Wienhaus-Premiere ein Erfolg Wersen: Griesert-Feuerwerk nach dem Zander-Strike

Von Thomas Niemeyer und Egmont Seiler (Fotos)

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Lotte. Seinen glänzenden Ruf als Redner hat Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert bei seinem Antritt als Krautkönig beim 43. Herrenabend des Bürgervereins Wersen ausgebaut. Sein 40-minütiges wortverspieltes Feuerwerk zur großen und lokalen Politik war extrem anspruchsvoll, kam aber dennoch sehr gut an.

Da auch die anderen Redner wahrlich nicht enttäuschten, wurde die Premiere des Vereinsvorsitzenden Olaf Wienhaus ein voller Erfolg. Lediglich der spektakuläre Showakt des Sängers und Entertainers Frank Zander war manchen unter den 340 Gästen zu laut, zu lang und zu früh.

Des Freiherrn von Heeremann gedacht

Stilvoll und angemessen war gleich zu Beginn das Gedenken des im Juli verstorbenen langjährigen Stars des Herrenabend, Constantin Freiherr von Heereman. Wienhaus würdigte ihn als „Garant für beste Unterhaltung“. Sein Witz vom Hund bleibe unvergessen – lächelndes Gedenkschweigen.

Als Sozialdemokrat machte sich Lottes Bürgermeister Rainer Lammers in seiner offiziellen Eröffnung Sorgen um Martin Schulz nach Verlust von SPD-Vorsitz und Außenminister-Perspektive. Krautkönig könne er nicht werden. da Markus Pieper wisse, wie er in Brüssel gearbeitet habe. Dann doch lieber zu Wolfgang Griesert, den Neumarkt betreuen. Lammers: „Noch zweimal auf und zu, dann reicht es fürs Guinessbuch der Rekorde.“

Haxe, Kraut und Püree

Nachdem sich die Herren mit Haxe, Kraut und Püree köstlich gestärkt hatten, wurde es Zeit, Abschied zu nehmen von Krautkönig Norbert Römer, den zuvor beide Gastgeber für seinen Einsatz ehrlich gelobt hatten.

Der SPD-Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag sinnierte angesichts der tristen Lage seiner Partei über neue Herrschaftsformen. Nach Vorbild der Kapetinger würde er gerne eine Römer-Dynastie gründen, deren Könige alle Norbert heißen und durch Beinamen unterscheidbar werden sollten: Norbert der Große, der Weise, der Gute, der Gerechte, der Schöne. „Norbert der große Schöne würde am besten zu mir passen.“ Königliches Schlusswort: „Ich danke ab, ich danke euch, ich trink auf euch.“

Dröhnung von der Bühne

Zu den ACDC-Klängen von „Thunderstrike“ eröffneten Frank Zander & Band den Showakt. Allerdings skandierten sie „Zander“ statt „Thunder“. Zwischen seinen Hits wie „Hier kommt Kurt“, „Susie“ und „Ich trink auf den Wohl, Marie“, wunderte sich der erstaunlich gut erhaltene 76-Jährige wiederholt darüber, dass nur Männer vor der Bühne waren, kokettierte mit altersbedingten Zipperlein und warb für sein soziales Engagement in Berlin. Wem beim Herrenabend die Zoten fehlen, wurde hier bedient.

Nachdem der Dampf der spektakulären Zander-Dröhnung verzogen war, enterte Felix Osterheider, Geschäftsführer der Georgsmarienhütte und Vorsitzender des Verkehrsvereins Stadt und Land Osnabrück (VVO), die Bühne für die Laudatio des neuen Königs. Dort nahm er einen WT-Artikel auf die Schippe, der befand, dass das Redeprogramm in Wersen politisch-intellektuell ein wenig fordernder sei als bei der Osnabrücker Mahlzeit des VVO. Der von ihm so hoch gelobte Wolfgang Griesert bestätigte dann jedoch genau dies.

Geistige Aus- und Höhenflüge

In 16 fein gefeilten Abschnitten brachte der frisch an die Kette gelegte König 36 seiner 42 Vorgänger unter, zog sie und etliche politische Akteure jeglicher politischen Couleur gekonnt durch den Kakao, unternahm geistige Ausflüge nach Jamaika, in die Geschichte und ins Kulinarische. Und das alles in einem Tempo, das vielleicht das ein oder andere von Bier und/oder Zander getrübte Gemüt überforderte, dennoch in seinen Bann schlug.

Als kleiner Beleg Grieserts Reminiszenz an Constantin Freiherr von Heereman: „Nach langer Zeit, die dieser Edelmann wie kaum ein Gast die Krautmahlzeit geprägt hat, hat der Krautkönig von 1980, der Schwarze Baron, 2017 das irdische Feld verlassen. Aber wie wir ihn kennen, schaut er in diesem Moment interessiert von einer Wolke über der Surenburg in Riesenbeck auf sein Wersener Krautvolk. Er schaut zufrieden in die von ,Engel Thomas‘ geführten Ratsstuben und zündet sich vielleicht sogar genüsslich eine Zigarette an. Denn sein Wunsch für die männlichste der Mahlzeiten im Land scheint sich zu erfüllen: Die Tradition des Wersener Krautkönigmahls wird auch nachdem gestrigen Weltfrauentag fortgeführt. Prost Herr Baron, hoch lebe das Krautvolk!“

„Walhalla Westfalens“

Nachdem „Wolfgang der Erste“ die Grenzregion Lotte-Osnabrück als „Achse des Guten“ gefeiert hatte, lag ihm das Krautvolk in den Ratsstuben, „dem Walhalla Westfalens“, zu Füßen, da jedem bewusst war, wie viel Arbeit, Hirnschmalzund Enthusiasmus Griesert in sein Werk gesteckt hatte. Gastgeber Olaf Wienhaus sprach von grandios, Ernst Schwanhold nannte die Rede fulminant.

Der Schlussredner gestand die Herausforderung ein, als Nachfolger des Freiherrn auf der Bühne zu stehen. Nach einigen Späßchen wie der Frage, ob ein nur von Frauen besetztes Raumschiff als unbemannt zu gelten habe, ging Schwanhold durchaus ernsthaf auf die aktuelle Politik ein, nannte den Einzug der AfD ins Parlamente „eine Schande für uns alle“ und bescheinigte Theresa May, „zu allem bereit, aber zu nichts fähig“ zu sein. Am Ende dichtete er sogar: „Freihandel ade, das tut uns allen weh“ oder „Heimatministerium und Innen, die Bayern spinnen; sollen sie ihn behalten, ihren Alten.“


Die komplette Griesert Rede:

