Rathaustoilette wird saniert Für öffentliches Örtchen hat Wersen zu wenig zu bieten

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Westerkappeln hat ein hochmodernes, öffentliches WC auf dem Kirchplatz. Wersens öffentliche Plätze haben für ein öffentliches Örtchen zu wenig Aufenthaltsqualität entschied der Haupt- und Finanzausschuss. Archivfoto: Anke BeimdiekWesterkappeln hat ein hochmodernes, öffentliches WC auf dem Kirchplatz. Wersens öffentliche Plätze haben für ein öffentliches Örtchen zu wenig Aufenthaltsqualität entschied der Haupt- und Finanzausschuss. Archivfoto: Anke Beimdiek

Lotte. Die Toilettenanlagen im Rathaus in Wersen sollen saniert werden, einen öffentlichen Zugang zu den Anlagen außerhalb der Geschäftszeiten wird es jedoch nicht geben. Das beschloss der Haupt- und Finanzausschuss.

Damit schloss sich das Gremium der Beschlussempfehlung der Verwaltung an, die in der Vorlage ausführlich gegen den FDP-Vorschlag öffentlich zugänglicher Rathaustoiletten argumentiert hatte.

Im November vergangenen Jahres hatte die FDP-Fraktion im Bau- und Planungsausschuss vorgeschlagen, im Zuge der Sanierung der Rathaustoiletten einen Außenzugang einzurichten, sodass die Anlagen auch außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses für das Verrichten einer Notdurft zur Verfügung stehen. Der Bau- und Planungsausschuss beauftragte die Verwaltung damals, den Bedarf einer solchen Einrichtung zu ermitteln.

Keine konkrete Zahlen verfügbar

Hierfür konkrete Zahlen zu finden, erwies sich offenbar als schwierig. Es gebe keine offiziellen Statistiken zum Thema, heißt es in der Beschlussvorlage. Festzuhalten sei jedoch, dass für den „Bedarfsfall“ drei Toiletten am Rathausplatz zur Verfügung stehen: in der angrenzenden Pizzeria, in den Ratsstuben und eben im Rathaus selbst. Unter der Woche sei so der Toilettenbedarf fast durchgehend von 8.30 bis 1 Uhr nachts gedeckt – vorausgesetzt natürlich, dass zuvor jeweils ein Gespräch mit den Gastwirten gesucht wird, ob eine Benutzung der Toiletten als Nicht-Gast möglich ist. Lediglich samstag- und sonntagvormittags gebe es keine entsprechenden Möglichkeiten.

Wersen ist „touristisch kaum interessant“

Der wichtigste Punkt ist aus Sicht der Verwaltung jedoch der zu erwartende Bedarf und stellt dazu fest: „Aufgrund des Mangels an besonderen Sehenswürdigkeiten ist Wersen touristisch leider kaum interessant.“ Der dortige Einzelhandel werde wohl hauptsächlich gezielt von Bürgern aus dem Ort aufgesucht, die ohnehin eine Toilette in unmittelbarer Nähe hätten. Es gebe „keinen Platz von besonderer Aufenthaltsqualität“.

Ratsstubenwirt Thomas Engel erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, es gebe aus seiner Sicht durchaus Bedarf an einer öffentlichen Toilette, schon um den Platz aufzuwerten. Gelegentlich komme es vor, dass auch Nicht-Gäste seine Toilette benutzen wollen. Dagegen schätzt Giancarlo Langella, Inhaber einer Pizzeria am Rathausplatz, dass der Bedarf wohl eher gering sei. Lediglich zu besonderen Anlässen wie dem Weihnachtsmarkt sieht er eine erhöhte Nachfrage.

Blick in die Nachbarkommunen

Beim Blick in die Nachbarkommunen stellte die Verwaltung fest, dass die wenigsten Gemeinden öffentliche Toiletten rund um die Uhr vorhalten. In Lengerich etwa gebe es zwei öffentliche Anlagen, die regelmäßig beschädigt und einen Reinigungsaufwand von einer Stunde pro Tag beanspruchen. In Recke fallen die ehemals öffentlich zugänglichen Toiletten am Rathaus bald weg. In Westerkappeln dagegen gibt es eine behindertengerechte Anlage neben dem Kirchplatz, die derzeit noch gratis ist und erst bei Fällen von Vandalismus kostenpflichtig werden soll.

Zunächst Aufenthaltsqualität erhöhen

In keinem der Fälle konnten jedoch konkrete Zahlen ermittelt werden, wie oft die Toiletten aufgesucht werden. Die Verwaltung schlägt vor, zunächst die Aufenthaltsqualität öffentlicher Plätze in den Ortsteilen zu erhöhen. Die Frage nach öffentlichen Toilettenanlagen könne dann erneut aufgegriffen werden.

Bis auf die FDP-Fraktion, vertreten von Friedhelm Pösse, konnten sich dieser Argumentation alle Ausschussmitglieder anschließen. Thomas Giebel stellte für die SPD klar: „Unserer Auffassung nach sind öffentliche Toiletten in unserer Gemeinde ländlicher Prägung nicht notwendig, egal in welchem Ortsteil.“ Pösse hielt nur in einem knappen Statement dagegen: „Die Notdurft ist keine Frage der Einwohnerzahl, hier geht es nicht darum, Statistiken aufzustellen. Es ist eine Grundsatzfrage.“

Der Sanierung der Rathaustoiletten stimmte der Ausschuss dagegen geschlossen zu.


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