NOZ-Beiträge für Bürgerstiftung Lotte Hate Slam und „Lügensuppe“ in den Wersener Ratsstuben

Von Ursula Holtgrewe


Lotte. Eine gelungene Kooperation von drei Gängen und Hate Slam, beigetragen von der NOZ, tischte der Wersener Ratsstubenwirt Thomas Engel beim 15. Benefizessen 25 mal 25 auf. Den Erlös erhält die Bürgerstiftung Lotte.

Der Stiftungsratsgeschäftsführer Dieter-Joachim Srock musste lauter sprechen als sonst, bis das angeregte Geplauder verstummte. Srock hieß als Ehrengast den Bramscher Bürgermeister Heiner Pahlmann willkommen. Der betonte später, dass es mit Rainer Lammers, Bürgermeister der Gemeinde Lotte, ein noch kleines Pflänzchen der Gemeinsamkeit zu pflegen gelte – und würde das gern beim Herrenabend in den Ratsstuben fortsetzen.

NOZ kooperiert für die Bürgerstiftung Lotte

Srock dankte Thomas Engel als Ideen- und Gastgeber, der in den Ratsstuben 25 Gäste zu je 25 Euro mit einem Drei-Gänge-Menü verwöhnt. Nach Abzug der Einkaufskosten erhält die Stiftung den Restbetrag.

Weiterhin stellte Srock Thomas Niemeyer als „Spiritus Rector in der Küche“ vor. Niemeyer war viele Jahre lang verantwortlicher Redakteur der Westfälischen Tagespost und ist nun Betriebsratsvorsitzender im Osnabrücker Medienhaus. Von Tochter Gianna Niemeyer hatte er Unterstützung erhalten für das Menü, getitelt: „Widersprüchliches in drei Gängen“.

Diesmal gab es beim Essen, das laut vielfach gelobter kreativer Speisekarte „Unappetitliches von der Schmierenpresse“ beinhaltete, Sebastian Philipps verbale Zwischengänge, auch herbe und bittere. Der NOZ-Redakteur hatte als kulturellen Beitrag einen vierteiligen „Hate Slam“ vorbereitet mit Auszügen aus NOZ-Zuschriften, die, weil übel beleidigend, seitenweise wenig lustig waren.

Noch vor dem Aperitif, dem „Aufmacher“, führte Thomas Niemeyer den Zuhörern vor Augen, warum „die Zeitungen“ so gefüllt werden, wie es geschieht: „Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Wir nehmen das auf und sind die Bösen. Aber warum machen wir das? Weil die Leser nur dann die Zeitung kaufen. Also: Sie sind die Bösen.“

Böse, gallig, beleidigend

Stimmt – zum Teil. Böse, gallig, giftig, mit persönlichen Beleidigungen und angriffslustig haben die Leser auf Berichte und Kommentare auch reagiert. „Ich könnte locker zwei Stunden nur aus Briefen und Beiträgen in den sozialen Medien zitieren“, erklärte Sebastian Philipp. Und, dass es in den Redaktionen einen beachtlichen Fundus prall gefüllter Giftschränke gebe, mit Leserreaktionen, die aufgrund des herrschenden Kodexes nicht auf Zeitungsseiten, sehr wohl aber beim Hate Slam veröffentlicht werden könnten.

„Schmierblatt“

So beleidigt ein Leser über Whattsapp die Redaktion als „lahmen Rentnerhaufen“, beeinflusst von Frau Merkels rosa Handy. „Schmierblatt“, kritisiert er unter anderem und droht: „Unterlassen Sie es weitere Nachrichten zu schicken, ansonsten gibt es wirklich eine einstweilige Verfügung diesbezüglich.“ Das sorgte für Erheiterung der Zuhörer, untermauert von Sebastian Philipps trockenem Kommentar: „Man kann die Zeitung im Internet einfach abbestellen.“

Häufig verbal angegriffen (englisch: bashing) werden Kollegen und die NOZ als Vertreter einer linken oder „blutroten“ Presse, die Hofberichterstattung betreibe, berichtete Philipp. Indes gebe es Grenzen bei Presse- und Meinungsfreiheit. Ein Leserbeitrag mit Morddrohung – allseitiges Kopfschütteln war die Reaktion – sei einem Anwalt übergeben worden, ergänzte der Hate Slammer.

„Lügensuppe“, „Ente im Blätterwald“ und Stilblüten

Appetitlicher kam das Menü daher: die „Lügensuppe“ mit Buchstabennudeln; „Quak“, die „Ente im Blätterwald“, die sich ganz Ente (Falschmeldung) als Hühnerbrust entpuppte. Zum Nachtisch gab es „Glosse“ („Glibber mit Soße“), als Letztes „Deadline“ („Klarheit/Wahrheit“).

Sebastian Philipp schloss seinen Vortrag mit veröffentlichten Stilblüten. „Leider treffen auch Journalisten nicht immer den richtigen Ton“, räumte er schmunzelnd ein. Unbedachte Wortwahl gab es beispielsweise bei: „Alle Wege sind mit hellem Recycling-Schotter aufgefüllt und sind nun auch für Rollstuhlfahrer begehbar.“ In einer Hausmitteilung stand: „Sofern das Wasser aus den Kaffeeautomaten nach Kaffee schmeckt, nehmen Sie bitte Kontakt mit Eva B. auf.“ Das Vergnügen steigerte sich mit: „Das gab’s noch nie: Kuh zum 2. Mal ,Miss Ostfriesland‘“, „Seminar für Frauen: Gesunde Euter – Gesunde Milch“ und weiteren erheiternden Kuriositäten.

Keine „Deadline“ der Geslligkeit

Folglich dankte Stiftungsratsmitglied Dr. Matthias Pfordt gut gelaunt allen Beteiligten, die zum gelungenen Abend beigetragen hatten. Eine Deadline für Geselligkeit war das nicht. Die kommunikativen Gäste hatten noch einiges zu diskutieren.