Männer, Liebhaber des säuerlichen Krautes und der würzigen Haxen, genossen... habe ich die freundlichen Worte von Prof. Osterheider und tatsächlich: Morgen werden die Zeitungen im Westfalen-Land verkünden: Es wurde ein großer, bärtiger König gewählt. Es ist ein Jubeltag. Ein König wurde an diesem Tag gewählt, der Osnabrück richtig zur Stadt gemacht hat. Ein König, der seit Jahren fest mit dem Rathaus des Westfälischen Friedens verbunden ist. Heute, genau am 130. Todestag von Kaiser Wilhelm I. und am Tag der friedlichen Kapitulation von Norbert dem Roten Römer, wurde im römisch geprägten deutschen Lande ein König gekrönt. Er blickt täglich wie Karl der Große und andere große Regenten vom Rathaus auf den Osnabrücker Markt. Ich spreche jetzt nicht vom weißbärtigen Wolfgang dem Wersierten, nein, ich spreche vom König mit dem prächtigen ‚roten Bart‘. Ich spreche vom 9. März 1152 und der Krönung von Friedrich genannt Barbarossa. Männer, hoch lebe das 866. Krönungsjubiläum. Deshalb huldigen wir heute allen Majestäten der Wersener Mahlzeiten. Prost Könige, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des himmlischen Krautes und der herrlichen Haxen, heute ist aber auch ein trauriger Tag. Morgen werden die Zeitungen im Westfalen-Land verkünden: Der Bürgerverein Wersen musste schmerzlich zur Kenntnis nehmen, dass nach den Majestäten der frühen Jahre wie dem Osnabrücker Alt-OB Ernst Weber (Krautkönig 1982) und dem Steinfurter Oberkreisdirektor Dr. Heinrich Hoffschulte (KK 1987) jetzt auch Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck nicht mehr am Königstisch Platz nimmt. Nach langer Zeit, die dieser Edelmann wie kaum ein Gast die Krautmahlzeit geprägt hat, hat der Krautkönig von 1980, der Schwarze Baron, 2017 das irdische Feld verlassen. Aber wie wir ihn kennen, schaut er in diesem Moment interessiert von einer Wolke über der Surenburg in Riesenbeck auf sein Wersener Krautvolk. Er schaut zufrieden in die von ‚Engel Thomas‘ geführten Ratsstuben und zündet sich vielleicht sogar genüsslich eine Zigarette an. Denn sein Wunsch für die männlichste der Mahlzeiten im Land scheint sich zu erfüllen: Die Tradition des Wersener Krautkönigmahls wird auch nach dem gestrigen Weltfrauentag fortgeführt. Prost Herr Baron, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des weißen Krautes und der rosigen Haxen, 2017 war ein Jahr der Suche nach Antworten. Google hat dazu die Top 10 der Fragen und Suchbegriffe veröffentlicht. Das dritthäufigste Suchwort war wenig überraschend „Wahlomat“, das zweithäufigste war „Bundestagswahl“ und Platz 1 ist erstaunlich: „WM-Auslosung“! Männer, wen hat es interessiert, die wichtigste Frage ist doch beantwortet: In drei Monaten fahren wir ohne Holland zur WM! Bei den „Wo-Fragen“ lag deutschlandweit an achter Stelle „Wo liegt Lotte?“. Das dürfte nicht nur den abgedankten ‚Königlichen Landrat‘ Kubendorff (KK 2004) erstaunt haben. Denn wo Lotte liegt, wissen alle, nicht nur unsere Krautkönige Willi Lemke und Gerd Niebaum (KK 1993/97), sondern jeder der Haxen wie Fußballerwaden schätzt, spätestens seit der letzten Pokalsaison. Übrigens, das königliche Lotte liegt nicht nur westlich von Osnabrück, sondern auch südlich von Osnabrück, sogar noch südlich von Münster, wenn man auf die tabellarische DFB-Landkarte sieht. Bei den „Was-Fragen“ lag auf Platz 8 „Was ist eine Opposition?“ zwei Plätze hinter „Was soll ich wählen?“. Bei den „Warum-Fragen“ lag auf Platz 8 „Warum soll ich wählen gehen?“, immerhin einen Platz vor der Frage – und jetzt halten Sie sich fest – „Warum haben Männer Brustwarzen?“. Männer, wir brauchen keine Brustwarzen, wir trinken Bier. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des veganen Krautes und der fleischigen Haxen, die Google-Rangliste zeigt, dass das vergangene Jahr ein Jahr der Wahlen war. Selbst Friedhelm Fahrtmann (KK 1991) würde seinem amtierenden Nachfolger auf dem Fraktionsthron im Nachhinein bestätigen: Die wichtigste Wahl 2017 war trotz allem die NRW-Wahl, also die von Norbert dem Roten in Wersen! Gewählt wurde aber auch in Nordrhein-Westfalen, in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen. Im Pferdeland zwischen Harz und Hase wird die frisch restaurierte Hofkutsche, vor der einst Christian Wulff und David McAllister (KK 1998/2005) galoppierten und für die Uwe Schünemann (KK 2011) Zügel und Zaumzeug pflegte, weiterhin von demselben ‚Roten Ross‘ gezogen. Auch wenn Dr. Reiner Klimke (KK 1992) und Ullrich Kasselmann (KK 2012) eine holprige Wendung auf der Vorhand mit Wohlwollen betrachtet hätten, das Steuervolk jedenfalls wollte den verlässlichen Hannoveraner nicht vom Herrscher- auf den Gnadenhof schicken. Klar: Weil, der Krautkönig von 2015 in Wersen nicht in Versen gesprochen hat, konnte sich mancher keinen rechten Reim auf seine Rede machen. Klar ist aber: Jetzt kann Stephan Weil an der Aller auch noch Reiterkönig in Verden bei den Pferden werden. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des herzhaften Krautes und der knusprigen Haxen, in NRW lieben die Menschen Curry-Wurst mit Pommes und ‚Starkes‘ Hackepeter mit Zwiebeln. Helmuts ‚Linssen-Suppe‘ (KK 2002) hat dem Land nach ‚Rüttgers Sekt‘ (KK 1999) auf Jahre ‚Kraft‘ beschert. Jetzt hatten die Leute Rotkraut mit Gegartem aus dem ‚Römertopf‘ satt. Mit pürierten Pommes schmeckte dies sogar auf der Kö, aber sieben Jahre lang, morgens, mittags, abends diese „Kraftbrühe mit Löhrmann-Einlage“: davon bekommt selbst am Rhein das stärkste Volk die Ruhr. Das war durchschlagender als 16 Jahre Kohlsuppe! Da hätte selbst Ex-Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (KK 1995) kein wirkendes Heilkraut gewusst. Die SPD wollte es homöopathisch mit Hubertus Heil (KK 2008) probieren. Leichter hat es Christina Schulze Föcking als Steinfurterin. Die neue Ministerin für Verbraucherschutz könnte, wenn man sie ließe, Kraut und Haxe als lokales Vaterlandsgericht auszeichnen. Vorsorglich hat sie mit Heinrich Bottermann einen Mann zum Staatssekretär ernannt, der als promovierter Tierarzt natürlich weiß, wie eine gesunde Haxe aussieht. Sie hat ihn extra von der DBU geholt, weil er von der Osnabrücker Mahlzeit auch weiß, was die Kraft von Kohl ausmacht. Das nennt man Vitamin C, übrigens nicht nur bei Christdemokraten. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des streifigen Krautes und der strammen Haxen,

