Gemeinsam für die Zukunft Lotte zeigt, wie Ikek funktioniert

Meine Nachrichten

Um das Thema Lotte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Lotte. Ein wenig überrascht, aber vor allem erfreut begrüßte Bürgermeister Rainer Lammers am Dienstagabend mehr als 100 Bürger sowie etliche Rats- und Verwaltungsmitglieder im aus allen Nähten platzenden Restaurant des Golfclubs Dütetal zur Informationsveranstaltung, die den Auftakt für das aus EU- und Landesmitteln geförderte Projekt mit dem sperrigen Titel „integriertes kommunales Entwicklungskonzept Lotte“ (Ikek) bildete.

„Ich hoffe, dass Sie am Ball bleiben. Sie haben das Sagen“, wünschten sich neben Lammers auch Lottes Wirtschaftsförderin Joana Watermeyer, zusammen mit Margarete Lersch vom Baumamt Ansprechpartnerin in der Gemeindeverwaltung, sowie Dr. Frank Bröckling und Helena Boos vom Münsteraner Büro Planinvent, das für die Projektkoordination verantwortlich zeichnet. Sie erklärten, was sich hinter Ikek verbirgt und wie es funktioniert. Ihre Präsentation, so kündigten sie an, wird auch noch ins Netz gestellt.

Für Konzept aus einem Guss

Ausgehend von der Bestandsaufnahme und einer Analyse der Stärken und Schwächen sowohl der einzelnen Ortsteile, als auch der Gesamtgemeinde gehe es darum, gemeinsame Zielvorstellungen zu erarbeiten, um ein „Konzept aus einem Guss“ für die langfristige und nachhaltige Entwicklung der Kommune zu bekommen. Das funktioniere nur, wenn sich möglichst viele Bürger aus allen Ortsteilen an dem „dauerhaften Prozess“, der laufend fortgeschrieben werde, aktiv beteiligen: Gemeinschaft sei der Schlüssel zum Erfolg, um ein „Werkzeug“ zu bekommen, „mit dem Ortsteile und Gesamtgemeinde arbeiten können.

Dorfwerkstätten und zentrale Foren

Wie angekündigt, werden dazu insgesamt vier Ortsteil-Workshops („Dorfwerkstätten“) als jeweils zweistündige Abendtermine veranstaltet, deren Ergebnisse in mehreren Foren auf Gesamtgemeindeebene zusammengeführt werden und dann bis zum Sommer in eine Ergebnispräsentation münden sollen. „Ab Herbst beginnt dann die Umsetzungs- und Verstetigungsphase. Es wird Projekte geben, die schnell umsetzbar sind, langfristige Projekte und eine Koordinationsgruppe“, so Bröckling.

Veranstaltungen immer für alle offen

Alle Veranstaltungen seien immer für alle offen, denn es geht darum, in sieben bis neun Monaten ein Dokument über einvernehmliche Ziele zu erhalten, über das dann auch der Rat entscheidet. „Sie haben die Dinge in der Hand“, warb der Planinvent-Geschäftsführer darum, sich mit eigenen Ideen einzubringen.

Zu ersten Aktivitäten waren die Besucher schon in der Auftaktveranstaltung aufgefordert: Zu Beginn wurde jeder gebeten, auf dem Ortsplan mit einer Stecknadel den Ortsteil zu markieren, aus dem er kommt. Auf den Tischen lagen grüne und rote Karten aus, auf die aus ihrer Sicht Stärken (grün) und Schwächen (rot) der Gemeinde und/oder des Ortsteils notiert wurden.

