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Baum des Monats: Die Stechpalme schmückt das Münsterland auch in Wappen Ein Immergrün mit biblischen Bezügen

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Lotte. Palmen sind nichts für kalte Winter. Von wegen! Die rot leuchtende Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium) mit ihren immergrünen, meist stachelspitzen Blättern wird besonders gerne zu Weihnachten als Dekoration auf Tischen und in Blumenarrangements gewählt. Und in der Natur sehen die Zweige unter einer zarten Schneehaube einfach bezaubernd aus.

Die Gattung wächst weltweit in allen Klimazonen. Sie umfasst etwa 400 bis 600 Arten und wird in drei Untergattungen gegliedert: Byronia, Prinos und Ilex. Die leicht frostempfindliche, tief wurzelnde Stechpalme kann bis zu 15 Meter hoch werden. Ein besonders schönes Exemplar steht vor der Dominikanerkirche in Osnabrück. Den Großbaum ließ der ehemaligen Mitarbeiter des Grünflächenamtes, Klaus Schröder aus Wersen, verpflanzen. Der Standort dieses Baumes war über 30 Jahre in Eversburg gewesen.

Der Strauch oder Baum wird auch Gemeine Stechpalme, Holly, Walddistel oder Hülskrabbe genannt. Der Hülskrappenweg in Metten zeigt, dass der Ilex relativ häufig in unserer Gegend wächst. Die Blätter der Hülskrabbe sind auch in den Wappen von Gemeinden im Münsterland enthalten: als Zweig mit Beeren im Wappen der Gemeinde Reken im Kreis Borken.

Die Stechpalme wird gerne in Parks und Gärten angepflanzt und gehört zu den zuverlässigen Gehölzen für einen immergrünen Garten. Sie dient zur Begrünung im Schatten- und Wurzelbereich intoleranter Baumarten, informiert „Bruns Pflanzenkatalog“. In Deutschland steht der Ilex nach der Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz.

Der Ilex ist keine echte Palme, doch der Name ist auf das biblische Geschehen am Palmsonntag zurückzuführen. Christen in aller Welt gedenken des Einzugs Jesu in Jerusalem. Priester weihen Weiden, Buchsbaum und Stechpalmen als „Palm“. Johann Wolfgang von Goethe schrieb dazu ein weniger bekanntes Gedicht: „Im Vatikan bedient man sich Palmsonntags echter Palmen. Die Kardinäle beugen sich und singen alte Psalmen. Dieselben Psalmen singt man auch, Ölzweiglein in den Händen, muß im Gebirg zu diesem Brauch Stechpalmen gar verwenden.“

Das dichte Hülsenholz wurde zu Intarsien oder Spazierstöcken verarbeitet, denn es ist polierfähig und erzeugt keine Blasen an den Händen. Im Goethehaus in Weimar steht Goethes bekannter, aus Steckpalmenholz gefertigter Spazierstock. Erwähnenswert ist, dass aus tropischen und subtropischen Arten Tee gewonnen wird. Ilex paraguariensis ist der berühmte Mate-Teestrauch.

Die immergrüne Pflanze als Inbegriff des ewigen Lebens umweht ein Mythos aus der vorchristlichen Zeit der Kelten, Römer und Germanen. Das grüne Laub und die roten Beeren verkörperten für sie in der dunklen Jahreszeit Hoffnung und Liebe. In Kriegs- und Räuberzeiten boten undurchdringliche Dickichte in Gegenden mit hoher Luftfeuchtigkeit Schutz vor Feinden, weiß Wikipedia.

Das langsam wachsende Gehölz kann 300 Jahre alt werden. Die Früchte und Blätter sind giftig. Schon 20 bis 30 Beeren können für Erwachsene tödlich sein. Erste Symptome wie Erbrechen und Durchfall können bereits nach dem Verzehr von zwei Beeren auftreten. Die grünen Blätter überleben etwa drei Jahre. Die Blüten locken von Mai bis Juni hungrige Insekten, vor allem Bienen, an. Die Giftstoffe scheinen Vögeln wie Amseln, Drosseln, Rotkehlchen und Mönchsgrasmücken nicht zu schaden, denn sie verbreiten den Samen für neue Stechpalmen überall in der Landschaft. Die roten Beeren sind ein wichtiges Winterfutter für die heimischen Vögel.


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