nicht einmal ein Jahr nach ‚Schwarz und Gelb mit Pink‘-wart alles gut. Die Kuschelkoalition scheint NRW zum Li-La-Laune-Land zu machen. Tatsächlich: Li-enenkämper, La-schet und Lau-mann, unser Krautkönig von 2010, strahlen wie ihr reaktivierter Energieminister rheinischen Frohsinn und westfälische Zuversicht aus. Und das müssen und können sie auch, denn das letzte Kraftwerk im Land wurde politisch vom Netz genommen. Und ohne den Krautkönig von 2014, Garrelt Duin, der als Minister einmal Dynamo-Garrelt genannt wurde, scheint das ‚Li-La-Laune‘-Trio sogar von Rot und Grün kaum Gegenwind zu bekommen. Aber Achtung, „Nomen est Omen“, wie der Weißkohl-Regent aus dem römischen Castrop-Rauxel schon wusste. Im Parlament steckt immer noch eine gewisse oppositionelle Kraft. Und ob das fußballverrückte Volk an Rhein und Ruhr, in einem Land mit Köln, Leverkusen, Mönchengladbach und Schalke dauerhaft Schwarz-Gelb, also eine BVB-Koalition aushält, zeigt sich spätestens am Ende der Saison. Vor allem die Kölner könnten die Leidtragenden sein. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des gesunden Krautes und der gegrillten Haxen,

jeder konnte es lesen. Letztes Jahr war ein Merkel würdiger Wahlkampf! Gegen das standfest-flexible große ‚M‘ in der CDU (nicht mit dem ‚Club der Untoten‘ zu verwechseln) hat es die SPD (ihrerseits leicht mit einer ‚sich permanent duzenden‘ Selbsthilfegruppe zu verwechseln) trotz Warnungen aus der eigenen Partei nach Helmut Schmidt und „Wladimir“ Schröder buchstäblich wieder mit einem eigenen großen ‚S‘-Kandidaten versucht. Nach Scharping, Steinmeier und Steinbrück sollte es Schulz richten und in fünf Jahren vielleicht Vizekanzler Scholz oder Svenja Schulze? Merken die Genossen denn nicht, dass das große ‚S‘ nicht nur in der SPD, also im Namen der Partei, als Anfangsbuchstabe nicht mehr zieht? Dann hätte man gleich mit dem Krautkönig von 2001 in den Wahlkampf ziehen sollen. Für die Mutti wäre es zumindest mit Schwanhold Ernst geworden. Oder einfach mal den Anfangsbuchstaben wechseln! Wie wäre es mit dem Krautkönig von 1996? F.I.P., das klingt nach moderner F.D.P. und so ist auch sein Programm. Fast immer präsent, das ist er auch heute. Ich begrüße den Ehrenbürger von Osnabrück, Hans-Jürgen Fip. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des köstlichen Krautes und der königlichen Haxen,

