„Zu 99,1 Prozent gut gelaufen“ Lottes Bürgermeister über den Evakuierungseinsatz

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Lotte. Auf dem Gelände der ehemaligen Landwehrkaserne gehen die Sondierungsarbeiten weiter. Gut möglich, dass weitere Bombenblindgänger gefunden werden. Gut möglich, dass die Bürener wieder evakuiert werden müssen. Wie ist die Gemeinde Lotte darauf vorbereitet?

Gut zwei Wochen ist es her, dass ein überraschender Bombenfund im angrenzenden Osnabrück die Gemeinde Lotte dazu zwang, innerhalb weniger Stunden und ohne Vorlaufzeit 4450 Bürger aus Büren zu evakuieren. Auf NRW-Seite waren dazu 262 freiwillige Helfer im Einsatz. „Unter den verschärften Bedingungen hat das hervorragend geklappt“, betont Bürgermeister Rainer Lammers, räumt aber zugleich ein, dass einiges hätte besser laufen können.

Verbesserungsbedarf vorhanden

So wurde zwar sofort nach Bekanntwerden der Blindgängersichtung auch im Wersener Rathaus eine Einsatzzentrale mit Bürgertelefon eingerichtet, doch das sei mit 230 Anrufen zwischen 18 und 1.30 Uhr völlig überlastet gewesen. „Die meisten Leute wollten wissen, wie lange die Evakuierung dauert und haben damit die Leitung blockiert“, berichtet Lammers. Konsequenz: „Beim nächsten Mal werden wir mindestens zwei Leitungen freischalten.“

An die Bürger appelliert er gleichzeitig, sich in so einem Fall im Internet zu informieren – die Stadt Osnabrück hatte dort unter anderem auf eine Telefonnummer hingewiesen, unter der bettlägerige oder kranke Personen eine Transportmöglichkeit anfordern konnte. Aber auf der Homepage der Gemeinde Lotte gab es weder am Montag noch am Folgetag irgendwelche Informationen zur Bombenräumung und zur Evakuierung, monierten einige Bürger. Auch das werde sich künftig bei mehr Vorlaufzeit ändern, versicherte Lammers, wies aber auch darauf hin, dass man über Radio RST alle, auch jene Bürener, die das Internet nicht nutzen, versucht habe, zu informieren. Zudem seien Feuerwehr und THW-Kräfte von Haus zu Haus gegangen, seien dabei aber oft auf Unverständnis und sogar Weigerungen gestoßen, die Wohnung zu verlassen. Wegen einiger weniger solcher Uneinsichtigen hatte sich die Evakuierung wie berichtet bis in die Nacht hingezogen.

Neben Polizei, DRK-Mitgliedern und anderen freiwilligen Helfern im Evakuierungszentrum in der Gemeinschaftshauptschule in Wersen waren allein auf NRW-Seite laut Lottes Feuerwehrchef Marcus Prinz 90 Feuerwehrleute und 20 Kräfte des Technischen Hilfswerkes (THW) vor Ort.

Warum die persönliche Benachrichtigung in Einzelfällen wie beim Ehepaar Raabe nicht geklappt habe, könne er nicht sagen, so Lammers. Wäre es nicht besser gewesen, zusätzlich zur Telefon-Hotline, Osnabrücker Internet-Info, Radiodurchsagen und Hausbesuchen mit einem Lautsprecherwagen auch jene (älteren) Menschen anzusprechen, die von den digitalen Medien nicht erreicht werden? Die Gemeinde selbst, so erklärt der Bürgermeister, habe keinen solchen Lautsprecherwagen, wohl aber die Feuerwehr. Und den einzusetzen, so räumt er ein, „wäre beim nächsten Mal sicher besser“.

Im Fall einer größeren Katastrophe – wozu allerdings nicht die Evakuierung wegen eines Bombenblindgängers gehört – ist die Gemeinde Lotte übrigens nach wie vor mit Alarmsirenen auf dem Dach des Rathauses in Wersen sowie in Alt-Lotte und in Büren gerüstet. Auch Halen werde „demnächst“ mit einer solchen Sirene ausgestattet, kündigt Lammers an. Sie soll entweder auf dem Dach der ehemaligen Schule oder der Turnhalle installiert werden.

Lob für freiwillige Helfer

In internen Auswertungsgesprächen mit Ordnungsamt, Feuerwehr und DRK soll geklärt werden, wie man sich „an der einen oder anderen Stelle noch besser aufstellen“ kann. Der Bürgermeister verwahrt sich jedoch dagegen, Kritik an einzelnen, verbesserungswürdigen Punkten „hoch zu hängen“, und verweist darauf, dass überhaupt keine Zeit zur Vorbereitung blieb. Unter solchen Umständen könne nicht alles wie am Schnürchen laufen. Dennoch habe man die Situation zu 99,1 Prozent gut bewältigt: „Viele Freiwillige haben sofort alles stehen und liegen gelassen, um zu helfen“, unterstreicht er. Ihnen gebühre Dank für ihren vorbildlichen Einsatz.


Verhalten im Katastrophen-/Evakuierungsfall

• Packen Sie eine Tasche mit allen wichtigen Dokumenten und Medikamenten, Bargeld und eventuell auch etwas Proviant

• Achten Sie auf Lautsprecherdurchsagen von Polizei und Feuerwehr

• Schalten Sie sofort den lokalen Radiosender (Radio RST: 91,15 MHZ) ein und achten Sie auf wichtige Informationen

• Bei Bombenfunden im Osnabrücker Grenzgebiet informieren Sie sich auch auf der Homepage der Stadt Osnabrück: www.osnabrueck.de

• Installieren Sie die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kurz Warn-App „NINA“ – Warnmeldungen und Informationen werden direkt auf dem Smartphone angezeigt

• Informieren Sie Freunde, Verwandte und Nachbarn

• Machen Sie auf sich aufmerksam, wenn Sie Hilfe benötigen

• Den Anweisungen der Rettungskräfte und der Polizei ist Folge zu leisten

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