Deutsch französische Tradition „Galette des rois“ im Lotter Haus Hehwerth

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Lotte. Nach und nach trafen am Donnerstagabend die Mitglieder des Deutsch-Französischen-Fördervereins Lotte (DFF) im Haus Hehwerth ein. Im kleinen Versammlungsraum duftete es nach Kaffee und Kuchen. „Je te souhaite une bonne année. Ich wünsche euch ein frohes neues Jahr.“, begrüßt die Vorsitzende Pierrette Tisserand-Ennen die Anwesenden zum traditionellen „Galette des rois“, dem Königskuchenessen.

Der Königskuchen, wie er zu Deutsch heißt, oder vielmehr das Verspeisen desselben, ist ein Brauch in Frankreich, der jedes Jahr zum 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige, begangen wird. Auch in Lotte hat er dank des DFF und der Kontakte in die französische Partnerstadt Lys-lez-Lannoy Fuß gefasst.

Regionale Variationen

Jedes Jahr werden verschiedene Kuchen für „La galette des rois“ gebacken. „Typisch ist eigentlich ein Kuchen aus Blätterteig, gefüllt mit Mandelcreme. Der ist natürlich sehr süß“, erklärt Tisserand-Ennen. Es gebe je nach Region aber Variationen, zum Beispiel nur Blätterteigkuchen mit Zucker darauf. In das Gebäck werden kleine Figuren eingebacken. Wer nun die Ehre hat, das Kuchenstück mit der Figur auf dem Teller liegen zu haben, ist König oder Königin des Tages. „Wenn Kinder bei dem Treffen dabei sind, versteckt sich eines unter dem Tisch und sagt, wer das nächste Stück bekommen soll. So kann man nicht mogeln“, erklärt Tisserand-Ennen.

Früher wurden in den Kuchen harte Bohnen eingebacken, „aber da musste man natürlich aufpassen, dass man das nicht verschluckt“, so Tisserand-Ennen. Später seien die Figuren dann aus Kunststoff gefertigt worden und stellten meist einen König, eine Königin oder ein Glückssymbol dar. „Hier zum Beispiel. Das ist eine Lilie, die Königsblume, die Fleur-de-Lis“, ergänzt die Vereinsvorsitzende.

Inzwischen sei der Brauch leider kommerzialisiert worden, bedauert sie. Heute seien die Figuren aus Porzellan oder Keramik, die alles Denkbare symbolisieren könnten. „Es gibt inzwischen Serien, die auch gesammelt werden. Wenn zum Beispiel ein Comic oder ein Disney-Film neu erscheint, hat man die Möglichkeit, die ganze Serie für viel Geld zu kaufen“, gibt Tisserand-Ennen zu verstehen.

Vier Majestäten

Bei den Mitgliedern des Fördervereins hielt sich jedoch die Motivation, eine Majestät zu werden, in Grenzen. Da vier Kuchen auf dem Tisch standen, gab es letztlich auch vier Krönungszeremonien. Neben Renate Friedrich, Marlies Kribber und Rosemarie Wahl als Königinnen wurde Rainer Kurrelmeyer zum einzigen König des Abends.

Dieser verlief in der Folge beschaulich und gemütlich. Die Anwesenden blickten unter anderem auf das vergangene Jahr zurück. Ein Höhepunkt war hier der viertägige Ausflug der Mitglieder vom 30. September bis zum 3. Oktober. Ziel war die Stadt Amien in der Region Picardie, eine Autostunde nördlich von Paris. Nach der Fahrt entstand ein Fotobuch, das am Donnerstag in Augenschein genommen wurde. Großes Interesse bestand auch an den Papillotes, die Tisserand-Ennen aus Frankreich mitgebracht hatte. Dabei handelt es sich um Schokoladenbonbons, in deren Innerem ein Zettelchen mit einem philosophischen Sinnspruch, einem Rätsel oder einer Frage versteckt ist. Den französischen Text zu entziffern vermöchten zwar nicht alle Anwesenden, aber mit Pierrette Tisserand-Ennen hatten sie professionelle Hilfe: sSie arbeitet als Dolmetscherin und Übersetzerin.

Der Förderverein Lotte setzt sich seit 1994 für die Pflege der deutsch-französischen Beziehungen, den Informationsaustausch zwischen den Bürgerinnen und Bürgern aus Lotte und Lys-lez-Lannoy, die Förderung und Planung von Familien-, Vereins- und Jugendaustauschen sowie gegenseitigen Besuchsreisen ein. Außerdem übernimmt er die Betreuung der Gäste aus Frankreich.


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