was waren das 2017 nur für postfaktische Themen. Kultus- und Wissenschaftsminister wie die Krautkönige Remmers und Cassens (KK 1994/KK 90) hätten den Kopf geschüttelt. Selbst seine abgeklärte Majestät von 1977, Horst Wermeyer, hatte so etwas noch nie erlebt. Die FDP wollte Ladenöffnungen am Sonntag, die Linke rechtfertigte den ‚Blauen Montag‘, die SPD wollte den Dienstag mehr in die ‚Mitte der Woche‘ rücken, einige Grüne wollten weiterhin den Veggie-Day am Donnerstag, manche in der CDU noch mehr Fisch am Freitag, die CSU mehr Bier am Samstag, und die AfD wollte jeden Tag die Regierung jagen! PETA wollte Angelsport im Ferienpass-Programm verbieten und trotzdem fischten manche wie ein Storch weiter im Trüben. Selbst das nüchterne Volk schwankte also zwischen ‚fischen und jagen‘, zwischen ‚Petri Heil‘ und ‚Weidmannsheil‘, was der neue Arbeitsminister Hubertus Heil (KK 2008) zuletzt für einen Gruß unter Genossen hielt. Am Ende entschied das Wahlvolk sich zwischen ‚Schluß mit Schulz‘ und ‚Mutti, das schafft uns‘. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des saftigen Krautes und der von Püree umschlungenen Haxen, früher stellte man sich zur Wahl, um zu regieren. In Berlin hörte man kurz danach: „Ich strebe gar nichts an!“ Waren das die Ambitionen des im letzten Jahr proklamierten „Winterkanzlers“? Der Martin – der Schulz – hätte sich den Genossen Frank, also den ‚Henning aus der Hasestadt‘ zum Vorbild nehmen sollen. Der Osnabrücker strebt fast alles an, auch ohne vorher die Basis zu fragen. Der praktiziert dafür sogar politisch die ‚Ehe für alle‘: Regenbogenkoalition nennt man das in der Friedensstadt! Seitdem geht‘s im Rat oft bunt durcheinander. Selbst Martin – der Luther – hätte seinen Augen und Ohren nicht getraut. Reformationsjubel, das würde er anders gewollt haben. Denn die Spektral-Koalition der sonnigen Gemüter bringt so viel auf den Weg, dass sich in Osnabrück jetzt manches staute. Ein Osnabrücker Autohändler soll sogar gesagt haben: Wer einmal am Nürburgring auf der ‚Nordschleife‘ war, versteht, wenn Osnabrücker den Wallring ‚Warteschleife‘ nennen. Und wenn demnächst Dieselfahrverbote und Tempo-30 auf Hauptstraßen kommen, macht Mobilität nur noch auf der E-Kartbahn am Nettebad Spaß. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des haltbaren Krautes und der frischen Haxen,

Warteschleife ist auch das, was das bundesdeutsche Wahlvolk seit dem September erlebt hat. Statt Koalieren, Kollaborieren oder kraftlos kollabieren wollte die SPD lieber regenerieren. Die anderen, CDU, CSU, Grüne und FDP wähnten sich schon unter der Sonne der Karibik. Martin blieb mit Kevin allein zu Haus. Vielleicht lag es daran, dass der BER noch nicht fertig ist; mir war jedenfalls verdächtig, dass man sich auf dem Weg nach Jamaika nicht an einem Flughafen traf. Um nun wie letzten Sonntag angekündigt mit Groko-Fly ab Ostern durchzustarten, sollte der FMO deshalb am 1. April „Frau Merkels Option“ sein. Eine auf der ITB in Berlin vorgestellte Studie bestätigt übrigens die Attraktivität des FMO. Man munkelt, dass die Studie nächstes Jahr vom Wissenschafts- und Forschungsministerium evaluiert werden soll. Insider sprechen schon vom Karli-Check! Stattdessen sondierten die Jamaikafreunde in der Vertretung von Baden-Württemberg, deren Landesflagge schwarz-gelb ist. Anstatt in Berlin auf einem Raucherbalkon zu posieren, hätten sie die frische Luft von Schleswig-Holstein inhalieren sollen! Auch wenn Kiel nicht Kingston ist, an Nord- und Ostsee kennt man sich mit Inseln aus. Hier gibt es sogar ein Jamaika. Dort regieren jetzt der neue Grünen-Chef Robert Habeck, der Kretschmann des Nordens, und Wolfgang Kubicki, der sein letztes weißes Hemd für Schwarz-Gelb-Grün gegeben hätte. Sie regieren erfolgreich mit dem schwarzen Daniel, dem CDU-‚Günther‘. Kein Wunder, „Nachnamen wie Vornamen“ kommen überall gut an und erleichtern nicht nur Genossen das Duzen. Krautkönig Manfred I., genannt der ‚Hugo‘, ‚Boss‘ im Osnabrücker Land, ist das beste Beispiel. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des fettarmen Krautes und der eiweißreichen Haxen,

die Werbetexter kannten schon den Slogan: Ja, „Meica macht das Würstchen“, aber wer möchte schon das Würstchen sein? Christian Lindner mochte jedenfalls nicht. Jetzt ahnen es die Letzten, warum er 2015 zum „Aalkönig des Rheinlandes“ gewählt wurde. Als Liberaler isst er natürlich lieber Aal. Entsprechend gewunden war seine Konsequenz aus den vielen Abstrichen, die die FDP machen sollte: „Es ist besser, nicht zu regieren als falsch zu regieren“. Guido Westerwelle (KK 2000) und Jürgen Möllemann (KK 1988) hätten sich entgeistert angeguckt, Dirk Niebel (KK 2007) hätte es nicht auf seinem Teppich gehalten. Cem Özdemir soll frustriert gesagt haben: „War das die kontrollierte Freigabe von Cannabis, welches Kraut hat der, was ich nicht habe?“ Heinrich Franke (KK 1989), den ehemaligen Chef der Bundesanstalt für Arbeit, können wir nicht mehr fragen, aber wenn Friedhelm Pösse ein freundliches Wort bei Olaf Wienhaus in Wersen einlegt, könnte Christian Lindner vielleicht als Krautkönig vermittelt werden. Für Philipp Rösler (KK 2006) hätte das eine süßlich-bittere Note. Als Gesundheitsminister und erst recht als Arzt weiß er, dass Abstriche am Ende sogar von den Krankenkassen bezahlt werden. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des eingelegten Krautes und der vorgelegten Haxen,

Jamaika ist nicht nur Reggae und Bob Marley. Jamaika heißt immer auch sportlicher Ehrgeiz. Bei den Sommer-Spielen in Rio hatten sie noch die schnellste Männer-Staffel. Jetzt in Berlin wollte für Deutschland ein ‚Gemischtes Quartett‘ aus CDU, CSU, Grüne und FDP antreten. Christian Lindner, der Senkrechtstarter, der Usan Bolt der FDP, hat aber schon vor der Schlusskurve das Staffelholz hingeworfen. Aus, Ende, Disqualifikation, das Volk buht. Aber Jamaika, das war bei den Winterspielen 1992 auch Jubel über den ersten von Schwarzen gesteuerten Männer-Bob. Ob in Deutschland Jamaika oder in Süßkorea jetzt Jamanka, erfolgreich, nie gedopt, aber bestens frisiert, sind unsere Damen-Bobs. Die schwarze Steuerfrau mit dem Bob, die gerade eine neue Anschieberin aus dem Saarland ins Team geholt hat, hat den Schlitten mit dem Bundesadler über Olympiaden hinweg ohne Sturz ins Ziel gebracht. Nach Meinung der Süddeutschen hat das zwei Gründe: Vor allzu steilen Linkskurven verlagert der Anschieber aus dem Seehofer-Land das Gewicht nach rechts und die anderen Kameraden aus dem Arbeitersportverein machen sich auf der Strecke windschnittig klein. Wenn ein Jamaika-Bob auf deutscher Bahn irgendwann diesen Erfolg haben will, hieße das daher, ein ganz großes Feuer abzubrennen. Da reicht wohl kaum ein einzelner Spahn aus dem Münsterland. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des Vitamin-Krautes und der Wersener Haxen,

