Vortrag in der Lotter Arche Einzeller sind besser als ihr Ruf

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Lotte. Die Welt der Mikroben schafft es selten mit guten Nachrichten in die Schlagzeilen – man hört von Viren, die Grippewellen verursachen und multiresistenten Keimen, die Krankenhäusern zu schaffen machen. Beim Talk am Dienstag im evangelischen Gemeindehaus Arche vermittelte der Referent Jonas Salomo dagegen verblüffende und wissenswerte Fakten über die allerkleinsten Lebewesen.

Der Nachname lässt es vermuten, zum diesmaligen Gast hat Pastor Detlef Salomo eine verwandtschaftliche Beziehung: In der Begrüßung der zahlreichen Zuhörer kündigte er seinen Sohn als Redner an. Jonas Salomo ist Masterstudent in Mikrobiologie an der Universität Oldenburg; dort forscht und arbeitet er am „Institut für Chemie und Biologie des Meeres“ mit einzelligen Lebewesen. „Das haben Theologen und Mikrobiologen gemeinsam: Sie reden von Dingen, die man nicht mit bloßem Auge sehen kann“, bemerkte Detlef Salomo amüsiert.

Blick in eine andere Welt

Im Gegensatz zu Theologen können sich Biologen jedoch mit einem Mikroskop behelfen und so in eine andere Welt vordringen. Diese Welt spielt sich in unvorstellbar kleinen Größenordnungen ab, wie Jonas Salomo mit einem Vergleich verdeutlichte: Wäre ein typisches Bakterium so groß wie ein Mensch, dann wäre der Mensch im Verhältnis dazu so groß wie der gesamte Erdball. Kein Wunder also, dass die meisten Menschen nicht viel von diesen kleinen Wesen wissen. „Viele Leute haben einen falschen Eindruck von unseren Untermietern, den Bakterien.“, stellte Salomo fest. Bei diesem Thema stünden oft die Krankheiten und die Gefahren im Vordergrund, die von Mikroben ausgehen. Diesen Eindruck gelte es zu korrigieren.

Der Ursprung des Lebens

Anhand einer Abbildung gab Salomo eine ungewöhnliche Perspektive auf die Vielfalt des Lebens: Im sogenannten „phylogenetischen Baum des Lebens“ sind die Lebensformen auf der Erde sortiert nach der Ähnlichkeit ihres Erbguts – eine Art Stammbaum. Die Tiere, zu denen auch die Menschen zählen, machen nur einen kleinen Zweig an diesem Baum aus. Die meisten anderen der dort dargestellten Lebensformen sind dagegen einzellig, wie etwa die Archaeen, die teils extreme Lebensräume bevorzugen und an heißen Quellen oder sehr salzhaltigen Umgebungen vorkommen. Überhaupt stellte Salomo eine Reihe faszinierender Überlebenskünstler vor. So etwa ein besonders strahlungsresistentes Bakterium, das „problemlos einen Atomkrieg überleben würde“. Heute gehe man davon aus, dass der Ursprung des Lebens der Erde auf Einzeller zurückgehe, die sich in extremen Umgebungen wohlfühlen, etwa an heißen Tiefseeschloten.

Lebensraum Mensch

Ein beliebter Lebensraum für Mikroben ist darüber hinaus der menschliche Körper. Bis zu zwei Kilogramm unserer Körpermasse gehe darauf zurück, berichtete Salomo. Im Regelfall sei das kein Problem; der Mensch sei auf seine Untermieter angewiesen, die etwa bei der Verdauung helfen oder den Körper schützen. Probleme entstünden nur dann, wenn etwa das Gleichgewicht dieser Lebensgemeinschaft gestört werde oder sich krankheitserregende Bakterien vermehren können, sagte Salomo. Gegen Bakterien helfen dann Antibiotika – im besten Fall. Unter den Milliarden von Bakterien gibt es nämlich immer einige, die weniger empfindlich auf diese Medikamente reagieren als ihre Artgenossen. Wenn der Patient dann beispielsweise das Antibiotikum frühzeitig absetzt, bleiben ausgerechnet diese Exemplare übrig und vermehren sich wieder. Auf diese Weise bilden Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika aus, im schlimmsten Fall hilft letztendlich gar kein Mittel mehr.

Unverzichtbare Mitbewohner

Insgesamt, so die Botschaft des Abends, verdienen die Einzeller jedoch ein besseres Image als nur das der Krankheitserreger. Einerseits gebe die Grundlagenforschung in diesem Gebiet faszinierende Einblicke, verdeutlichte der Referent. Andererseits sei auch der Nutzen groß: Die Pharmazie ist heute ohne die Mikrobiologie heute unvorstellbar, und selbst Brauereien forschen an der perfekten Hefekultur für ihr Bier.


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