„Der Raga pulsiert“ Indische Passion in der Friedenskirche Büren

Von Jan Kampmeier

Den Sitar in der Hand und den colorierten Christus im Rücken präsentierte Norbert Ammermann eine indische Passion. Foto: Jan KampmeierDen Sitar in der Hand und den colorierten Christus im Rücken präsentierte Norbert Ammermann eine indische Passion. Foto: Jan Kampmeier

Lotte. Fremde Klänge zur Passion spielte Norbert Ammermann in der Friedenskirche Büren auf dem Sitar.

Es war bereits die vierte künstlerisch geprägte Veranstaltung des Professors für Praktische Theologie und Religionspädagogik an der kirchlichen Hochschule Wuppertal in der Friedenskirche. Nach dem „Oratorium ohne Worte“ zur Erinnerung an die Reichsprogromnacht, einem interreligiösen Musikklangabend sowie mystischen Klängen mit islamischem Gesang nun also eine indische Passion. Was mag das wohl sein?

Fremde Kultur und fremde Klänge

Musik für Sitar über ein indisches Christusbild hatte Pfarrer Ammermann, der auch Kulturbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg ist, angekündigt. Das ganze im Raga Jhinjhoti, einer melodischen Grundstruktur der klassischen, hinduistischen Musik. In der Fiedenskirche Büren tönt bereits beim Eintritt ein Klang, eine Quinte, die ohne Unterbrechung weiterklingt. Bevor es losgeht, erklärt Norbert Ammermann einige grundlegende Aspekte der indischen Kultur und ihrer für westliche Ohren fremdartigen Musik.

Wenig Worte und Virtuosität

Berührungspunkte zwischen Hinduismus und Christentum habe es gegeben, doch in Indien bestehe Verkündigung aus wenigen Worten. An die Wand hinter ihm hat er, außer dem bunten Christusbild, sieben Worte geworfen: Om Jesu Christaya Paramantmane Purucha Arataraya Namaha. Ein Mantra, das sich aber nicht präzise übersetzen lasse. Zur Musik merkt er an, die indische Oktave bestehe aus 22 statt 12 Tönen, es gehe nicht um Virtuosität, sondern um Verinnerlichung. Nähere Informationen hat Norbert Ammermann aufgeschrieben und für die Besucher kopiert. Über die hinduistischen Wurzeln der indischen Musik zum Beispiel erfährt man, sie sei eine göttliche Gabe. Shiva, ein „tanzender, durch den Kosmos schwebender, fröhlicher Gott“ habe die Welt mit seinem Flötenspiel erschaffen.

Musikalische Meditation

„Der Raga pulsiert“, meint Norbert Ammermann, nimmt auf einem Kissen auf dem Boden Platz und legt den Sitar auf seinen Fuß. Sehr langsam geht es los, vereinzelte Töne zunächst. Im Verlauf der nächsten halben Stunde improvisiert Norbert Ammermann über den Raga, der sich belebt und dichter wird, auch rhythmisch prägnanter, schließlich kommen aus der Konserve Percussionsstimmen dazu. Die Kirche ist dabei nur von schwachem Dämmerlicht erhellt, das Ganze ist sehr meditativ, die Besucher scheinen tatsächlich versunken in die zarten Klänge. Schließlich endet der Raga, und Norbert Ammermann schließt noch einen zweiten an. Er singt den Choral „Nun bitten wir den heil‘gen Geist“ und improvisiert anschließend mit dem Sitar darüber, einige Besucher summen mit. Im Anschluss an die Meditation beantwortete Ammermann die Fragen der Besucher.