-Geschäftsführer Marcus Engelkamp, IT-Mitarbeiter Daniel Schuhmacher sowie Lottes IT-Abteilungsleiter Kurt Beneking. Foto: Volker Poerschke

Lotte. Es gehe nicht um noch ein paar Kilometer Breitbandkabel da oder dort, sagt Dorothee Bär (CSU), Deutschlands neue Staatsministerin für Digitalisierung. Künstliche Intelligenz, Robotik, autonomes Fahren, Flugtaxis, das sind ihre Visionen für die digitale Zukunft. Ganz so visionär geht es in der Lotter Verwaltung nicht zu, aber auch hier wird gearbeitet an einer „Digitalisierungsstrategie 2025“.

In Sachen Digitalisierung ist Deutschland ein Entwicklungsland. Das haben vergangene Bundesregierungen mehrfach festgestellt. Jetzt soll die Entwicklung vorangetrieben werden. „Als Gemeinde wollen wir von dieser Entwicklung nicht wie von einem Tsunami überrollt werden, sondern selbst tätig werden“, sagt Petra Tepe, ständige Vertreterin des Bürgermeisters in Lotte. Aber was ist Digitalisierung eigentlich?

Schlagwort Service

Ganz allgemein bedeutet das, analoge in digitale Formate umzuwandeln. Ein konkretes Beispiel: Die Liste für den Wochenendeinkauf. Anstatt sie auf einen Zettel zu schreiben, nutzen viele bereits eine entsprechende App auf ihrem Smartphone, die Einkaufsliste ist digitalisiert. Das ist allerdings nur der erste Schritt. Ein Weiterer ist die Vernetzung. So könnte zum Beispiel künftig der Kühlschrank automatisch seinen Inhalt scannen und fehlende Produkte auf die Einkaufsliste setzen, in einer Cloud könnten sämtliche Familienmitglieder mit ihrem Smartphone auf die Liste zugreifen und sie ergänzen, die fertige Liste wird an einen digitalen Supermarkt weitergeleitet, online bezahlt und frei Haus geliefert. Kein umständliches Suchen, keine Fahrerei und kein Schleppen mehr. Service ist ein Schlagwort – bequem von zu Hause.

Digitales Rathaus

Das gilt auch für das digitale Rathaus. In der Gemeinde Lotte sind bereits einige Grundlagen vorhanden. „Wir haben für unsere Bürger etliche Formulare digitalisiert“, sagt Kurt Beneking, IT-Fachmann der Gemeinde. Erfasst sind sie für die Bereiche Allgemeine Verwaltung, Soziales, Steuern und Finanzen, Bauwesen und Allgemeine Sicherheit und Ordnung unter dem Punkt „Bürgerservice“ auf der Gemeindehomepage. Onlineformulare gibt es etwa für die Gewerbeanmeldung oder die Erteilung eines Wohnberechtigungsscheins. Bislang können sie jedoch nur am Computer ausgefüllt und heruntergeladen werden, der Ausdruck muss per Post oder persönlich ins Rathaus gebracht werden. Künftig sollen sie auch online an die Gemeinde versendet und weiter bearbeitet werden. Möglich ist dies bereits zum Beispiel bei der An- und Abmeldung der Hundesteuer oder der Müllabfuhr. „Das Angebot soll künftig noch erweitert werden“, verspricht IT-Mitarbeiter Daniel Schuhmacher.

Mitglied im Zweckverband

Dabei helfen soll der Zweckverband Kommunale ADV-Anwendergemeinschaft West (KAAW). Geschäftsführer Marcus Engelkamp sieht Lotte auf einem guten Weg. Er hat sich das Digitalisierungspotenzial der Gemeinde einmal angeschaut. „Die Gemeinde hatte rund 4000 Formularaufrufe im vergangenen Jahr.“ Das sei schon ganz ordentlich – kann aber weiter ausgebaut werden. Dabei muss das Rad nicht jedes Mal neu erfunden werden. Derzeit haben sich 40 Kommunen aus den Kreisen Steinfurt, Borken, Mettmann und dem Landkreis Osnabrück dem Zweckverband angeschlossen. Hier können Erfahrungen und Wissen ausgetauscht und nutzbar gemacht werden. Die Bedürfnisse der Mitgliedskommunen seien ganz individuell, führt Engelkamp aus. Handlungsfelder seien beispielsweise Tourismus, Verwaltung, Onlineservices und Transparenz. „Ich selbst habe neulich einfach mal meinen Punktestand in Flensburg mit meinem digitalen Personalausweis abgerufen“, schmunzelt der KAAW-Geschäftsführer.

Bedarf ermitteln

„Wir müssen in den Fachabteilungen sehen, wo Bedarfe sind und wo es Nachfragen nach digitalen Angeboten gibt“, sagt Petra Tepe. Deshalb fand am Montag ein erstes Informationstreffen mit den Verwaltungsmitarbeitern statt. Im Standesamt und bei Beurkundungen gebe es noch Digitalisierungsbedarf, erzählt Beneking. Sämtliche Papierakten sollen in den kommenden fünf bis acht Jahren verschwinden. Für kostenpflichtige Angebote müsse eine Onlinebezahlplattform eingebunden werden. Und die Sicherheit? „Mit entsprechenden Verschlüsselungen und Sicherheitszertifikaten, die der Zweckverband nutzen kann, gibt es digital vielleicht sogar mehr Sicherheit, als analog“, betont KAAW IT-Service Manager Jörg Volkmann. Hundertprozentige Sicherheit, weiß auch er, werde es nie geben – weder digital, noch analog. „Auch Papierakten und Briefe, Ausweise und Geldbörsen können gestohlen werden.“

Die Kritik, man solle doch erst für flächendeckendes schnelles Internet sorgen, bevor man alles mögliche digitalisiert, lässt Kurt Beneking für die Gemeinde Lotte nicht gelten. „Wir reden hier nicht über Gigabyte-Anwendungen, die zwingend eine Breitbandverbindung benötigen, sondern über Formulare und Daten im Kilobyte-Bereich“, so der IT-Fachmann. Außerdem habe sich in den vergangenen Jahren in Sachen schnelles Internet in der Gemeinde viel getan: Der Glasfaserausbau durch die Deutsche Glasfaser (DG) gehe in allen Ortsteilen voran und auch die Erschließung der Außenbereiche könne in den nächsten zwei bis drei Jahren abgeschlossen sein. „Die Fördergelder sind da, die Ausschreibungen laufen“, sagt Beneking. Bis Ende des Jahres hofft er, könne ein Anbieter gefunden werden.

Ratssitzung am Donnerstag

Die DG wird in der Ratssitzung am Donnerstag, um 18 Uhr, über den Stand des Glasfaserausbaus berichten, bevor es auch hier um die „Digitalisierungsstrategie 2025“ geht. Außerdem stehen auf der Tagesordnung die Vorstellung des Projektes „Bürgerbus Wallenhorst“, der Gesamtabschluss 2016, die Stellvertretung der Betriebsleiterin Abwasserbetrieb, Änderungen des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Lotte und die Bebauungspläne „Am Sportzentrum“ und „Ortskern Süd“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN