Abschluss der Predigtreihe „Bürger auf der Kanzel“ ist ein gelungenes Experiment

Von Jannik Zeiser

Zum Reformationsjubiläum hatte die evangelische Kirche Alt-Lotte Bürger zur Predigt auf die Kanzel gerufen. Christel Holtmann-Frie (2. von rechts) wird ihre Predigt am kommenden Sonntag nachholen. Foto: Jannik ZeiserZum Reformationsjubiläum hatte die evangelische Kirche Alt-Lotte Bürger zur Predigt auf die Kanzel gerufen. Christel Holtmann-Frie (2. von rechts) wird ihre Predigt am kommenden Sonntag nachholen. Foto: Jannik Zeiser

Lotte. An diesem Sonntag geht die Alt-Lotter Predigtreihe „Bürger auf der Kanzel“ zu Ende. Das Reformationsjubiläum in 2017 sei Anlass für den Versuch gewesen, sagt Pastor Detlef Salomo. Rückblickend ist er überzeugt: „Dieses Projekt ist auf Wiederholung angelegt.“

In vielerlei Hinsicht hat der Reformator Martin Luther vor 500 Jahren für Aufruhr gesorgt. Viele seiner Überzeugungen waren mit den Praktiken der katholischen Kirche unvereinbar; eine dieser Ideen betrifft das Amt des Priesters: Alle getauften Christen seien bereits geistlichen Standes. Eine Priesterweihe oder ein Theologiestudium ist demnach nicht nötig, um im Gottesdienst zu predigen – so gibt es in der evangelischen Kirche zwar keine Priester mehr, wohl aber ausgebildete Pastoren.

Reformationsjahr als Anlass

Luthers Idee beim Wort zu nehmen, und theologische Laien eine Predigt halten zu lassen, davon ist Detlef Salomo bereits seit längerer Zeit angetan. Das Reformationsjubiläum erschien ihm im vergangenen Jahr dann ein passender Anlass, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Inzwischen ist das Jubiläumsjahr vorüber, und mit Christel Holtmann-Frie steht am kommenden Sonntag die letzte Laienpredigerin vor der Gemeinde. Wie fällt das Resümee des Alt-Lotter Pastors aus?

Erfolgreich auf vielen Ebenen

Auf verschiedene Arten sei die Predigtreihe ein erfolgreicher Versuch gewesen, findet Salomo. Zunächst sei eine tolle Entwicklung bei den Gottesdienstbesuchern zu vermerken: „Die Prediger haben natürlich jeweils ihre eigene Fangemeinde mitgebracht.“ Davon abgesehen ist der Pfarrer auch inhaltlich angetan von den Beiträgen: „Es war sehr eindrucksvoll zu sehen, wie die Prediger sich mit ihren Themen auseinandergesetzt haben. Jeder hat eine andere Perspektive eingebracht und hatte eine eigene Herangehensweise an die Bibeltexte.“ Das Spannende sei schließlich gerade, wenn Menschen aus unterschiedlichen Berufen und Hintergründen ihre eigene Interpretation der Bibeltexte mit der Gemeinde teilen. Er selbst lese die Texte ja durch die Brille eines Theologen, begründet Salomo.

Vielfältige Perspektiven

So nahm sich zum Auftakt der Predigtreihe etwa Bürgermeister Rainer Lammers des Themas „Frieden und Gerechtigkeit“ an. Und als Biologe warf Wolfgang Isreal einen kritischen Blick auf den Auftrag in der Schöpfungsgeschichte „Macht euch die Erde untertan“. Er zeigte die Gefahr ökologischer und gesellschaftlicher Katastrophen auf, die ein achtloser Umgang mit der Natur mit sich bringt und mahnte zu Verantwortung. Mit Andreas Twardon und Christel Holtmann-Frie sind sogar zwei katholische Christen Teil der Reihe.

Baldige Wiederholung?

Wird es also eine baldige Wiederholung geben? Das sei durchaus vorstellbar, findet Detlef Salomo. Zwar wolle man das Format nicht überstrapazieren, aber grundsätzlich sei die Sache auf Wiederholung angelegt. „Dazu gehört natürlich auch ein wenig Mut vonseiten der Teilnehmer, die haben schließlich in der Regel keine Erfahrung in der Auslegung von Bibeltexten“, stellt er fest. Aber: „Alle Laienprediger haben es als bereichernde Erfahrung beschrieben und waren froh, mitgemacht zu haben.“ Auch einige Zuhörer hätten anschließend ihr Interesse bekundet. Wer grundsätzlich Interesse habe, könne auch über eine Ausbildung zum Prädikanten, also Hilfsprediger, nachdenken. „Als Vertretung, etwa zur Urlaubszeit, werden diese Laienprediger häufig gebraucht.“

Abschluss der Reihe

Am Sonntag um 10 Uhr wird die Sozialpädagogin Christel Holtmann-Frie zum Thema „Maria- und Martatage in unserem Leben“ zu Lukas 10, 38-42 predigen und die Reihe damit vorerst abschließen.