nicht nur letzte Woche in Italien, sondern auch letztes Jahr gab es Wahlen bei unseren europäischen Nachbarn. Markus Pieper und Elmar Brok, die Krautkönige von 2009 und 2016 waren besonders gespannt, was aus dem Europa von Mitterand und Kohl, dem im Juni verstorbenen deutsch-deutschen Kanzler, wird. Nach den Wahlen im Königreich der Niederlande entschieden die Franzosen in den Wahlkabinen ‚mit dem Stift für ihre Krone‘, also „avec LE PEN pour MA COURONNE“. Das Ergebnis war dann auch klar, Le Pen ist weg, Macron wurde Präsident. In der benachbarten Alpenrepublik ging es im Oktober dann um die Krone Austrias. Deren Herrscher haben Europa in der österreich-ungarischen KuK-Zeit geprägt wie kaum andere. 100 Jahre später scheint nun sogar Kaiser Franz bei den Bayern Geschichte. Und selbst Österreichs aktuelle Kanzler-Periode wird in die Chroniken nur als „Kurz-Ära“ eingehen. Denn der wahre KuK-Regent, also der Monarch von Kraut und Kartoffelpüree, kommt schon lange nicht mehr aus Wien an der Donau, sondern aus Wersen an der Düte. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des gezwiebelten Krautes und der gepfefferten Haxen,

was ist das für eine Diskussion um das Dieselverbot in deutschen Städten. Die Leute verstehen die ganze Aufregung um Schadstoffe und Grenzwerte kaum noch. Gestern berichtete jemand aus Büren von einem Besuch in Stuttgart. Dort hätte er eine Anzeige gelesen: „Diesel – allerdings ohne die ganz neuen Modelle – alle bis zu 70 Prozent reduziert“. Er wollte sich gleich zwei kaufen. Jetzt habe er Zweifel, ob er damit demnächst noch nach Osnabrück kommen dürfe. Ich konnte ihm die Sorgen nehmen. Heute rief er mich jedoch an. Vorsichtshalber habe er neben den Dieselmodellen dann doch noch zwei Levi’s, Lee, Replay und Wrangler gekauft. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des Sauerkrautes und der Schweinshaxen,

Freier, Loske, Börste und Wienhaus, der Wechsel der amtierenden Vorsitzenden des Bürgervereins wurde 2017 nur noch vom Wechsel der Trainer der Sportfreunde getoppt. Atalan, Corrochano, Fascher und Golombek! Lieber Herr Wilke, so schnell wechselt in einem Jahr nicht einmal Donald Trump seine Sicherheitsberater. Dagegen ist das Amt des Krautkönigs glatt von Beständigkeit geprägt. Krautkönig ist die beste Regierung im Lila-Laune-Land, nach freier Verfassung demokratisch gekürt und auf Zeit. Sogar die designierte Nachfolgerin von August Bebel und Wilhelm Liebknecht „Pippilotta Viktualia“ Nahles – explosive Literaturexpertin aus der Vulkaneifel – und auch der geschrumpfte 100%-Mann, der Partei/Buch-Händler aus Würselen, werden es noch spüren: Große Koalition macht keinen Spaß. Prost Männer, hoch lebe das Krautvolk!

Männer, Liebhaber des besten Krautes und der schönsten Haxen,

der Ikarus aus dem Willi-Brandt-Haus steht jetzt mit geknickten Flügeln da. Das Ende ist „Nahles“-terte die Opposition, und was den niedersächsischen Erzengel angeht, hat schon der Weinkenner Björn Engholm gesagt, nicht jeder Rote ist gut im Abgang. Ich sage euch, die 43. Werserner Monarchie wird die beste Minderheitsregierung sein, seit Krautkönig Elmars Broxit und der Römervertreibung aus Westfalen!

Mein glückseliges Krautvolk, 42 Jahre nach Johann Scholten (KK 1976), dem ersten Kurkönig aus Lotte, und 15 Jahre nach Krautkönig Friedhelm Ost (KK 2003) kommt Euer neuer König aus dem friedlichen Osten. Lotte-Osnabrück, so sieht die ‚Achse des Guten‘ aus. Wolfgang der Erste grüßt aus den Wersener Ratsstuben, dem Walhalla Westfalens! Prost Männer, Prost glückliches Krautvolk, ich habe fertig!

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