Konzert mit Trio Contemporaneo Unerhörte Klänge in der Lotter Arche

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Einen Mix aus Wohlbekanntem und Unerhörtem präsentierte das Trio Contemporaneo in der Arche. Foto: Stefan BuchholzEinen Mix aus Wohlbekanntem und Unerhörtem präsentierte das Trio Contemporaneo in der Arche. Foto: Stefan Buchholz

Lotte. Mit dem Trio Contemporaneo luden jetzt Bürgerstiftung und evangelische Gemeinde Lotte zum Neujahrskonzert in die Arche ein. Im Gemeindezentrum erklangen dabei wohlbekannte und unerhörte Töne.

Als „durchaus besonderes Konzert in der lokalen Kulturszene“ wertete Pfarrer Detlef Salomo schon in der Vorstellung den Auftritt der drei Musiker. Er sollte recht behalten. Das Trio hielt neben einigermaßen vertrauten Klangfolgen durchaus Herausforderndes für die Ohren bereit.

Ungewohnte Töne

Mit einer Schubert-Sonate für Viola und Klavier eröffneten zwei der drei Musiker das 75-minütige Konzert. Gefällig war das in die Romantik einzuordnende Stück nicht. Klang das Klavierspiel von Tamara Buslova noch vertraut, entlockte Benjamin Nachbar seiner Bratsche mit eigenwillig gesetzten Verzierungen ungewohnt klingende Töne.

Zu verstehen als Einstimmung auf das, was nun folgte. Mit „Das Licht in den Schatten“, geschrieben von Ensemble-Leiter Günther Wiesemann, wechselten die Musiker die Instrumente. Wiesemann nahm Platz am Klavier, Tamara Buslova tippte Klangschalen an. Das Stück wurde vom Trio in lauten, expressiven, dann aber auch in wieder fast meditativ klingenden Phasen gespielt.

Wiesemann ordnete seine Musik auf Nachfrage als zeitgenössisch ein. Eine zweite Komposition („time cut“) folge der sogenannten Polystilistik. „Es weist Ansätze von Fugentechnik auf und ist als Minimalmusic zu verstehen“, sagte Wiesemann.

Mangel an Kommunikation

Keine Frage: Musik auf diesem Niveau bedarf der gesonderten Erklärung. Hier wäre eine kurze erläuternde Einführung hilfreich gewesen. Und apropos Kommunikation: Fehlende Absprache gepaart mit mangelnder Kenntnis führte im dritten Stück, von Nachbar solo gespielt, fast zum Abbruch. Was war geschehen? Nachdem aus dem Publikum zum zweiten Male mit Blitz fotografiert wurde, unterbrach Nachbar das Paganini-Stück und forderte den Fotografen auf, doch selber zu spielen. „Das ist hier kein Pop-Konzert.“ Wiesemann sprang ein und schilderte, wie verstörend Blitzlichter wie auch Fotografieren auf Kammerkonzert-Musiker im Allgemeinen wirken.

Verblüffend unerhört

Benjamin Nachbar nahm das Spiel wieder auf. Nach einem Ausflug in den Spät-Barock, endete das Konzert mit einer dritten Komposition von Günther Wiesemann. „Spuren, tastnah – für wenige Schlaginstrumente“ präsentierte Verblüffendes. Aus einem schlichten Gong vermochte Wiesemann eine Vielzahl faszinierender Klangbilder entstehen zu lassen.

„Ich glaube, so etwas haben wir hier noch nie zur Aufführung gebracht“, meinte Pfarrer Salomo am Ende des lehrhaften Konzertes.


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