Entschärfung am Montag Bombenfund: Bürener Ehepaar am Strotheweg wurde nicht evakuiert


erbe/vpo Lotte. Kein Vorwurf kommt von ihnen, aber eine Antwort auf die Frage, warum sie nicht wegen des Bombenblindgängers in Osnabrück-Atter informiert und in Sicherheit gebracht wurden, hätten Helga und Helmut Raabe schon gerne.

Helga und Helmut Raabe vom Strotheweg haben die Nacht gut überstanden – in ihrem Haus, nicht im Evakuierungszentrum in der Gemeinschaftshauptschule in Wersen. Sie gehörten ganz klar zu den betroffenen Menschen, die ihre Wohnung hätten verlassen müssen – und auch wollten. „Ich bin eine einsichtige Bürgerin und wollte gestern evakuiert werden“, meldete sie sich am Dienstagmorgen in der Redaktion. (Weiterlesen: Stadt ärgert sich über egoistische Anwohner bei Bombensprengung)

Nachbarn wurden evakuiert

Was war passiert? Am Montag war Helga Raabe gegen 17.30 Uhr noch an der ehemaligen Kaserne vorbei gefahren. „Dort war mir nichts aufgefallen.“ Zwischen 18 und 18.30 Uhr rief Nachbarin Änne Hesse an. Sie bekam von ihrem Sohn, der von der Sprengung im Internet erfahren hatte, die Information, dass die Menschen, die in einem Umkreis von einem Kilometer um die Fundstelle wohnen, evakuiert werden müssen. „Es kommt gleich bestimmt jemand zu euch. Stellt euch schon mal drauf ein.“ Helga Raabe fand ebenfalls im Internet die Nachricht und eine Karte, „aus der zweifelsfrei hervor ging, dass wir dazu gehören.“ Bei Nachbarin Hesse hatte gegen 20 Uhr ein „junger, netter Mann“ vom THW Mettingen geklingelt und Bescheid gesagt. Sie wohnt Garten an Garten mit Familie Raabe Im Osterloh. Zusammen mit Nachbarn ist sie dann nach Wersen zur Sammelstelle gefahren.

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Auf Hilfe angewiesen

Auch Helga Raabe bereitete sich vor, packte Decke, Gesundheitskarte, Rätsel und etwas zum Lesen ein, versuchte jemanden bei der örtlichen Feuerwehr und Gemeinde zu erreichen, denn sie brauchte Hilfe und ein entsprechendes Fahrzeug, da ihr Mann einen Rollstuhl benötigt und der Weg zur Straße über Treppe und steile Einfahrt führt. Erreicht habe sie dort niemanden, also warteten die beiden, ob jemand klingelt. „Wir haben unser Haus und die Zuwegung hell erleuchtet, damit man uns nicht vergisst“, berichtete Helga Raabe.

Warten auf gepackten Koffern

„Bis 23.15 Uhr haben wir gewartet. Dann habe ich meinem Mann geholfen, ins Bett zu kommen.“ Aufgeregt seien sie nicht gewesen: „Wir waren ja weit genug entfernt“, meinte Helmut Raabe humorvoll. Um 23.45 Uhr guckte seine Frau noch einmal den Strotheweg entlang und sah lauter Rettungswagen, aber niemanden, der sie evakuieren wollte. Als sie kurz nach Mitternacht die Detonation hörte, war sie erleichtert und hoffte, dass alles gut gegangen war. Endlich konnte auch sie schlafen gehen.

Bedauerlicher Einzelfall

Auf Nachfrage erklärte Lottes Bürgermeister Rainer Lammers am Dienstag: „Die Sicherheit und das Leben der Menschen ist das Wichtigste, was wir haben und schützen müssen.“ Bürger, die sich nicht informiert fühlten, bittet er um Verständnis: „Wir hatten ja keine Zeit, groß zu planen.“ Einzelfälle wie beim Ehepaar Raabe seien sehr bedauerlich, aber letztlich auch der unübersichtlichen Lage geschuldet.

Die Stadt Osnabrück informierte die Bürger im Internet zur Bombenräumung: „Für bettlägerige oder kranke Personen bestehen Transportmöglichkeiten, die über die Regionalleitstelle Osnabrück (Telefon: 0541 323-4455) angefordert werden können.“ Auf der Homepage der Gemeinde Lotte gab es jedoch keine Hinweise zur Bombenräumung. Das im Rathaus Wersen eingerichtete Bürgertelefon, war überlastet: „Wir hatten zwischen 18 und 1.30 Uhr 230 Anrufe“, berichtet Ulrich Zahn, Mitarbeiter des Ordnungsamtes Lotte.

(Weiterlesen: Doppel-Alarm in Osnabrück: Zwei Blindgänger an einem Tag entschärft)