Aussagen belasten Familienvater Missbrauchsprozess in Münster fortgesetzt

Von Holger Wendt

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Durch die Zeugenaussagen am zweiten Verhandlungstag am Landgericht Münster wurde der Angeklagte schwer belastet. Symbolfoto: Michael GründelDurch die Zeugenaussagen am zweiten Verhandlungstag am Landgericht Münster wurde der Angeklagte schwer belastet. Symbolfoto: Michael Gründel

Münster/Tecklenburger Land. Elf Mal soll der 39-jährige Familienvater aus dem Tecklenburger Land seine beiden leiblichen Kinder von 2005 bis 2012 zum Teil schwer sexuell missbraucht haben. Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe am ersten Verhandlungstag entschieden, jetzt wurde der Prozess vor dem Landgericht Münster fortgesetzt.

Eines der Kinder hatte die Aussage vor Gericht verweigert, das andere die Vorwürfe gegen seinen Vater unter Ausschluss der Öffentlichkeit bekräftigt. Ebenfalls hinter verschlossenen Türen hatte auch die Mutter der mutmaßlichen Opfer ausgesagt. Sie habe erst spät von den Übergriffen, die ihrem Ex-Ehemann vorgeworfen werden, erfahren.

Großmütter machen unterschiedliche Beobachtungen

Am zweiten Prozesstag sagte nun die Oma väterlicherseits aus, dass sie den Erzählungen ihrer Enkelkinder keinen Glauben geschenkt und auch nicht weiter nachgefragt habe. Verhaltensänderungen der Kinder will sie nicht bemerkt haben. Ganz anders klang da die Zeugenaussage der Oma mütterlicherseits: Habe ein Kind seinen Vater gesehen, so soll es gezittert haben, sagte sie über Auffälligkeiten im Verhalten der mutmaßlichen Missbrauchsopfer.

Im Sorgerechtsstreit geschwiegen

Doch obwohl sie über die Vorwürfe bereits einen Monat vor einem familienrechtlichen Verfahren über das Sorgerecht für die Kinder erfahren hatte, erwähnte sie davon im Sorgerechtsstreit nichts. „Warum haben Sie dort nichts davon gesagt? Es muss Ihnen doch auf den Lippen gebrannt haben“, hakte der Richter nach. Sie sei ja nicht danach gefragt worden, entgegnete die Zeugin.

Vater soll Kinder unter Druck gesetzt haben

Sie habe mit den Kindern ein befreundetes Ehepaar aufgesucht. Auch ihnen gegenüber sei im Gespräch von einem sexuellen Übergriff des Vaters berichtet worden. Schließlich war es dieses Ehepaar, das die Anschuldigungen der Polizei meldete. Das Paar sagte nun ebenfalls vor Gericht aus. Sie (die Kinder, Anmerk. d. Red.) hätten das bei ihm (dem Vater, Anmerk. d. Red.) machen sollen, weil ihre Mutter sie sonst angeblich nicht mehr lieb habe, soll der Vater gesagt haben. „Welchen Eindruck machten die Kinder auf Sie?“, fragte der Richter die Zeugin. „Für mich waren sie glaubwürdig“, antwortete diese.

Prozess wird fortgesetzt

Auch die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die als Sachverständige im Sorgerechtsstreit ein Gutachten angefertigt hatte, glaubte den Angaben des aussagewilligen Kindes. So wurde der Angeklagte durch die Aussagen am zweiten Verhandlungstag schwer belastet. Der Prozess wird am 13. März fortgesetzt.

(Weiterlesen: Prozessberichte aus der Region)


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