Kein Wunschzettel

Und für Fragebögen, auf denen unter anderem eine erste konkrete Projektidee und ein Wunsch für das zukünftige Lotte sowie Kontaktdaten für Rückfragen angegeben werden konnten, stand am Ausgang eine Sammelbox bereit. Das sei die „letzte Gelegenheit“ für einen Wunsch, scherzte Bröckling und stellte klar, was Ikek „nicht ist“ , nämlich „kein formelles Verfahren zu Festlegung von Bauland- und Gewerbeflächen, keine Gutachtensammlung, keine Planung am grünen Tisch und kein Wunschzettel, der nur abgegeben wird.“

Bürgerschaftliches Engagement

Ikek erfordere vielmehr eigenverantwortliches, gemeinsames und partnerschaftliches Handeln zur themenübergreifenden Erarbeitung von Leitbildern, Zielen und Projekten für eine langfristige, nachhaltige Entwicklung der Gemeinde. Ausgehend von den zentralen Fragen „Wo steht Lotte heute? Wo liegt das besondere Profil des Ortsteils und der Gemeinde insgesamt? Wie soll Lotte in Zukunft aussehen? Was muss getan werden, um dahin zu kommen?“ werde das Konzept die Themen städtebauliche Entwicklung, soziale und technische Infrastruktur, Demografie, Teilhabe, bürgerschaftliches Engagement, Wirtschaft, Mobilität, Bildung. Energie, Klima, Dorfökologie und Landschaftspflege, Kultur, Brauchtum, Freizeit behandeln.

Stärken und Defizite

Nach den ersten Ortsbegehungen in Wersen und Büren, so die Planer, seien ihnen folgende Dinge positiv aufgefallen: „starke

Ortsgemeinschaften in den Ortsteilen“, der Bekanntheitsgrad der Gemeinde aufgrund von Autobahnkreuz, Fußball und Sitz vieler Firmen, die Lage der Gemeinde, eine „insgesamt gute Versorgungsstruktur“, das anhaltende (leichte) Bevölkerungswachstum und „starker Wirtschafts- und Gewerbestandort“. Luft nach oben sehen sie bei der Entwicklung einer „gemeinsamen Identität von Lotte“, beim Thema „Älter werden im Ort“, bei der Nutzung von Naturraumpotenzialen wie der Düte, beim touristischen Profil und bei der Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur in den Ortsteilen.

Das deckt sich teilweise mit den Bewertungen auf den ausgefüllten Kärtchen der Bürger, die Helena Boos einsammelte und an die Stellwand pinnte. Dabei überwogen die roten Karten ein wenig. Diese ersten Einschätzungen werden noch ausgewertet. Einige aber wurden als Beispiele vorgelesen und zeigten, dass die Lotter die Lage der Gemeinde, also die Nähe zur Stadt Osnabrück und das grüne Umfeld und die gute Verkehrsanbindung ebenso als Pluspunkte sehen wie „gute Angebote für Kinder und Jugendliche“. Als Schwächen wurden beispielsweise die Verkehrsanbindung und die Einzelhandelsversorgung einzelner Ortsteile, der Mangel an Angeboten für Senioren, Leerstände in der Bahnhofstraße, Baulücken, ein fehlender Zebrastreifen vor dem Rathaus und die häufige Missachtung von Tempolimits genannt.

Verschiedene Fördertöpfe

Zum Abschluss stellte Bröcking Terminplanung und Zeitschiene vor, erläuterte die Förderung – als nachhaltige Ikek-Projekte kommen etwa Dorfgemeinschaftseinrichtungen, private Dorfentwicklungsprojekte bei ortsbildprägenden Gebäuden, Straßen, Plätze, Wege, aber auch die Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude in Frage, die mit 65 Prozent der Nettosumme gefördert werden – und beantwortete Fragen. So erklärte er unter anderem, dass 35 Prozent der Projektkosten samt Mehrwertsteuer selbst finanziert werden müssten, der Masterplan der Gemeinde in das Konzept einbezogen werde und dass es außer Dorferneuerungsmitteln auch Möglichkeiten aus Städtebauförderung und Leader-Programm gebe, wobei die Bezirksregierung der Gemeinde beratend zur Seite stehe. Nicht vorgesehen sei eine dauerhafte Förderung über lange Zeit.

„Das ist ein ganz tolles Instrument, um gute Projekte auf den Weg zu bringen“, warb Joana Watermeyer um dauerhafte bürgerschaftliche Mitarbeit. Denn damit und mit dem Aufbau eines partnerschaftlichen Netzwerkes steht und fällt alles.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN